Vulcan Energy Aktie: EIB sagt 250 Millionen Euro zu

Die EIB sichert Vulcan Energy 250 Millionen Euro für das Lionheart-Projekt zu. Zudem verstärkt Ex-Lynas-Chefin Amanda Lacaze das Board des Lithium-Produzenten.

Die Kernpunkte:
  • EIB bewilligt 250 Millionen Euro
  • Ex-Lynas-Chefin tritt Board bei
  • Lionheart-Gesamtfinanzierung steht
  • Hochtief ist größter Einzelaktionär

Die Europäische Investitionsbank hat sich zu einer weiteren Finanzierungszusage für Vulcan Energy durchgerungen. Am Montag vergangener Woche vereinbarte die EIB, 250 Millionen Euro für die erste Phase des Lionheart-Projekts im Oberrheingraben bereitzustellen. Das Gesamtprojekt ist mit zwei Milliarden Euro veranschlagt und soll eine integrierte, batterietaugliche Lithium-Lieferkette auf Basis geothermischer Solen aufbauen – ein Baustein, mit dem Europa seine Abhängigkeit von importierten Rohstoffen verringern will.

Die Nachricht traf auf einen Markt, der die Aktie zuletzt kräftig nach oben trieb. Am Freitag schloss das Papier bei 1,78 Euro, ein Plus von 4,76 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht summiert sich der Anstieg auf 15,78 Prozent. Vom Jahreshoch bei 4,15 Euro, erreicht am 15. Oktober, bleibt die Aktie mit einem Abstand von 57,04 Prozent aber weit entfernt – die Erholung der vergangenen Tage relativiert den Kursverlauf seit Jahresbeginn von minus 30,13 Prozent kaum.

Erfahrene Rohstoff-Managerin verstärkt den Aufsichtsrat

Parallel zur Finanzierungszusage baute Vulcan Energy sein Board personell aus. Amanda Lacaze, frühere Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende von Lynas Rare Earths, wird zum 17. August als unabhängiges, nicht geschäftsführendes Vorstandsmitglied berufen. Zusätzlich übernimmt sie einen Sitz im Audit-, Risiko- und ESG-Ausschuss des Unternehmens. Lacaze hatte Lynas ab 2014 geführt und den Konzern zu einem global bedeutenden Anbieter kritischer Rohstoffe entwickelt, bevor sie im Juni von der Position zurücktrat.

Executive Chairman Francis Wedin kommentierte die Berufung: „Ich freue mich, jemanden von Amandas Format im Board von Vulcan Energy willkommen zu heißen. Ihre herausragende Erfolgsbilanz und ihre jüngste Erfahrung beim Aufbau und Wachstum westlicher Lieferketten für kritische Rohstoffe werden von erheblichem Nutzen sein.“

Lionheart nimmt Formen an – Finanzierung bereits im Mai unter Dach und Fach

Den größten Meilenstein der jüngeren Unternehmensgeschichte hatte Vulcan Energy bereits Ende Mai vermeldet: den finanziellen Abschluss der 2,2 Milliarden Euro schweren Gesamtfinanzierung für die erste Phase von Lionheart. Der Zugriff auf die Mittel ist an Abrufbedingungen gebunden, gilt aber als deutliche Entschärfung des Finanzierungsrisikos. Im Quartalsbericht zum zweiten Quartal, das am 30. Juni endete, bestätigte das Unternehmen diesen Fortschritt und listete weitere Baustellen: Bauarbeiten, Bohrungen und Anlagenlieferungen laufen für Lithium-Extraktion und Chemieanlage gleichzeitig.

Auf der Abnehmerseite kann Vulcan Energy bereits auf gewichtige Namen verweisen. Offtake- und Lieferverträge bestehen unter anderem mit Stellantis, LG Energy Solution, Umicore, Glencore und Siemens. Zu den operativen Fortschritten im zweiten Quartal zählten laut Unternehmensangaben keine Ausfallzeiten durch Arbeitsunfälle, das Abteufen der sechsten und siebten Produktions- beziehungsweise Reinjektionsbohrung, eine landesweite Befreiung von der Lithium-Förderabgabe durch das Land Rheinland-Pfalz sowie eine Grundsteinlegung für die nachgelagerte Lithium-Chemieanlage in Frankfurt. Zudem zog mit Roberto Gallardo, Chief Strategy Officer von HOCHTIEF und Präsident sowie Executive Director der CIMIC Group, ein weiteres Vorstandsmitglied in das Board ein; Siemens erhielt einen größeren Auftrag im Rahmen des Projekts.

Finanziell wies das Unternehmen zum Quartalsende Zahlungsmittel und Einlagen von 273,9 Millionen Euro aus. Die Investitionsausgaben für das Quartal beliefen sich auf 92,0 Millionen Euro, seit Jahresbeginn auf 168,0 Millionen Euro – Geld, das größtenteils in Bau und Beschaffung für Lionheart floss. Zum aktuellen Handelstag beziffert sich die Marktkapitalisierung von Vulcan Energy auf 829,53 Millionen Euro.

Aktionärsstruktur im Wandel, Projektrisiken bleiben

Bei den Anteilseignern zeichnete sich zuletzt eine Verschiebung ab. Laut der Unternehmenspräsentation vom 29. Juli hält Gina Rineharts Hancock Prospecting noch rund 3,7 Prozent, nachdem der Anteil vor der stark rabattierten Kapitalerhöhung im Dezember bei etwa 6,49 Prozent gelegen hatte. Größter Einzelaktionär ist mittlerweile der deutsche Baukonzern Hochtief mit 15,4 Prozent.

Unabhängig von den operativen Fortschritten bleiben Risiken bestehen, auf die Marktkommentatoren zuletzt hinwiesen: Die direkte Lithiumextraktion ist in dieser Größenordnung kommerziell nirgendwo erprobt, geothermische Bohrungen bergen Reservoir- und Fließraten-Risiken, und Kostenüberschreitungen gelten bei Erstanlagen dieser Art als Regelfall. Auch deutsche Energiekosten und Genehmigungsverfahren gelten als anspruchsvoll. Die neu aufgenommenen Fremdmittel bringen Auflagen mit sich, weitere Eigenkapitalmaßnahmen würden bestehende Aktionäre erneut verwässern. Bei einer nachsteuerlichen internen Verzinsung von 13,7 Prozent bleibt zudem nur begrenzter Spielraum, sollten die Baukosten steigen oder der Lithiumpreis schwächeln.

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