Interviewmit Dieter Jaworski

Vulcan Energy Aktie: Zwei Lithiumlizenzen beweisen noch keine Kapitalrendite

Der Interviewgast sieht Lionhearts Baukosten und Ausführungsrisiken als zentrale Hürden; kommerzielle Lithiumverkäufe und ein Renditenachweis stehen aus.

Die Kernpunkte:
  • Zweite Lithium-Produktionslizenz gemeldet
  • VULSORB-Produktion außerhalb Chinas gestartet
  • Lionheart befindet sich im Bau
  • Kapitalrendite über den Zyklus ungeklärt

Am Markt stehen bei Vulcan Energy die Kosten der Lionheart-Bauphase und das Ausführungsrisiko im Vordergrund; das Unternehmen meldet derweil eine zweite Lithium-Produktionslizenz und den Start der kommerziellen VULSORB-Produktion. Felix Baarz spricht mit Dieter Jaworski darüber, welchen Wert diese Fortschritte für ein Geschäft haben, das Lithiumverkäufe erst noch aufnehmen muss.

Vulcan Energy (AU0000066086) — Schlusskurse 01.04.2026 bis 28.09.2026, Angaben in EUR. Stand: 28.09.2026.

Vulcan Energy (AU0000066086) — Schlusskurse 01.04.2026 bis 28.09.2026, Angaben in EUR. Stand: 28.09.2026.

Felix Baarz: Wie viel wirtschaftliche Substanz steckt heute in Vulcan Energy, wenn Sie die Qualität des Geschäfts und die Bewertung zusammen betrachten?

Dieter Jaworski: Der Oberrheingraben ist ein schwer kopierbarer Standort: Vulcan besitzt dort Produktionslizenzen und kann Wärme sowie Lithium aus demselben mineralhaltigen Tiefenwasser gewinnen. Lizenzen schützen den Zugang, nicht den Ertrag.

Entscheidend ist, ob die Anlage über einen ganzen Lithiumzyklus mehr erwirtschaftet, als das eingesetzte Kapital kostet. Kommerzielle Lithiumverkäufe gibt es bislang nicht. Einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil kann ich deshalb noch nicht verbuchen.

Felix Baarz: Sie sagen: „Lizenzen schützen den Zugang, nicht den Ertrag.“ Unterschätzen Sie damit den Standortvorteil? Wenn die Geothermie Energiekosten spart, müsste Vulcan einen Nachfrageeinbruch doch besser überstehen als importabhängige Anbieter.

Dieter Jaworski: Bei den Kosten kann der Standort helfen, ja. Bei den Preisen sitzt Vulcan weiterhin am Weltmarkt für Lithium; Abnahmeverträge mit europäischen Kunden ändern daran wenig. Wird die Nachfrage schwach, zählt jeder gesparte Euro. Ob die Ersparnis auch die hohen Baukosten trägt, ist allerdings offen. Gegen Anbieter aus Australien und Chile reicht eine kurze Transportstrecke allein nicht.

Felix Baarz: Vulcan hat die kommerzielle Produktion des VULSORB-Materials außerhalb Chinas gestartet. Ist Ihre Skepsis am Verfahren damit nicht überholt?

Dieter Jaworski: VULSORB ist das Material, das Lithium aus dem Tiefenwasser bindet. Seine Herstellung außerhalb Chinas nimmt eine Abhängigkeit aus der Lieferkette. Das ist ein guter Schritt, beweist aber noch nicht den Betrieb der gesamten Lionheart-Anlage.

Mein Prüfstein ist die Rückgewinnungsrate – also der Anteil des Lithiums, der tatsächlich aus dem Wasser geholt wird. Vulcan nennt mehr als 90 Prozent. Bleibt ein verlässlicher Nachweis dafür im kommerziellen Dauerbetrieb aus, muss ich selbst den angenommenen Verfahrensvorteil streichen.

Felix Baarz: Der Analysten-Konsens erwartet bereits für 2028 einen Gewinn. Verlangen Sie mit dem Dauerbetrieb einen Beweis, der bei einem solchen Projekt zwangsläufig zu spät kommt?

Dieter Jaworski: Für eine Prognose kommt er spät. Für ein Urteil über die dauerhafte Qualität des Geschäfts kommt er genau dann, wenn er kommen muss. Der erwartete Gewinn sagt noch wenig über die Rendite auf das eingesetzte Kapital; Lionheart befindet sich in der Bauphase, und Vulcan hat dafür noch keine belastbare Erfolgsgeschichte.

Auch das zugesagte Darlehen der Europäischen Investitionsbank nimmt dem Bau nicht seine Kosten und Risiken. Der Konsens darf vorausrechnen. Ich muss die Vorwegnahme deshalb nicht schon für Substanz halten.

Felix Baarz: Brüssel hat Lionheart als strategisches Projekt anerkannt. Damit ist die Ausführung doch weitgehend abgesichert?

Dieter Jaworski: Der Schluss geht mir zu weit. Woran belegen Sie, dass die Unterstützung die Anlage zuverlässig zum Laufen bringt? Eine Zusage beweist keinen laufenden Betrieb.

Felix Baarz: Ohne verlässlichen Nachweis der Rückgewinnungsrate von mehr als 90 Prozent im kommerziellen Dauerbetrieb: Wie lautet Ihr Urteil über die Qualität des Geschäfts und die Bewertung?

Dieter Jaworski: Vulcan besitzt wertvolle Rechte und einen Standort, den Wettbewerber nicht rasch nachbauen. Für mich steckt in der Bewertung dennoch mehr bewiesene Geschäftsqualität, als das Unternehmen bislang vorzeigen kann: Die Preismacht bleibt begrenzt, und eine Kapitalrendite über den Zyklus steht aus. Mein Urteil ist skeptisch. Der Prüfstein steht bei Lionheart, nicht in Brüssel.

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