Während DeepSeek Milliarden einsammelt, findet Baidu keinen Boden

Während DeepSeek und Moonshot Finanzierungen anstreben, belastet eine Sammelklage Baidu; die Aktie liegt seit Jahresbeginn rund 45 Prozent im Minus.

Die Kernpunkte:
  • Baidu mit Sammelklage konfrontiert
  • DeepSeek strebt Milliardenfinanzierung an
  • Moonshot schloss Finanzierungsrunde ab
  • Baidu verlor seit Jahresbeginn rund 45 Prozent

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

das Kapital im chinesischen KI-Sektor wechselt gerade die Adresse. DeepSeek hat laut Bloomberg mindestens 80 Milliarden Yuan, rund 10,6 Milliarden Euro, für den Börsengang Anfang 2027 gesichert. Moonshot AI will im ersten Quartal 2027 in Hongkong bis zu 5 Milliarden Dollar einsammeln.

Und ausgerechnet am selben Tag bekommt der alte Platzhirsch Baidu eine Wertpapier-Sammelklage. Das ist kein Zufall, sondern ein Generationswechsel, den Anleger in ihrem Depot nachvollziehen sollten.

China-KI: Die Neuen kommen, der Alte wird verklagt

Das frische Geld fließt zu den Herausforderern, und es fließt in großen Tranchen. DeepSeek strebt den Berichten zufolge eine Finanzierung von bis zu 100 Milliarden Yuan an, also rund 13,3 Milliarden Euro. Zu den Geldgebern zählen Tencent und der Batteriehersteller CATL. Das Geld fließt in Rechenzentren mit Huawei-Chips, die Notierung ist am Shanghaier STAR-Markt geplant, CITIC Securities ist mandatiert.

Moonshot AI hat seine Privatrunde bei 50 Milliarden Dollar Bewertung abgeschlossen, nach 31,5 Milliarden im Sommer. Der wiederkehrende Jahresumsatz liegt bei einer Milliarde Dollar, bis Dezember sollen es zwei sein. Das Konsortium führen Bank of America, CICC, Deutsche Bank und Goldman Sachs. Einen Haken gibt es allerdings: Die chinesische Aufsicht prüft bei DeepSeek und Moonshot gerade die Datenpraxis.

Baidu steht dagegen am anderen Ende der Kurve. Die Kanzlei Bernstein Liebhard hat heute eine Sammelklage wegen angeblich irreführender Angaben zu Geschäft, Wachstum und Finanzstabilität eingereicht.

Betroffen sind Käufe zwischen dem 18. November 2025 und dem 17. August 2026, die Frist für Hauptkläger läuft bis zum 13. November. Die Baidu-Aktie notiert um 77 Euro und damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 74,50 Euro vom vergangenen Freitag. Seit Jahresbeginn hat Baidu rund 45 Prozent verloren, vom Hoch bei 141 Euro bis auf das aktuelle Niveau.

Werbeschwäche und hohe KI-Kosten drücken, während die Investoren ihr Geld lieber den Herausforderern geben. Für deutsche Anleger mit Baidu-ADRs heißt das: Die Klage selbst bewegt den Kurs nicht, aber die Kapitalwelle zu DeepSeek und Moonshot erklärt, warum der Wert trotz optisch niedriger Bewertung keinen Boden findet. Wer das Thema spielen will, hat über Tencent als DeepSeek-Investor den liquideren Zugang.

Der Hintergrund ist global. Das Emissionsvolumen am Aktienmarkt hat in den ersten neun Monaten 2026 laut Dealogic erstmals eine Billion Dollar überschritten, ein Plus von 52,6 Prozent.

Die größten Deals des dritten Quartals betrafen KI-Infrastruktur, darunter die Alibaba-Platzierung über 10,2 Milliarden Dollar. Anthropic ist für das vierte Quartal avisiert und weitet parallel sein Startup-Programm aus, um Gründer frühzeitig an die eigene Plattform zu binden.

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Schneider Electric und PTC: 42 Prozent Aufschlag, die Analysten streiten

Schneider Electric zahlt einen stolzen Preis für ein Geschäft, das nicht zum Kern gehört. Für den US-Softwareanbieter PTC legt der Konzern 205 Dollar je Aktie in bar auf den Tisch, insgesamt 22,6 Milliarden Dollar oder gut 20 Milliarden Euro. Das entspricht einem Aufschlag von 42,3 Prozent.

Finanziert wird mit 16 bis 17 Milliarden Euro Anleihen und einer Kapitalerhöhung von 5 bis 6 Milliarden Euro. Am Montag verlor die Schneider-Aktie knapp 10 Prozent, am Dienstag ging es im Verlauf um weitere 5 Prozent abwärts auf rund 262 Euro, gut 50 Euro unter dem August-Hoch.

J.P. Morgan stuft von Übergewichten auf Neutral ab und senkt das Kursziel von 345 auf 310 Euro. Der Vorwurf: Mit PTC und Cognite fließen knapp 27 Milliarden Dollar in die Industrieautomation, nicht in das Energiemanagement, das 85 Prozent des Konzerngewinns liefert.

Die 250 Millionen Euro Kostensynergien hält die Bank für plausibel, die 800 Millionen Euro Zusatzumsatz nicht. Die Deutsche Bank bleibt bei Kaufen mit Ziel 325 Euro, nennt den Deal aber ebenfalls eine böse Überraschung und kritisiert das Timing angesichts der KI-Risiken im Softwaresektor.

Für Anleger ist das die eigentliche Frage. Schneider Electric kauft Industriesoftware zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt gerade bezweifelt, ob Software im KI-Zeitalter noch Preismacht hat. Bei PTC ist die Lage klarer: Die Aktie ist in 30 Tagen um 41 Prozent gestiegen, Mizuho hebt das Ziel auf 205 Dollar, BMO geht auf Market Perform. Das Angebot bildet den Deckel, bis zum Abschluss im dritten Quartal 2027 bleibt nur noch ein kleiner Spread.

Skydance: 80 Milliarden Dollar Schulden unter einem neuen Ticker

Hollywood hat einen neuen Riesen, und der steht auf Pump. Paramount Skydance hat heute die Übernahme von Warner Bros Discovery vollzogen. Der fusionierte Konzern heißt Skydance und wird an der NYSE unter dem Kürzel SKYD gehandelt. CEO David Ellison und Co-CEO Ynon Kreiz versprechen 6 Milliarden Dollar jährliche Einsparungen, überwiegend durch Technologie und Cloud. Dem stehen rund 80 Milliarden Dollar Schulden gegenüber.

Die Auflagen sind ungewöhnlich konkret: fünf Jahre lang eine Mindestzahl von Kinofilmen, 30 pro Jahr in den ersten beiden Jahren, danach 32, davon vier unabhängige Produktionen. Bei Verfehlung droht der Verkauf des 49-Prozent-Anteils an Miramax.

CVL Economics schätzt den Wegfall von rund 4.500 Film- und TV-Jobs. Für Anleger ist Skydance ab heute eine Hebelwette auf Kostendisziplin: Gelingen die 6 Milliarden, trägt der Konzern seine Schulden, misslingen sie, bleibt ein hochverschuldetes Medienhaus mit Produktionspflicht.

Thyssenkrupp, SGL Carbon, Flatexdegiro: Umbau wird bezahlt, Stillstand bestraft

An der Frankfurter Börse belohnen Anleger derzeit jede glaubwürdige Umbau-Geschichte. Thyssenkrupp sprang im Tagesverlauf auf bis zu 14,18 Euro, getrieben von Spekulationen um TK Elevator. Zuletzt notierte Thyssenkrupp bei 13,85 Euro, seit Jahresbeginn ein Plus von 49 Prozent, in den vergangenen 30 Tagen allerdings ein Minus von 12 Prozent.

Die Wasserstofftochter thyssenkrupp nucera baut erstmals ein eigenes Montagezentrum für Elektrolysezellen in Europa, in Portugal, für 10 bis 14 Millionen Euro mit 3,7 Millionen Euro Förderung. Betriebsstart ist 2028. Die nucera-Aktie lag am Nachmittag rund 3 Prozent im Plus. SGL Carbon legte nach einer erhöhten Jahresergebnisprognose knapp 11 Prozent zu.

Ganz anders Flatexdegiro. Der Online-Broker fiel um mehr als 7 Prozent auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 26,30 Euro, ohne erkennbare Nachricht, in 30 Tagen ein Minus von 26 Prozent. Der Kontrast zählt: Industriewerte mit Umbau-Story werden bezahlt, Flatexdegiro wird ohne neuen Anlass abverkauft.

Bitcoin: Die CFTC schreibt die Regeln ohne den Kongress

Washington liefert Regeln im Akkord, doch der Bitcoin-Kurs zuckt kaum. Nach dem Scheitern des Clarity Act im Senat legt die CFTC einen eigenen Regulierungsplan für gehebelte Krypto-Geschäfte vor, mit 60 Tagen Kommentarfrist.

Börsen könnten sich als „Crypto Asset Market“ unter Terminbörsenregeln lizenzieren lassen. Die SEC hat parallel die ersten dreifach gehebelten Bitcoin- und Ether-ETFs durchgewinkt, die heute starten sollten, und einen Entwurf zur Lockerung der Verwahrregeln für Fonds vorgelegt.

Der Markt bleibt gelassen: Bitcoin hält sich um 85.800 Dollar, rund 76.200 Euro, in 30 Tagen ein Plus von 6,8 Prozent, aber noch 31 Prozent unter dem Hoch vom Oktober 2025. Die US-Spot-ETFs verzeichneten am Montag Abflüsse von 90 Millionen Dollar, nach 2,65 Milliarden Zuflüssen im September.

Die Kampfzone liegt zwischen 87.000 Dollar als Widerstand und 82.500 Dollar als Unterstützung. Unter 81.977 Dollar drohen laut Coinglass Zwangsliquidationen von Long-Positionen über 1,59 Milliarden Dollar.

Der globale Kompass

Der Gesamtmarkt hatte am Dienstag Rückenwind. Der DAX stieg wieder über 25.400 Punkte, S&P 500 und Nasdaq 100 markierten Rekorde, und die französischen Anleiherenditen fielen nach dem Haushaltsplan von Marine Le Pen deutlich. Dass die deutschen Industrieaufträge im August zweistellig einbrachen, ignorierte der Markt wegen des Großauftragseffekts.

Doch die Indexrekorde verdecken, wo heute wirklich entschieden wurde. Das Geld verlässt Baidu und sucht DeepSeek und Moonshot. Schneider Electric verliert binnen zwei Tagen kräftig, weil der Konzern Milliarden in Software statt in sein Gewinnzentrum steckt.

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Skydance startet mit 80 Milliarden Dollar Schulden und einem Sparversprechen, das erst noch eingelöst werden muss. Wer heute nur auf den Index schaut, übersieht, dass sich die Rendite gerade zwischen Gewinnern und Verlierern derselben Branche verteilt.

Heute Abend nach US-Börsenschluss legt Constellation Brands Quartalszahlen vor, erwartet werden ein bereinigter Gewinn von 3,61 Dollar je Aktie und 2,54 Milliarden Dollar Umsatz. Die Aktie notiert nahe ihrem 52-Wochen-Tief bei gut 100 Euro, das Konsens-Kursziel liegt bei 162 Dollar. Morgen folgen PepsiCo und Delta Airlines sowie die TSMC-Vorabdaten.

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