Während Moderna abhebt, sucht Rheinmetall den Boden

Moderna übertrifft die Gewinnerwartungen, während Rheinmetall Kurszielsenkungen verkraftet und JPMorgan Munich Re sowie Hannover Rück herabstuft.

Die Kernpunkte:
  • Moderna erzielt 0,38 Dollar Gewinn je Aktie
  • Intismeran senkt Melanomrisiko um 42 Prozent
  • Analysten reduzieren Rheinmetall-Kursziele im Schnitt um 22 Prozent
  • JPMorgan stuft Munich Re und Hannover Rück herab

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die besten Zahlen des Tages machen eine Aktie noch nicht zum guten Kauf. Moderna schreibt überraschend schwarze Zahlen, und der Kurs springt auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Rheinmetall fällt dagegen auf den tiefsten Stand seit einem Jahr, und JPMorgan nimmt die Rückversicherer vom Kaufzettel.

Dazu kommt der US-Arbeitsmarkt. Er macht eine Zinserhöhung im Dezember wahrscheinlicher, was für Banken Rückenwind bedeutet und für Immobilienaktien eine Belastung. Und der DAX? Der Rekord von gestern ist schon wieder Geschichte, der Index lag zuletzt rund 1,9 Prozent tiefer.

Moderna verdient wieder Geld

Moderna hat im dritten Quartal wieder Geld verdient, nach einer langen Serie von Verlustquartalen. Analysten hatten mit einem Verlust von rund 1,25 Dollar je Aktie gerechnet. Tatsächlich stand ein Gewinn von 0,38 Dollar. Möglich machten das Kostensenkungen, auch bei der Forschung, und die Jahresprognose hebt Moderna deutlich an.

Dazu kommt ein Erfolg in der Klinik. Der Krebsimpfstoff Intismeran senkt zusammen mit Keytruda das Rückfall- oder Sterberisiko bei Melanom um 42 Prozent. Die Markteinführung ist für 2027 geplant. Ein Impfstoff gegen Noroviren verfehlte dagegen frühe Studienkriterien.

Ist das jetzt ein Kauf? Für Neueinsteiger eher nicht. Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn fast verzehnfacht, das mittlere Kursziel der Analysten liegt aber etwa 43 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Wer die Rally mitgenommen hat, sollte Gewinne zumindest teilweise absichern, statt bei Rekordkursen nachzukaufen.

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Rheinmetall verspielt Vertrauen, Hensoldt zahlt mit

Rheinmetall hat bei den Analysten Kredit verspielt. Nach der erneuten Prognosesenkung in dieser Woche kappten mehrere Häuser ihre Kursziele, im Schnitt um 22 Prozent. Oddo BHF strich seine Einstufung „Outperform“, also besser als der Markt, und geht auf „Neutral“. Die Aktie fiel auf rund 810 Euro, obwohl Vorstandschef Armin Papperger am Nachmittag selbst Aktien kaufte.

Woran zweifeln die Analysten? Am Langfristziel. Bis 2030 will Rheinmetall rund 50 Milliarden Euro umsetzen, dafür bräuchte der Konzern ab jetzt jährlich fast 40 Prozent Wachstum. Ein politisches Risiko kommt hinzu: Trump kündigte ein Ukraine-Abkommen an, und eine Einigung könnte kurzfristig weitere Verkäufe auslösen.

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Vor dem Kapitalmarkttag am 27. November ist Rheinmetall ein Fall für Geduldige, nicht für Schnäppchenjäger. Wie tief das Misstrauen im Sektor sitzt, zeigt Hensoldt. Der Sensorikspezialist meldet einen Rekordauftragsbestand und hebt die Prognose, trotzdem fällt die Aktie auf rund 77 Euro. Die Deutsche Bank sieht das Kursziel bei 105 Euro, und Hensoldt ist derzeit der sauberere Weg, auf den Verteidigungszyklus zu setzen.

Munich Re und Hannover Rück: Abstufung am Gipfel

JPMorgan hat die Rückversicherer genau am Hoch abgestuft. Munich Re und Hannover Rück markierten gestern beide den höchsten Stand seit einem Jahr, heute gaben beide Aktien deutlich nach. Dass das Timing kein Zufall ist, zeigen die Kursziele. Bei Munich Re lag das durchschnittliche Analystenziel mit knapp 554 Euro schon unter dem Kurs von gut 570 Euro.

Bei Hannover Rück ist das Durchschnittsziel erreicht. Dahinter steht eine klare These: Die aktuellen Gewinne sind stark, die Aussichten schwächer. Die erwartete Dividende von 27,51 Euro bei Munich Re stützt den Boden. Wer den Sektor als sicheren Hafen hält, sollte die Zahlen kommende Woche nutzen, um die Positionsgröße zu überprüfen.

Höhere Zinsen: Rückenwind für Banken, Gegenwind für Vonovia

Der US-Arbeitsmarkt hat die Zinsdebatte entschieden. Im Oktober entstanden 165.000 neue Stellen, weit mehr als erwartet. An den Terminmärkten, wo Anleger auf künftige Zinsen wetten, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Erhöhung im Dezember jetzt bei rund 78 Prozent.

Wer profitiert davon? Die Banken. Die DZ Bank sieht den Sektor im Euro Stoxx auf Rang drei, und Goldman Sachs, UBS und RBC empfehlen die Deutsche Bank zum Kauf. Das mittlere Kursziel liegt mit gut 39 Euro klar über dem Kurs von rund 31,50 Euro, auch wenn die Deutsche Bank heute nachgab.

Die Kehrseite trifft Vonovia. Die Dividendenrendite setzt die Ausschüttung ins Verhältnis zum Aktienkurs. Mit 7,29 Prozent hat Vonovia hier den höchsten erwarteten Wert im DAX. Doch JPMorgan sieht ohne Verkäufe von einer Milliarde Euro ein Kürzungsrisiko.

Der globale Kompass

Die kommende Woche liefert Fakten statt Meinungen. Am Dienstag kommt die US-Inflation für Oktober, Merck Finck und VP Bank erwarten 4 Prozent. Sie zeigt, ob die Fed-Erhöhung im Dezember endgültig gesetzt ist. Ab Dienstag melden sich zudem Hensoldt und Munich Re zu Wort, wer Rüstung und Rückversicherer hält, bekommt also konkrete Zahlen.

Moderna bleibt der Sonderfall. Die Fundamentaldaten haben sich gedreht, der Kurs war schneller. Genießen Sie die zwei ruhigen Tage, bevor die Antworten kommen.

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