Interviewmit Dieter Jaworski

Vulcan Energy Aktie: Wie viel Vorleistung verträgt Lionheart bis 2028?

Fördermittel und Abnahmeverträge stützen Lionheart, belegen aber weder eine rentable Lithiumproduktion noch deren Kosten.

Die Kernpunkte:
  • Lithiumverkäufe sind ab 2028 vorgesehen
  • Bauverzögerungen könnten Kapitalbedarf erhöhen
  • Abnahmeverträge sichern keine Bauzeit ab
  • Rückgewinnungsquote von über 90 Prozent genannt

Vulcan Energy baut im Oberrheingraben an einer Lithiumproduktion, für die Fördermittel und verbindliche Abnahmeverträge vorliegen. Wie viel wirtschaftliche Sicherheit geben diese Zusagen, solange die kommerzielle Lithiumproduktion noch aussteht? Felix Baarz spricht darüber mit Dieter Jaworski.

Vulcan Energy (AU0000066086) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 01.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 01.10.2026.

Vulcan Energy (AU0000066086) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 01.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 01.10.2026.

Felix Baarz: Wenn sich der Bau von Lionheart verzögert und Lithium erst später verkauft werden kann: Wo trifft das die Aktionäre am härtesten?

Dieter Jaworski: Bei der Vorleistung. Die Anlage muss finanziert und zum Laufen gebracht werden, bevor Lithiumverkäufe Geld einbringen. Zieht sich das hin, wachsen Kapitalbedarf und das Risiko weiterer Finanzierung, während der globale Lithiumpreis den möglichen Erlös bestimmt. Die Verträge zahlen keine Bauverzögerung. Das ist für mich das schwerste Verlustrisiko.

Felix Baarz: „Die Verträge zahlen keine Bauverzögerung.“ Unterschätzen Sie damit nicht, dass verbindliche Abnehmer dem Unternehmen gerade während des Baus Sicherheit geben?

Dieter Jaworski: Sie geben Sicherheit, ja. Sie halten Kunden bereit, wenn Vulcan liefern kann. Bis dahin bleibt die Rechnung bei Vulcan. Daran ändert auch ein guter Vertrag wenig.

Felix Baarz: Die EU unterstützt Lionheart, und große Abnehmer haben unterschrieben. Ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit damit nicht praktisch belegt?

Dieter Jaworski: Da vermengen Sie Finanzierung und Geschäftserfolg. Ein Darlehen hilft beim Bau; ein Abnahmevertrag zeigt Interesse am Produkt. Ob Vulcan Lithium in großem Maßstab zu tragfähigen Kosten herstellen kann, beweist beides nicht. Die Verkäufe sollen 2028 beginnen. Bis dahin wird viel industrielle Leistung vorausgesetzt, die das Unternehmen erst noch zeigen muss.

Felix Baarz: Was lässt sich unter diesen Voraussetzungen aus dem Aktienpreis über die Substanz ableiten?

Dieter Jaworski: Weniger, als die Zahl suggeriert. Die Projektstudie stellt einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 566 Millionen Euro über die Laufzeit der Reserve in Aussicht. Das ist eine Projektrechnung für den Betrieb, kein bereits erzielter Umsatz.

Im Oberrheingraben hat Vulcan exklusive Produktionslizenzen; Geothermie und Lithiumgewinnung aus derselben Sole können einen Standortvorteil schaffen. Doch Lithium bleibt ein weltweit gehandelter Rohstoff. Europäische Autohersteller können lokale Lieferungen schätzen, ohne Vulcan deshalb jeden Preis zu zahlen. Für mich steckt in der Aktie erhebliche Vorleistung auf eine noch unbelegte Produktion.

Felix Baarz: Vulcan hat die kommerzielle Herstellung seines Extraktionsmaterials VULSORB in Deutschland gestartet. Was müsste folgen, damit Ihre Skepsis an der Technik scheitert?

Dieter Jaworski: Der Start des Materials ist ein Fortschritt, nur wird damit noch kein Lithium im Dauerbetrieb gewonnen. Meine Messgröße ist die Rückgewinnungsquote: Wie viel Lithium holt die Anlage dauerhaft aus der Sole? Vulcan nennt mehr als 90 Prozent.

Erreicht die Anlage diesen Wert verlässlich im industriellen Betrieb, wäre meine technische Skepsis widerlegt. Die Kostenfrage bliebe dann offen; gerade deshalb werde ich aus diesem Schritt allein keine fertige Erfolgsgeschichte machen.

Felix Baarz: Sie nennen 2028 für den Beginn der Lithiumverkäufe. Welches Urteil folgt daraus heute für die Bewertung?

Dieter Jaworski: Ich bin skeptisch. Vulcan besitzt Lizenzen, Technik und Abnehmer für ein europäisches Lieferkettenprojekt; das hat Substanz. Der mögliche Gewinn hängt jedoch noch an Bau, Dauerbetrieb und Produktionskosten, während ein schwacher Lithiumpreis den Spielraum zusätzlich verengt. Bei dieser Verteilung von Chance und Verlust wiegt für mich die unbelegte Umsetzung schwerer als die vielversprechende Projektrechnung.

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