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Vorstandsinterview Exklusiv: TubeSolar AG – „Beste Voraussetzungen, unsere Ziele zu erreichen“

Die seit Februar an der Börse Düsseldorf gelistete TubeSolar AG (ISIN DE000A2PXQD4), ein Hersteller von robusten Dünnschichtröhren zur Solarenergiegewinnung, hat mit dem renommierten Stuttgarter Ingenieurbüro schlaich bergermann partner – sbp sonne eine weltweite Kooperation zur Entwicklung einer neuartigen Überspannung von Agrarflächen geschlossen. BÖRSE GLOBAL sprach im Exklusiv-Interview mit den TubeSolar-Vorständen Reiner Egner und Jürgen Gallina über die Vorteile dieser „leichten“ Aufständerung, doppelte Einnahmequellen in der Agro-Photovoltaik und neue Marktchancen bei Industrie- und Gewerbebauten. Trotz der COVID-19-Pandemie sind die Lieferketten stabil und zuverlässig, entsprechend bleiben Planungen und Ziele der Gesellschaft unverändert.

 

Reiner Egner Vorstand TubeSolar AG

Reiner Egner, Vorstand TubeSolar AG / © TubeSolar AG

Herr Egner, die TubeSolar AG ist ein Hersteller von robusten Dünnschichtröhren zur Solarenergiegewinnung. Womit grenzen Sie sich von anderen Solarmodulherstellern ab?

Reiner Egner: Unsere Module sind ein völlig neuer Lösungsansatz. Sie unterscheiden sich ganz wesentlich von den herkömmlichen Solarmodulen: sie sind erheblich leichter, erfordern weniger Materialeinsatz, sind licht-, wind- und wasserdurchlässig, sorgen bei der Anwendung in der Landwirtschaft für gleichmäßige Beschattung, reduzieren den Wasserbedarf und schützen die Pflanzen vor Starkregen, Hagel und Vogelfraß. Und nicht zuletzt sorgt die Röhrenform dafür, dass die Module nahezu selbstreinigend sind.

Sie sprechen die Anwendung in der Landwirtschaft an. Warum haben Sie Ihren Fokus auf die sogenannte Agro-Photovoltaik gelegt?

Reiner Egner: Durch die Überdachung von Agrarflächen können diese gleichzeitig für die Landwirtschaft und zusätzlich für die solare Energiegewinnung genutzt werden. Damit erschließen wir eine doppelte Einnahmequelle und sorgen für regeneratives Wirtschaften. Daneben haben wir aber auch die Industriegebäude im Blick. Zukünftig sollen Photovoltaikanlagen auf Gewerbe- und Industriebauten in einigen Bundesländern zur Pflicht werden. Damit entsteht für unsere Module mit ihren statischen Vorteilen gegenüber den herkömmlichen Solarmodulen ein erhebliches zusätzliches Marktpotenzial.

Jürgen Galinna Vorstand TubeSolar AG

Jürgen Gallina, Vorstand TubeSolar AG / © TubeSolar AG

Herr Gallina, Sie haben eine Kooperation mit dem renommierten Stuttgarter Ingenieurbüro schlaich bergermann partner zur Entwicklung einer neuartigen Überspannung von Agrarflächen geschlossen. Warum sehen Sie in der sbp sonne gmbh den idealen Partner für Sie?  

Jürgen Gallina: Die sbp sonne gmbh gilt als international führendes Ingenieurbüro und hat durch die Realisierung innovativer Solarprojekte in der ganzen Welt gezeigt, dass sie für solarthermische und Photovoltaik-Kraftwerke intelligente und kostengünstige Lösungen entwickeln und höchsten Ansprüchen gerecht werden kann.

Das Entwicklungsteam der sbp sonne gmbh bündelt unterschiedliche Disziplinen (Ingenieure des Maschinenbaus und der Energietechnik, der Luft- und Raumfahrttechnik, Physiker, Spezialisten für optische Systeme und Thermodynamik, Softwarespezialisten und natürlich auch Bauingenieure), um unsere Aufgabenstellung umfassend zu bearbeiten. Die intensive Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Disziplinen ermöglicht die Entwicklung einer effizienten und kostengünstigen Aufständerung für unsere TubeSolar-Module inklusiv einer Software zur Lichtbestimmung und einem vollautomatischen Reinigungssystem.

Welche Anforderungen muss die Überspannung erfüllen und wann rechnen Sie mit der Marktreife dieser Lösung?

Jürgen Gallina: Durch das geringe Gewicht und die Winddurchlässigkeit unserer TubeSolar-Module gibt es gegenüber herkömmlichen Solarmodulen niedrigere Trag- und Windlasten. Daraus resultieren geringere Anforderungen an die Aufständerung und eine „leichtere“ Konstruktion. Dadurch können der Materialeinsatz und damit die Kosten optimiert werden. Natürlich sollen möglichst große Flächen ohne Abstützung überspannt werden, um die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen darunter möglichst wenig zu stören und ein optimales Pflanzenwachstum durch genaue Berechnung der am Boden ankommenden Sonnenstrahlen zu garantieren.

Bis Ende 2020 werden wir erste Ergebnisse präsentieren können.

Sie haben angekündigt, die bestehende Pilotfertigung auf Basis der von OSRAM/LEDVANCE erworbenen Technologie in den kommenden Jahren auf eine jährliche Produktionskapazität von 250 MW hochskalieren zu wollen. Gibt es größere Hürden, die Sie dabei noch überwinden müssen oder arbeiten Sie nun konsequent Ihren Businessplan ab?

Jürgen Gallina: Wir sind momentan dabei, eine Demonstrationsanlage für eine hochautomatisierte Fertigung zu entwickeln und aufzubauen. Das ist der erste Schritt in der Hochskalierung auf 250 MW Jahresleistung und geschieht im Einklang mit unserem Businessplan. Neben einem exzellenten Produkt und einem engagierten Team verfügen wir zusammen mit meinen Kollegen aus ehemaligen OSRAM/LEDVANCE-Zeiten über eine sehr erfahrene Mannschaft mit operativer Expertise. Beste Voraussetzungen also, unsere Ziele zu erreichen. 

Herr Egner, welche Auswirkungen hatte die COVID-19-Pandemie bisher auf die TubeSolar AG? Und wie stark werden Ihre weiteren Planungen davon beeinflusst?

Reiner Egner: Wir haben im Unternehmen die erforderlichen Schutzmaßnahmen umgesetzt. Aufgrund unseres Geschäftsmodells sind wir von den Auswirkungen der Pandemie nicht betroffen. Unsere Planungen und Ziele bleiben unverändert, unsere Zulieferer befinden sich überwiegend in Deutschland oder im europäischen Ausland. Damit sind unsere Lieferketten stabil und zuverlässig.

Chart TubeSolar AG

Chart TubeSolar AG

Herr Egner, Herr Gallina, vielen Dank für das Interview.

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