Während Lockheed abhebt, bestraft die Börse den Rekord von Lam Research

Lockheed hebt seine Jahresprognose an, während Lam Research trotz höherer Umsätze wegen Lieferengpässen unter Druck gerät.

Die Kernpunkte:
  • Lockheed erhöht Jahresausblick zum zweiten Mal
  • Raketensparte wächst um 24 Prozent
  • Lam-Umsatz steigt, Aktie verliert zehn Prozent
  • Qiagen-Angebot liegt bei 46,50 Euro je Aktie

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Wall Street verkauft heute Chips und Software und kauft Raketen.

Lockheed Martin hebt die Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Lam Research liefert Rekordzahlen und stürzt trotzdem zweistellig ab. Dazwischen streicht Barclays Stellen, Qiagen bekommt einen festen Preis, Evonik sucht Gegenwehr, und Tesla verdient deutlich weniger. Die unbequeme Frage hinter allem lautet: Wofür zahlt die Börse eigentlich noch?

Lockheed Martin: Die Raketen tragen das Quartal

Lockheed Martin verdient mit Abwehrraketen besser als erwartet. Die Raketensparte wuchs um 24 Prozent, getragen von PAC-3, THAAD und GMLRS. Der Auftragsbestand erreichte mit 292 Milliarden Dollar einen Rekord.

Die Aktie steigt im laufenden US-Handel um 5,7 Prozent und hat seit Jahresbeginn kräftig zugelegt. Ist das also ein sorgloser Kauf? Nicht ganz.

Der Haken steckt im Kampfjet F-35. Bei einem F-35-Baulos übersteigen die Kosten die vertraglich autorisierte Finanzierung, und die Programmkosten sind seit Ende 2023 um rund 51 Milliarden Dollar gestiegen. Gleichzeitig steht ein Rahmenvertrag mit dem Pentagon über mindestens 850 Jets vor dem Abschluss. Wer einsteigt, kauft die Raketennachfrage einer Welt mit Houthi-Angriffen und Iran-Drohungen und trägt den Kampfjet als Margenrisiko mit.

Barclays: Kursziele ja, Kurse nein

Barclays übersetzt den KI-Druck in Stellenabbau: Rund 5.000 Jobs fallen weg, ein Großteil davon in Unterstützungsfunktionen bis hin zu Entwicklern. Das Quartal selbst enttäuschte, der Vorsteuergewinn blieb hinter den Erwartungen der Analysten zurück.

Die Analysten bleiben trotzdem freundlich. Goldman Sachs hebt das Kursziel auf 700 Pence und lobt die Kostenklarheit. Die Aktie verliert dagegen gut 2 Prozent.

Für deutsche Depots wichtiger ist eine Nebennotiz. Barclays stuft die Commerzbank von „Overweight“ auf „Equal Weight“ ab, also von Übergewichten auf neutrales Gewichten, und senkt das Kursziel leicht. Begründung ist der härtere Wettbewerb um Einlagen in Deutschland, der das Zinsergebnis im dritten Quartal weniger stark verbessern dürfte. Was heißt das für Bankaktionäre? Die Ertragsseite wird schwieriger, der Hebel liegt jetzt bei den Kosten.

Lam Research: Ein Rekord, der nicht reicht

Lam Research hat ein Rekordquartal vorgelegt und wird dafür abgestraft. Der Umsatz stieg um 54 Prozent, die Aktie verliert im laufenden Handel trotzdem 10 Prozent.

Warum also der Absturz? Der Grund ist der Ausblick. Für das Dezemberquartal stellt der Chipausrüster nur 8,6 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, gedeckelt durch Lieferengpässe. Zudem soll der China-Anteil deutlich sinken.

Der Markt bestraft also nicht die Zahlen, sondern das Ende der Beschleunigung. In Frankfurt zahlt Infineon ohne eigene Nachricht mit, die Aktie liegt im Verlauf 5,8 Prozent tiefer. Wer Chipaktien hält, sollte sich auf Quartale einstellen, in denen selbst Rekorde die Beweislast nicht mehr erfüllen.

Qiagen hat seinen Preis, Evonik sucht Gegenwehr

Bei Qiagen ist die Rechnung seit heute fix. EQT bietet mit der Abu Dhabi Investment Authority und CPP Investments 46,50 Euro je Aktie in bar, Vorstand und Aufsichtsrat stimmen einstimmig zu. Die Qiagen-Aktie notiert bei rund 44,90 Euro, knapp unter dem Angebot.

Wofür steht der kleine Abstand? Er ist die Prämie für Fristen und eine mögliche Nachbesserung. Der Großaktionär P-Squared hatte mehr als 50 Dollar je Aktie gefordert. Die DZ Bank zieht die Konsequenz und stuft von „Kaufen“ auf „Halten“ ab.

Evonik geht den umgekehrten Weg und prüft die Übernahme des US-Wettbewerbers Ashland. Hintergrund ist das Ende September abgelehnte BASF-Gebot von 22,15 Euro je Aktie, während die Evonik-Aktie bei 20,60 Euro liegt. Der Markt preist damit weder eine Nachbesserung noch einen sicheren Vollzug. Ein Ashland-Kauf würde Evonik größer machen, für BASF aber auch teurer und komplizierter.

Tesla: Weniger Gewinn, mehr Fragezeichen

Tesla hat im dritten Quartal deutlich weniger verdient. Der berichtete Nettogewinn fiel um 43 Prozent, der Umsatz stagnierte. Der Ausblick für den Roboter Optimus wurde vorsichtiger, Robotaxi-Umsätze verzögern sich. Die Tesla-Aktie hält sich dennoch bei knapp 1 Prozent Minus.

Dazu kommt die geplante Fusion mit SpaceX, und die belastet Elon Musk inzwischen selbst. Laut Reuters fürchten Insider nach seiner öffentlichen Unterstützung des Deals Aktionärsklagen und wochenlange Verzögerungen. JPMorgan sieht Chinas Genehmigung als größte Hürde.

Wie viel ist Tesla nun wert? Die Kursziele der Analysten liegen weit auseinander, Goldman Sachs etwa bleibt neutral mit 360 Dollar. Diese Spanne beschreibt das Investment besser als jede Quartalszahl.

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Der globale Kompass

Gekauft wird heute, was Aufträge über Jahre absichert, verkauft wird, was nur noch Rekorde ohne Beschleunigung liefert. Bitcoin notiert 3,6 Prozent tiefer, obwohl US-Spot-ETFs, also börsengehandelte Fonds auf echte Bitcoins, in dieser Woche 1,1 Milliarden Dollar einsammelten. Die Sparkassen starten derweil schrittweise den Kryptohandel für Privatkunden.

Im Kalender stehen zwei Termine. Am 3. November finden die US-Zwischenwahlen statt, nach denen Berichten zufolge Militärschläge gegen Iran vorbereitet werden. Das erklärt, warum Lockheed heute gekauft wird. Ob dabei auch der F-35-Haken mitbezahlt wird, sollte jeder Käufer selbst prüfen, bevor am 4. November die Qiagen-Zahlen als Nebensache folgen.

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