Vulcan Energy Aktie: LSC-2 bestätigt 169 Grad und 190 mg/l

Vulcan Energy sichert 2,2 Milliarden Euro für das Lionheart-Projekt und beginnt mit Bohrungen und dem Bau der Chemieanlage.

Die Kernpunkte:
  • Milliarden-Finanzierung für Lithium-Projekt gesichert
  • Erfolgreiche Bohrung bestätigt geologische Daten
  • Baubeginn der Chemieanlage und des Kraftwerks
  • Aktienkurs trotz Fortschritten nahe Jahrestief

Vulcan Energy hat die entscheidende Hürde für den Bau seines Lithium-Geothermie-Projekts im Oberrheingraben genommen. Das Unternehmen erreichte Ende Mai den Financial Close für die erste Ausbaustufe des Lionheart-Projekts mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro, umgerechnet rund 3,9 Milliarden US-Dollar. Im Quartalsbericht zum 30. Juni zieht Vulcan Energy nun Bilanz über die operativen Fortschritte, die auf diese Finanzierungsentscheidung folgten.

Bohrerfolg und Baustart als operative Meilensteine

Kernstück des Fortschritts ist die sechste Förder- und Reinjektionsbohrung LSC-2, die auf eine Tiefe von 2.999 Metern abgeteuft wurde. Dort maß Vulcan Energy eine Temperatur von 169 Grad Celsius bei einer Lithiumkonzentration von 190 bis 200 Milligramm pro Liter. Diese Werte bestätigen die geologischen Annahmen, auf denen das gesamte Projekt aufbaut. Eine siebte Bohrung ist bereits angelaufen.

Parallel dazu begann der Bau der Sektion 1 der geplanten Chemieanlage ICPP, in der aus der geförderten Sole künftig Lithium-Hydroxid-Monohydrat gewonnen werden soll. Vulcan Energy plant mit einer Jahresproduktion von 24.000 Tonnen LHM sowie zusätzlich 275 Gigawattstunden Strom und 560 Gigawattstunden Wärme aus dem Geothermiebetrieb. Die technische Ausrüstung dafür sichert ein Hauptliefervertrag mit Siemens, der im Berichtszeitraum abgeschlossen wurde.

Nach Quartalsende meldete das Unternehmen zudem die ersten strategischen Mittelabrufe aus der Lionheart-Finanzierung sowie den Baubeginn des Geothermiekraftwerks Landau, das eine Leistung von 30 Megawatt erreichen soll.

Neue Führungskraft aus der Baubranche

Im Vorstand gab es personelle Bewegung: Roberto Gallardo wurde neu berufen. Gallardo ist Chief Strategy Officer bei HOCHTIEF und zugleich President und Executive Director der CIMIC Group. Seine Berufung verknüpft Vulcan Energy enger mit einem der größten europäischen Baukonzerne, dessen Kompetenz für die anstehenden Großbauprojekte im Oberrheingraben von Bedeutung sein dürfte.

Die Kehrseite der Baufortschritte zeigt sich in den Kosten: Im zweiten Quartal verbrauchte Vulcan Energy 92 Millionen Euro für die Projektentwicklung, seit Jahresbeginn summiert sich das auf 168 Millionen Euro. Das Unternehmen verzeichnete nach eigenen Angaben keine Arbeitsunfälle im Berichtszeitraum.

Kurs bleibt unter Druck trotz operativer Fortschritte

An der Börse spiegeln sich die operativen Erfolge bislang nicht wider. Vulcan Energy schloss am Mittwoch bei 1,58 Euro und bewegt sich damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 1,55 Euro, das erst am Dienstag markiert wurde. Der Relative-Stärke-Index von 28,6 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein Niveau, das üblicherweise auf ausgeprägten Verkaufsdruck über einen längeren Zeitraum hindeutet.

Die Diskrepanz zwischen operativem Fortschritt – Finanzierung gesichert, Bohrerfolge bestätigt, Bauarbeiten laufen – und der schwachen Kursentwicklung dürfte Anleger beschäftigen. Für ein Projekt dieser Größenordnung, das erst in den kommenden Jahren Erträge liefern kann, bleibt die Kapitalmarktbewertung offenbar stark von der allgemeinen Risikoaversion gegenüber unprofitablen Rohstoff- und Energieprojekten geprägt. Ob die jüngsten Meilensteine – insbesondere der Baustart in Landau und die ersten Mittelabrufe aus der Milliardenfinanzierung – das Bild mittelfristig verändern, wird sich in den kommenden Quartalsberichten zeigen müssen, wenn weitere Baufortschritte und möglicherweise erste Produktionsdaten anstehen.

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