Vulcan Energy Aktie: Financial Close für 2,2-Milliarden-Projekt

Vulcan Energy sichert Milliardenfinanzierung für Lithiumprojekt Lionheart und beruft Amanda Lacaze in den Aufsichtsrat. Die Aktie bleibt trotz Fortschritten unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • Finanzierung für Lionheart steht
  • Siemens-Liefervertrag gesichert
  • Amanda Lacaze neu im Aufsichtsrat
  • Aktie trotz Fortschritten schwach

Vulcan Energy Resources hat im zweiten Quartal 2026 einen zentralen Meilenstein erreicht: den Financial Close für das milliardenschwere Lithiumprojekt Lionheart im Oberrheingraben. Parallel dazu holt sich das Unternehmen mit Amanda Lacaze eine der bekanntesten Führungskräfte der australischen Rohstoffbranche in den Aufsichtsrat. Für Anleger bleibt die Gemengelage zwiespältig: Operativ macht Vulcan Fortschritte, an der Börse bleibt der Titel unter Druck.

Finanzierung steht, Bauarbeiten laufen

Die 2,2 Milliarden Euro schwere Finanzierung für die erste Ausbaustufe von Lionheart ist unter Dach und Fach. Das Unternehmen teilte mit, im Juni-Quartal ohne meldepflichtige Arbeitsunfälle produziert zu haben und den sechsten Produktions- beziehungsweise Reinjektionsbrunnen termingerecht und im Kostenrahmen fertiggestellt zu haben. Ein siebter Brunnen ist bereits angelaufen. Zudem sicherte sich Vulcan mit Siemens einen weiteren wichtigen Liefervertrag, womit die zentralen Ausrüstungskontrakte für Lionheart nun vollständig unter Dach und Fach sind.

Im Quartal flossen 92,0 Millionen Euro in die Entwicklung, vor allem in den Bau der Anlage und die Bohrarbeiten. Zum 30. Juni verfügte Vulcan über liquide Mittel und binnen 90 Tagen zugängliche Einlagen von 273,9 Millionen Euro. Bereits Ende Juli hatte das Unternehmen den Start der Hochbauarbeiten am geothermischen Kraftwerk in Landau vermeldet. Lionheart soll künftig jährlich 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat liefern – genug für bis zu 500.000 Elektrofahrzeug-Batterien.

Die Fertigstellung des Projekts wird nach Angaben aus Unternehmenspräsentationen mit rund 1,5 Milliarden Euro veranschlagt. Die Finanzierung stützt sich neben Fremdkapital auf öffentliche Förderungen von knapp 204 Millionen Euro und Eigenkapital in Höhe von 150 Millionen Euro, die Lionheart bereits vor dem Financial Close erhalten hatte. Die im März erteilte LiThermEx-Lizenz, Deutschlands erste Genehmigung zur Lithiumförderung, hatte das Projekt bereits im Vorfeld deutlich entrisikiert.

Lacaze verstärkt den Aufsichtsrat

Zum 17. August tritt Amanda Lacaze, frühere Managing Director und Chief Executive Officer von Lynas Rare Earths, als unabhängiges nicht-geschäftsführendes Vorstandsmitglied bei Vulcan ein. Sie gilt als eine der profiliertesten Führungspersönlichkeiten der australischen Rohstoffindustrie im Bereich kritischer Mineralien und wird zusätzlich dem Audit-, Risiko- und ESG-Ausschuss des Unternehmens angehören. Die Personalie fällt in eine Phase, in der Vulcan den Bau von Lionheart im Oberrheingraben vorantreibt und intern zunehmend Kompetenz für Governance und operative Skalierung aufbaut.

Aktionärsstruktur im Wandel

Auf Basis der Unternehmenspräsentation vom 29. Juli hält Hochtief mit 15,4 Prozent den größten bekannten Anteil an Vulcan und ist damit größter Einzelaktionär. Die Beteiligung von Gina Rineharts Hancock Prospecting ist dagegen von rund 6,49 Prozent vor der stark diskontierten Kapitalerhöhung im vergangenen Dezember auf etwa 3,7 Prozent gesunken. Die Verschiebung deutet auf eine Verwässerung bestehender Anteile durch die Kapitalmaßnahme hin, ohne dass ein aktiver Verkauf belegt ist.

Ausblick: Ludwigshafen und Kursbild

Für die kommenden Ausbaustufen will Vulcan bestehende Infrastruktur nutzen, um Investitions- und Betriebskosten zu senken und die Kapazität über zusätzliche Lizenzgebiete auszuweiten. Eine Pre-Feasibility-Studie zum Gebiet Ludwigshafen soll im September veröffentlicht werden und dürfte weitere Anhaltspunkte zur langfristigen Wachstumsstrategie liefern.

An der Börse spiegelt sich der operative Fortschritt bislang nur bedingt wider. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 1,72 Euro und hat sich binnen sieben Handelstagen um 11,36 Prozent erholt. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Kursrückgang von 32,80 Prozent zu Buche – die Skepsis der Anleger gegenüber der Finanzierungs- und Kostenlast des Projekts wirkt damit trotz des jüngsten Financial Close noch nach. Canaccord Genuity hatte zuletzt Anfang August eine Kaufempfehlung mit Kursziel 10,75 australische Dollar bestätigt, allerdings handelt es sich dabei um eine seit Mai unveränderte Einschätzung und nicht um eine neue Bewertung der jüngsten Nachrichtenlage.

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