Vulcan Energy: Milliarden-Projekt, Kurs im Keller
Vulcan Energy legt umfassende Wirtschaftlichkeitsdaten für Lionheart vor: 1,84 Mrd. Euro Kapitalwert vor Steuern, starke Partner und Produktionsstart 2028 geplant.

- Kapitalwert von 1,84 Milliarden Euro
- Abnahmeverträge mit Großkonzernen gesichert
- Bohrungen und Bau schreiten voran
- Kassenbestand sinkt auf 273,9 Millionen
Vulcan Energy liefert die detailliertesten Wirtschaftsdaten seines Lithium-Großprojekts seit Jahren. Der Aktienkurs interessiert das kaum. Am Freitag notierte das Papier bei 1,59 Euro, nur 5,80 Prozent über dem frischen 52-Wochen-Tief von 1,50 Euro.
Der Chart zeigt eine klare Talfahrt. Die Aktie liegt 17,82 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 36,97 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Ein RSI von 32,0 signalisiert überverkaufte Bedingungen — technisch ein Warnsignal, das eigentlich für eine Gegenbewegung sprechen würde.
Lionheart-Projekt mit starken Kennzahlen
Der Quartalsbericht dieser Woche liefert erstmals eine vollständige wirtschaftliche Bewertung des Lionheart-Lithiumprojekts seit dessen Finanzierungsabschluss. Die erste Projektphase kommt auf einen Kapitalwert vor Steuern von 1.838 Millionen Euro, nach Steuern sind es 1.152 Millionen Euro. Die Investitionskosten liegen bei 1.476 Millionen Euro.
Die interne Verzinsung beträgt 15,6 Prozent vor Steuern und 13,7 Prozent nach Steuern. Vulcan rechnet mit durchschnittlich 566 Millionen Euro Jahresumsatz und einer EBITDA-Marge von 75 Prozent über eine Reservelaufzeit von 30 Jahren.
Bei den Produktionskosten will sich Vulcan im globalen Vergleich vorne positionieren. Die C1-Kosten sollen bei 3.588 Euro pro Tonne Lithiumhydroxid-Monohydrat liegen — das würde das Projekt ins günstigste globale Kostenviertel einordnen.
Namhafte Partner sichern Abnahme
Das Quartal brachte auch Klarheit bei den Industriepartnerschaften. Vulcan meldet Abnahme- und Lieferverträge mit Stellantis, LG Energy Solution, Umicore, Glencore und Siemens. Siemens erhielt dabei den Zuschlag für Engineering, Automatisierung und Gebäudetechnik bei Lionheart — damit ist die wesentliche Beschaffung für das Projekt abgeschlossen.
Zusätzlichen Rückenwind gibt es aus der Politik. Das Land Rheinland-Pfalz gewährt Vulcan eine fünfjährige Befreiung von Förderabgaben auf die Lithiumproduktion, die die Projektwirtschaftlichkeit bis 2030 verbessert.
Bohrungen laufen, Kasse schmilzt
Auf der operativen Seite läuft der Zeitplan. Die sechste Produktionsbohrung ist erfolgreich abgeschlossen, die siebte hat planmäßig begonnen. Parallel laufen Bauarbeiten, Bohrungen und Anlagenlieferungen für die Lithium-Extraktionsanlage und die Chemieanlage. Vulcan meldet zudem keine Arbeitsunfälle mit Ausfallzeiten im Quartal.
Die Barreserven schmelzen dabei spürbar. Zum 30. Juni 2026 verfügte das Unternehmen noch über 273,9 Millionen Euro an Kassenbestand und Einlagen. Allein im Quartal flossen 92,0 Millionen Euro in die Projektentwicklung, seit Jahresbeginn sind es 168,0 Millionen Euro — größtenteils für Bau und Beschaffung bei Lionheart.
CEO Cris Moreno zeigte sich zufrieden mit dem Fortschritt: „Vulcan liefert weiterhin gegen das geplante Ausführungsprogramm für unser Flaggschiffprojekt Lionheart.“
Bis zur ersten Produktion sind es noch Jahre
Trotz des operativen Tempos bleibt der kommerzielle Durchbruch fern. Die erste Produktion ist für 2028 anvisiert, mit einem Hochlauf auf 24.000 Tonnen Lithiumchemikalien, 275 Gigawattstunden Strom und 560 Gigawattstunden Wärme pro Jahr. Bis dahin stammen Vulcans Erlöse fast ausschließlich aus dem Verkauf geothermischer Energie im Oberrheingraben — die Lithiumproduktion im großen Maßstab hat noch nicht begonnen.
Die detaillierten Kapitalwert- und Renditezahlen geben Anlegern den bisher klarsten Blick darauf, was Lionheart im Betrieb erwirtschaften könnte. Die Liste der Abnahmepartner unterstreicht die industrielle Nachfrage nach kohlenstoffarmem Lithiumhydroxid. Solange der Kurs nahe seinen Mehrjahrestiefs verharrt und die volle kommerzielle Produktion noch zwei Jahre entfernt liegt, preist der Markt weiterhin erhebliche Ausführungsrisiken für die verbleibende Bau- und Hochlaufphase ein.
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