Vonovia fällt unter Jahrestief – Zinsen und Politik belasten

Morgan Stanley belastet Vonovia und LEG, während TAG nach einem positiven Goldman-Sachs-Votum zulegt.

Die Kernpunkte:
  • Vonovia fällt unter jüngstes Jahrestief
  • Morgan Stanley stuft LEG auf Underweight
  • TAG steigt nach Goldman-Sachs-Kaufempfehlung
  • Berliner Koalitionsgespräche bergen Eingriffsrisiken

Skepsis von Analystenseite und neue politische Risiken in der Hauptstadt drücken große deutsche Wohnungsaktien auf neue Tiefstände. Steigende Marktzinsen treffen auf die Furcht vor Vergesellschaftungsplänen in Berlin, während sich Einzeltitel mit profitablem Auslandsgeschäft der Schwächephase entziehen können.

Zinsdruck und Berliner Enteignungsdebatte

Vonovia fiel auf der Handelsplattform Xetra zeitweise um 2,63 Prozent auf 16,135 Euro. Damit rutschte das Papier unter sein jüngstes Jahrestief von 16,185 Euro. Auslöser des jüngsten Rücksetzers war eine vorsichtige Einschätzung durch Morgan Stanley.

Zu den generellen Belastungen durch steigende Marktzinsen kommt neue politische Verunsicherung hinzu. Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin steht das Thema Vergesellschaftung von Immobilienportfolios wieder zur Debatte. SPD und Grüne machten am Vorabend den Weg für Koalitionsverhandlungen frei. Vonovia und die Tochtergesellschaft Deutsche Wohnen wären von entsprechenden Vorhaben einer möglichen rot-rot-grünen Landesregierung besonders stark betroffen.

Allerdings verläuft der Weg zu einem Regierungsbündnis holprig. Der Fraktionsvorstand der Linken berät am Dienstag erneut über das Thema Antisemitismus und den Umgang mit der Abgeordneten Vanessa Emde. Für SPD und Grüne stellt die Personalie einen wichtigen Störfaktor für die anstehenden Verhandlungen dar.

Morgan Stanley stuft LEG ab, Goldman Sachs stützt TAG

Der Gegenwind erfasst den gesamten Sektor. Morgan Stanley senkte auch das Votum für LEG Immobilien auf „Underweight“. Daraufhin gab der Kurs zeitweise um 1,61 Prozent auf 45,28 Euro nach.

Dass eine Differenzierung im Sektor möglich bleibt, beweist TAG Immobilien. Die Aktie konnte sich nach einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs abkoppeln und verzeichnete ein Plus von 1,45 Prozent auf 10,49 Euro.

Verantwortlich dafür ist vor allem die geografische Ausrichtung. Der Wachstumsmotor Polen verhilft dem Hamburger Konzern nach Einschätzung von Goldman Sachs zu einer branchenweit führenden Gewinndynamik. Eine solide Bilanz sowie geringe Leerstände und verlässliche Renditen im deutschen Kernbestand federn das veränderte Zinsumfeld zusätzlich ab.

Für die Berliner Großvermieter hängt die Bewertung in den kommenden Wochen vom Ausgang der politischen Gespräche ab. Sollten SPD, Grüne und Linke ihre Differenzen überwinden und ein Bündnis schmieden, bleibt das Risiko regulatorischer Eingriffe eine anhaltende Belastung für Vonovia und Deutsche Wohnen.

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