Vulcan Energy Aktie: Schützen zwei Bergrechte Vulcans Geschäft bei schwachen Lithiumpreisen?
Lizenzen und Fördermittel stärken das Projekt, doch Lionhearts Ertragskraft bei niedrigen Lithiumpreisen ist noch nicht belegt.

- Bergrechte erschweren Konkurrenz am Standort
- Lithiumpreis bleibt außerhalb Vulcans Kontrolle
- Lionheart-Produktion für 2028 angestrebt
- Kapitalrendite bei niedrigen Preisen ungeklärt
Wie dauerhaft ist ein Vorteil aus Geothermie und Bergrechten, wenn Lithium weltweit austauschbar bleibt und Lionheart noch im Bau ist? Dazu befragt Felix Baarz Dieter Jaworski.

Vulcan Energy (AU0000066086) — Schlusskurse 13.04.2026 bis 08.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 08.10.2026.
Felix Baarz: Das weltweite Lithiumangebot wächst, die Nachfrage ist unsicher. Was schützt Vulcans Geschäft, wenn die Preise länger schwach bleiben?
Dieter Jaworski: Zunächst der Standort. Vulcan darf im Oberrheingraben lithiumhaltiges heißes Tiefenwasser fördern und kann daraus zugleich Energie und Lithium gewinnen. Die Bergrechte sind für Konkurrenten schwer nachzubauen; die gekoppelte Nutzung könnte Kosten gegenüber Importware aus Australien oder Chile sparen. Das ist ein ernst zu nehmender Vorteil im Verfahren.
Ein Recht auf Sole ist noch keine Preismacht. Der Lithiumpreis bleibt Vulcans fremdbestimmte Größe, und ob das Verfahren auch bei schwacher Nachfrage eine gute Kapitalrendite erzielt, ist offen.
Felix Baarz: Sie sagen: „Ein Recht auf Sole ist noch keine Preismacht.“ Wozu taugen die Lizenzen dann, wenn Lithium länger billig bleibt?
Dieter Jaworski: Sie halten Konkurrenten vom selben Ort fern. Die Kunden können Lithium weiterhin anderswo beziehen. Bei schwacher Nachfrage schützt das die Anlage allein nicht.
Felix Baarz: Die kommerzielle Produktion von VULSORB ist gestartet, und die Ilka-Lizenz liegt vor. Ist Ihre Skepsis gegenüber dem Produktionsnachweis damit nicht überholt?
Dieter Jaworski: Da vermengen Sie die Herstellung des Extraktionsmaterials mit der Produktion von Lithium aus Lionheart. VULSORB ist ein Fortschritt für die direkte Lithiumextraktion, also das Herauslösen von Lithium aus dem Tiefenwasser.
Die zweite Lizenz sichert ein weiteres Fördergebiet. Beides bringt das Projekt voran, belegt aber noch keinen wirtschaftlichen Betrieb der geplanten Anlage. 2028 ist der angestrebte Produktionsbeginn, keine bereits erzielte Kapitalrendite.
Felix Baarz: Bei einem Kurs von 0,95 Euro und staatlichen Zuschüssen von 103,6 Millionen Euro: Welche Substanz lässt sich heute überhaupt bewerten?
Dieter Jaworski: Die Förderung nimmt Vulcan einen Teil der Finanzierungslast ab. Sie setzt weder den Lithiumpreis fest noch beseitigt sie die Risiken beim Bau und beim späteren Hochlauf. Bindende Abnahmeverträge mit europäischen Kunden geben dem geplanten Absatz Gewicht, doch auch sie beweisen noch keine Preissetzungsmacht.
Einen belastbaren fairen Euro-Wert je Aktie kann ich daraus derzeit nicht ableiten. Wer allein aus dem niedrigen Kurs auf billige Substanz schließt, überspringt die teuerste Etappe des Geschäfts.
Felix Baarz: Was müsste im Betrieb sichtbar werden, damit Sie den Standortvorteil als dauerhaft anerkennen?
Dieter Jaworski: Meine Messgröße ist die tatsächlich erzielte Kapitalrendite über einen schwachen Lithiumpreiszyklus – also der Ertrag auf das im Projekt gebundene Geld. Bleibt sie selbst dann tragfähig, hätte ich den Schutz durch Standort und Verfahren unterschätzt. Dafür muss Lionheart erst zuverlässig produzieren; die Finanzierung ist vereinbart, weitere Mittel bleiben an Abrufbedingungen gebunden.
Felix Baarz: 2028 ist nach Ihrer Aussage nur der angestrebte Produktionsbeginn. Welches Urteil folgt daraus heute für Geschäftsqualität und Bewertung?
Dieter Jaworski: Vulcan besitzt schwer ersetzbare Rechte an einem günstigen europäischen Standort. Das wiegt schwerer als die Stimmung im Lithiumsektor. Für ein dauerhaft gutes Geschäft fehlt mir aber der Nachweis, dass Lionheart bei schwachen Preisen Geld auf das gebundene Kapital verdient. Solange der aussteht, bleibt jede enge Bewertungsspanne mehr Behauptung als Rechnung.
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