Vulcan Energy Aktie: 2,2 Milliarden Euro gesichert, Kurs fällt

Vulcan Energy erhält 2,2 Mrd. Euro für das Lithiumprojekt Lionheart, doch der Aktienkurs fällt trotzdem auf ein Jahrestief. Der schwache Lithiumpreis und hohe Short-Interest-Quote belasten die Stimmung.

Die Kernpunkte:
  • 2,2 Mrd. Euro Finanzierung gesichert
  • Aktie fällt auf Jahrestief
  • Lithiumpreis seit 2022 um 70% gefallen
  • Produktionsstart für 2027 geplant

Vulcan Energy hat sich eine Finanzierung von 2,2 Milliarden Euro für das Lithiumprojekt Lionheart im Oberrheingraben gesichert – und trotzdem fällt die Aktie auf ein Jahrestief. Der Widerspruch zwischen operativem Erfolg und Kursreaktion prägt derzeit das Bild des australisch-deutschen Unternehmens.

Die Finanzierungsrunde bündelt Mittel aus mehreren Staaten und Institutionen. Die deutsche Bundesregierung beteiligt sich über einen Rohstofffonds mit bis zu 150 Millionen Euro, die australische Exportkreditagentur Export Finance Australia steuert 120 Millionen Euro bei. Hinzu kommen Gelder der Europäischen Investitionsbank, von Export Development Canada, dem dänischen Export- und Investitionsfonds, Bpifrance Assurance Export sowie der italienischen SACE. Deutschlands Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begründete das staatliche Engagement mit dem Ziel, die Rohstoffversorgung zu diversifizieren. Die Europäische Investitionsbank und Australien hatten dazu bereits im November eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Was Lionheart liefern soll

Das Projekt zielt auf den Bau einer Anlage mit einer Kapazität von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr – nach Unternehmensangaben genug, um rund 500.000 Elektrofahrzeuge mit Batteriematerial zu versorgen. Die mechanische Fertigstellung ist bis 2027 geplant. Vulcan Energy verfolgt dabei einen Ansatz, bei dem Lithium aus geothermaler Sole im Oberrheingraben gewonnen wird, was dem Unternehmen zufolge einen Kohlenstoffvorteil gegenüber klassischen Fördermethoden verschafft.

Die Finanzierungszusage entfernt zunächst ein zentrales Risiko: die Frage, ob Vulcan Energy das kapitalintensive Projekt überhaupt stemmen kann. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen zusätzlich über liquide Mittel von rund 500 Millionen Euro. Analyst Michael Chen von Wood Mackenzie bezeichnete das Projekt als technisch solide und verwies auf den Nullemissions-Vorteil der Fördermethode. Zugleich hält er fest, dass der Markt Verzögerungsrisiken einpreist – die Umsetzung bis zum geplanten Produktionsstart 2027 bleibe entscheidend für die Bewertung.

Lithiummarkt bremst die Euphorie

Der Kontrast zur guten Finanzierungsnachricht liegt im Lithiumpreis selbst: Seit dem Hoch von 2022 ist er um rund 70 Prozent gefallen. In diesem Umfeld fällt es Anlegern schwer, milliardenschwere Neubauprojekte positiv zu bewerten, selbst wenn die Finanzierung steht. Die Short-Interest-Quote bei Vulcan Energy liegt bei rund 12 Prozent – ein Hinweis darauf, dass ein spürbarer Teil der Marktteilnehmer weiterhin auf fallende Kurse setzt.

Im australischen Handel war die Aktie nach Bekanntwerden der Finanzierung bereits auf 3,14 australische Dollar gefallen und damit nahe ihres 52-Wochen-Tiefs. Im deutschen Handel bestätigt sich das Bild: Am Freitag schloss das Papier in Frankfurt bei 1,55 Euro, ein Minus von 2,14 Prozent auf Tagessicht. Damit notiert die Aktie nur noch 3,60 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,50 Euro, das erst am 30. Juli markiert wurde. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober trennen das Papier inzwischen rund 61 Prozent.

Überverkaufte Signale, aber kein Befreiungsschlag

Der Relative-Stärke-Index von 28,9 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein technisches Warnsignal für potenziellen Verkaufsdruck, das aber allein noch keine Trendwende bedeutet. Der Kurs liegt zudem rund 19 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, was die Schwäche der vergangenen Wochen unterstreicht. Auf Jahressicht steht bei Vulcan Energy ein Minus von knapp 39 Prozent zu Buche.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Die Finanzierungszusage über 2,2 Milliarden Euro und die breite internationale Unterstützung – von der EU bis Australien – sprechen für die strategische Bedeutung des Lionheart-Projekts im Rahmen der europäischen Bestrebungen um kritische Rohstoffe. Der schwache Lithiumpreis und die hohe Short-Interest-Quote zeigen jedoch, dass der Markt die Ausführungsrisiken bis zur geplanten Produktionsaufnahme 2027 weiterhin hoch gewichtet.

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