Interviewmit Dieter Jaworski

Vulcan Energy Aktie: Die siebte Bohrung ist noch kein Fundament für Lionheart

Der Bohrtest stärkt eine technische Annahme, belegt aber keine dauerhaft erreichbare Förderrate für Lionheart.

Die Kernpunkte:
  • LSC-3a-Test stützt Rückführung von Thermalwasser
  • Dauerhafte Aufnahmefähigkeit bleibt unbewiesen
  • Lionheart-Betriebsstart für 2028 geplant
  • Analyst Jaworski bleibt bei Vulcan skeptisch

Am 28. Oktober soll Vulcan Energy seinen September-Quartalsbericht vorlegen; zuvor hat der Test der Reinjektionsbohrung LSC-3a eine Annahme für das Lionheart-Projekt gestützt. Wie viel Sicherheit bringt dieser Befund für ein Projekt, dessen Inbetriebnahme erst für die zweite Hälfte 2028 geplant ist? Felix Baarz spricht darüber mit Dieter Jaworski.

Vulcan Energy (AU0000066086) — Schlusskurse 24.04.2026 bis 21.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 21.10.2026.

Vulcan Energy (AU0000066086) — Schlusskurse 24.04.2026 bis 21.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 21.10.2026.

Felix Baarz: Vulcans Chef Cris Moreno hat deutlich mehr Aktien verkauft als gekauft. Ist das für Sie ein Warnzeichen, gerade weil Lionheart seinen Betrieb noch beweisen muss?

Dieter Jaworski: Im Verlustszenario zählt für mich vor allem, was passiert, wenn Bau und Hochlauf länger dauern: Kapital wird gebunden, während kommerzielle Lithiumerlöse ausbleiben. Der Verkauf taugt allerdings nicht als Beleg für Morenos Misstrauen.

Laut Meldung diente er dazu, Steuern auf zugeteilte Vergütungsaktien zu bezahlen. Meine Sorge hängt am Projekt, nicht an dieser Transaktion. Ein abgeschlossenes Finanzierungspaket sichert noch keinen Projekterfolg.

Felix Baarz: Sie sagen: „Ein abgeschlossenes Finanzierungspaket sichert noch keinen Projekterfolg.“ Das Lionheart-Paket ist seit Mai finanziell abgeschlossen. Wo kann die Rechnung für Aktionäre trotzdem teuer werden?

Dieter Jaworski: Beim Abstand zwischen finanziertem Bau und verdientem Geld. Lionheart soll erst in der zweiten Hälfte 2028 in Betrieb gehen. Wenn sich der Hochlauf verzögert oder Lithium zu schwachen Weltmarktpreisen verkauft werden muss, trägt die Aktie die Enttäuschung, bevor das Geschäft seine Ertragskraft gezeigt hat. Die Finanzierung nimmt eine große Hürde; sie übernimmt nicht das Betriebsrisiko.

Felix Baarz: Der Test von LSC-3a stützt die Annahme, dass Thermalwasser in eine durchlässige Gesteinsschicht zurückgeführt werden kann. Was droht Lionheart, falls diese Aufnahmefähigkeit im laufenden Betrieb nicht hält?

Dieter Jaworski: Dann gerät eine Voraussetzung des Feldentwicklungsplans unter Druck. Die geschätzten rund 64 Liter pro Sekunde beruhen auf Testdaten und Bohrlochmodellierung für die geplanten Betriebsbedingungen; unter den Testbedingungen an der Oberfläche wurden etwa 35 gemessen.

Der Test ist ein guter technischer Fortschritt. Eine dauerhaft erreichte Rate für das Feld beweist er noch nicht. Am Bericht vom 28. Oktober interessiert mich deshalb, was Vulcan über die nächsten Bohrungen und die Übertragbarkeit des Ergebnisses sagen kann.

Felix Baarz: Bei 0,69 Euro je Aktie stehen den Projektrisiken exklusive Lithium-Produktionslizenzen gegenüber. Wie viel Substanz steckt für Sie in dieser Bewertung?

Dieter Jaworski: Der Preis je Aktie allein verrät nicht, ob das Unternehmen günstig bewertet ist. Die Bergrechte im Oberrheingraben sind schwer zu ersetzen, und die Nähe zu europäischen Abnehmern hat wirtschaftlichen Wert.

Vulcan will Lithium mittels Direktextraktion unmittelbar aus Thermalwasser gewinnen und dieselbe Quelle auch für Geothermie nutzen. Das erkenne ich als möglichen Kostenvorteil an.

Nur lässt sich Lithium aus Australien oder Chile grundsätzlich ersetzen, wenn der Preis stimmt. Die Abnahmeverträge sichern Interesse am Produkt, keine freie Hand beim Verkaufspreis. Für einen belegten Bewertungsabschlag fehlt mir die kommerzielle Produktion.

Felix Baarz: Was müsste an den nächsten Bohrungen zu sehen sein, damit Ihre Skepsis früh ins Wanken gerät?

Dieter Jaworski: Wenn weitere Bohrungen über längere Zeit zuverlässig Wasser aufnehmen, liege ich womöglich zu vorsichtig. Daran würde ich meinen Irrtum früh erkennen. Ein einzelner gelungener Test reicht mir nicht.

Felix Baarz: Die zweite Hälfte 2028 nennen Sie als geplanten Beginn des Betriebs. Welches Urteil über die Aktie folgt für Sie aus diesem Abstand?

Dieter Jaworski: Lionheart hat einen Standort, Rechte und einen technischen Fortschritt, die ich nicht wegwische. Für mich wiegt schwerer, wie viel bis zum laufenden Betrieb noch gelingen muss und wie teuer ein Fehler auf diesem Weg werden kann. Deshalb bleibe ich bei der Aktie skeptisch: Der mögliche Gewinn ist vorerst leichter zu erzählen als der spätere Ertrag zu belegen.

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