Vor der US-Inflationszahl: Warum Versicherer jetzt der ruhigere Trade sind

Vor den US-Inflationsdaten zeigen sich Versicherer als robuste Anlage. Die Allianz kauft eigene Aktien, während der Markt auf den CPI-Termin wartet.

Die Kernpunkte:
  • Allianz setzt Aktienrückkauf fort
  • Munich Re erwartet steigende Nachfrage
  • On Holding senkt Wachstumsprognose
  • eToro übernimmt US-Broker TradeZero

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

52,1 zu 47,9 Prozent – so knapp steht der Optionsmarkt derzeit zwischen einer Fed-Zinspause im September und einer weiteren Erhöhung. Enger geht es kaum. Am Mittwoch veröffentlicht Washington die Juli-Inflationsdaten, und diese eine Zahl dürfte entscheiden, in welche Richtung das Pendel ausschlägt. Während gestern noch Berkshires Kapitaldisziplin und GameStops gescheiterte Übernahmefantasie die Schlagzeilen bestimmten, rückt heute ein anderer Gegensatz in den Fokus: Chipwerte und Öl beherrschen die große Bühne, doch abseits davon behaupten sich Versicherer und Finanztitel mit einer Stabilität, die vor dem morgigen Termin auffällt.

Die CPI-Zahl als Nadelöhr für Zinsfantasie

Nach dem enttäuschenden Juli-Arbeitsmarktbericht mit einem Stellenabbau von 23.000 lag die Erwartung einer Fed-Erhöhung zwischenzeitlich noch niedriger als jetzt – der Optionsmarkt hat sich seither wieder auf beinahe 50:50 zubewegt. Goldman Sachs rechnet für die Kernrate mit einem moderaten Anstieg von 0,19 Prozent im Monatsvergleich, HSBC spricht ebenfalls von „moderaten“ Daten. Die Fed-Leitzinsspanne liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent, die zehnjährige US-Staatsanleihe rentiert bei 4,682 Prozent. Jede Abweichung von dieser Konsensschätzung kann Aktien, Gold und Bitcoin gleichzeitig bewegen: Gold markierte am Dienstag mit rund 4.435 Dollar je Feinunze intraday den höchsten Stand seit Anfang Juni, bevor es wieder auf etwa 4.370 Dollar zurückfiel – ein Tauziehen zwischen schwachen Jobdaten, die für Zinssenkungen sprechen, und steigenden Ölpreisen, die die Inflationssorgen neu befeuern. Bitcoin hält sich unterdessen seit Tagen in einer engen Spanne zwischen rund 63.800 und 65.400 Dollar und wartet erkennbar auf den Impuls aus Washington.

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Während der Goldpreis vor dem morgigen Inflationsbericht zwischen rund 4.370 und 4.435 Dollar schwankt, fragen sich viele Anleger, wie tragfähig dieser Aufwärtstrend wirklich ist. Ein kostenloser Report beleuchtet, warum Zentralbanken seit Jahren gezielt Gold horten und was das für einen möglichen Gold-Boom bedeutet. Jetzt Gold-Report sichern

Versicherer als ruhender Pol im Depot

Während Halbleiterwerte und zinssensible Wachstumstitel auf jede Zinsnachricht nervös reagieren, liefern Versicherer derzeit den Gegenbeweis. Die Allianz-Aktie markierte Anfang August ein neues Vier-Wochen-Hoch und notiert aktuell bei 437,40 Euro. Zwischen dem 3. und 7. August kaufte der Konzern weitere 218.432 eigene Aktien zu Durchschnittskursen zwischen 433,53 und 441,86 Euro zurück – seit Programmstart im März summiert sich das Volumen auf fast 4,93 Millionen Aktien. Berenberg bestätigt eine Kaufempfehlung, RBC bewertet den Titel mit „Sector Perform“ neutral.

Aufschlussreicher noch ist der Ausblick von Munich-Re-Chef Jurecka: Er erwartet mittel- bis langfristig weiter steigende Nachfrage nach Sach- und Unfallrückversicherung, getrieben von bislang unversicherten Risiken wie Cyberangriffen, KI-Infrastruktur und Rechenzentren sowie dem Klimawandel – und das trotz einer für 2026 erwarteten Normalisierung der Schadenskosten nach den aktuell komfortablen Kapitalpolstern der Branche. Auch Swiss Re (rund 146 Euro) und der britische Bankenriese HSBC, dessen Aktie kürzlich bei 18,99 Euro ein 52-Wochen-Hoch erreichte und aktuell bei 17,95 Euro notiert, untermauern das Bild: Finanzwerte mit stabilen Cashflows bieten in der Zins-Warteschleife vor dem CPI-Termin sichtbaren Halt. Für Anleger, die zuletzt auf Kupfer oder Baumaschinen als Absicherung gegen die Zinsunsicherheit gesetzt haben, ist das eine Alternative mit weniger Volatilität.

On Holding reißt die gesamte Sportartikelbranche mit

Wie unerbittlich der Markt hohe Wachstumserwartungen bestraft, zeigt On Holding. Der Schweizer Laufschuhhersteller wies für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 105 Millionen Franken aus (0,31 Franken je Aktie) – nach einem Verlust im Vorjahresquartal eigentlich eine deutliche Verbesserung. Das Problem liegt im Umsatz: Er legte nur um 13,5 Prozent auf 850,3 Millionen Franken zu, deutlich weniger als die von Analysten erwarteten rund 17,6 Prozent beziehungsweise 881,4 Millionen Franken Konsens. Zusätzlich senkte das Management die Wachstumsprognose für 2026 von 23 auf über 20 Prozent. Die Reaktion: Die Aktie brach um 19,2 Prozent auf 31,3 Dollar ein – und zog Adidas, Puma und Nike gleich mit nach unten. Für Anleger im Sportartikelsektor ist das eine klare Mahnung: Bewertungen, die auf makellose Wachstumsfortsetzung setzen, verzeihen keine Guidance-Kürzung, selbst wenn die operative Gewinnentwicklung intakt bleibt.

Alibaba öffnet die KI-Plattform – der Kurs bleibt unbeeindruckt

Alibaba treibt seine KI-Monetarisierung voran: Seit Montag können Drittentwickler über die Qwen-Open-Platform eigene KI-Agenten für Smartphones, PCs und Smart Glasses bauen. Parallel verkauft die hauseigene KI-Marke Qwen inzwischen kostenpflichtige Office-Abos zwischen 3 und 19 Dollar im Monat – eine direkte Monetarisierungsstrategie nach aggressiven Marketingausgaben von umgerechnet rund 889 Millionen Dollar rund um das chinesische Neujahrsfest. Die Analystenschätzungen liegen im Schnitt bei einem Kursziel von 186,69 Dollar, deutlich über dem aktuellen Niveau von rund 128 Dollar, an dem die Aktie am Dienstag um gut 3 Prozent nachgab. Belastend wirken weiterhin eine EU-Kartellstrafe von 550 Millionen Euro gegen die Tochter AliExpress sowie vier in Folge verfehlte Gewinnschätzungen. Wer auf Chinas KI-Ökosystem setzen will, sollte diese Diskrepanz zwischen strategischem Fortschritt und Kursverlauf im Blick behalten – der Markt honoriert die Plattform-Öffnung bislang nicht.

Krypto-Konsolidierung: eToro kauft sich Zugang zum US-Aktienhandel

Auch im Kryptosegment dominiert das Warten auf die Fed – doch ein Deal zeigt, wohin sich die Branche strukturell bewegt. eToro kündigte an, den US-Broker TradeZero für bis zu 231 Millionen Dollar zu übernehmen und sich damit Zugang zu US-Aktienhandel und Margin-Geschäft zu verschaffen. Der Grund liegt auf der Hand: Der Kryptohandel bei eToro selbst brach im Juli um 73 Prozent ein. Der Gesamtumsatz sank im zweiten Quartal auf 1,59 Milliarden Dollar von 2,09 Milliarden im Vorjahr, während das Netto-Handelseinkommen aus Aktien, Rohstoffen und Devisen um 24 Prozent auf 141,6 Millionen Dollar zulegte. Die Botschaft ist unmissverständlich: Broker diversifizieren weg vom reinen Kryptohandel, während Bitcoin und Co. auch charttechnisch feststecken. Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs von zuletzt 854 Millionen Dollar binnen einer Woche stehen tagesaktuellen Abflüssen gegenüber – ein Bild, das zur engen Handelsspanne von Bitcoin passt.

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Sollte die Inflationszahl die Zinsfantasie erneut anheizen, dürfte Gold nicht der einzige Profiteur sein – auch ausgewählte Gold-Aktien könnten den Preisanstieg überproportional mitnehmen. Ein PDF-Sonderreport von Experte Maximilian Ritter nennt Namen und WKN von drei Aktien, die den Goldpreis hebeln können, ohne dass Anleger physisches Gold lagern müssen. Zum Sonderreport wechseln

Der globale Kompass

Der Mittwoch wird zum Lackmustest für zwei entgegengesetzte Wetten: Fällt die Kernrate wie von Goldman erwartet moderat aus, dürfte die Zins-Resilienz der Finanzwerte belohnt werden, und auch Gold sowie Bitcoin bekämen Spielraum nach oben. Überrascht die Zahl nach oben, geraten genau jene Sektoren unter Druck, die sich zuletzt auf sinkende Zinsen verlassen haben – während Versicherer mit ihren Rückkaufprogrammen und dem strukturellen Rückversicherungswachstum den defensiveren Anker im Depot bilden dürften. Der Unterschied zu gestern: Ging es am Montag noch um die Frage, wer sein Kapital diszipliniert einsetzt, entscheidet morgen eine einzige Inflationszahl, welche Anlageklasse dafür überhaupt noch Rückenwind bekommt. On Holding hat bereits vorgeführt, wie schnell der Markt Wachstumsenttäuschungen quittiert – ein Muster, das sich bei enttäuschenden CPI-Daten auch auf zinssensiblere Sektoren übertragen dürfte.

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