Während Öl explodiert, kaufen Profis ausgerechnet China-Tech nach

Institutionelle Käufe bei China-Tech treffen auf steigende Ölpreise, eine mögliche Fed-Zinserhöhung und wachsende Risiken für US-Aktien.

Die Kernpunkte:
  • JPMorgan erhöht Bilibili-Position weiter
  • Brent steigt über 105 Dollar
  • UBS hebt Palantir-Kursziel auf 250 Dollar
  • CLARITY-Act-Abstimmung bleibt politisch unsicher

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

drei Risikoherde treffen sich heute in einem einzigen Newsletter, und ausgerechnet ihre Kombination ergibt die interessanteste Anlegerfrage des Tages: Ein Angebotsschock am Golf treibt Brent über 105 Dollar, die US-Notenbank steuert auf einen fast schon zu erwarteten Zinsschritt zu – und mitten in dieser Nervosität stocken institutionelle Investoren ausgerechnet bei chinesischen Tech-Werten auf, die gleichzeitig in US-Sammelklagen stecken. Während Rüstungs- und Stahlwerte heute die Schlagzeilen an der Frankfurter Börse besetzten, entscheidet sich das eigentliche Geld an drei anderen Fronten: in den Öl-Charts, in Washington und bei den arg gebeutelten China-ADRs.

China-Tech: Sammelklagen ja, Profis kaufen trotzdem nach

Baidu und Alibaba stecken beide in US-Sammelklagen wegen mutmaßlicher Anlegertäuschung – und beide Aktien notieren nahe ihrem Jahrestief. Bei Baidu geht es um den Zeitraum vom 18. November 2025 bis 17. August 2026, die Lead-Plaintiff-Frist läuft bis 13. November 2026. Hintergrund sind gemischte Q2-Zahlen: Der General-Business-Umsatz fiel um 4 Prozent auf 25,2 Milliarden Yuan, während das KI-Kerngeschäft um 25 Prozent auf 12,5 Milliarden Yuan zulegte und die KI-Cloud-Infrastruktur sogar um 50 Prozent wuchs. Trotz dieser Wachstumszahlen brachen die Baidu-ADS um mehr als 12 Prozent ein. Bei Alibaba dreht sich die Klage (Zeitraum 26. Juni 2025 bis 24. Juni 2026, Frist 5. Oktober 2026) um angebliche Verschleierung von Verbindungen zum chinesischen Industrieministerium sowie um KI-Distillation-Vorwürfe im Umfeld eines Anthropic-Berichts.

Und doch: JPMorgan hat seine Long-Position bei Bilibili weiter aufgestockt, und die Aktionäre von MiniMax stimmen heute auf einer Sondersitzung über neue Vereinbarungen mit Alibaba Cloud für die Jahre 2026 bis 2028 sowie über Mandate für Kapitalmaßnahmen ab. Was heißt das für Ihr Depot? Die juristischen Risiken sind real, die Kursverluste der vergangenen Monate erheblich – aber die These einer pauschalen Meidung chinesischer Tech-Riesen bröckelt, sobald man genauer hinschaut, wo Großinvestoren tatsächlich Kapital nachschieben. Wer hier nur die Schlagzeile „Sammelklage“ liest, übersieht die eigentliche Botschaft der Profis.

Der Ölschock ist keine Randnotiz mehr

Die Huthi-Miliz hat ihre Angriffe im Jemen und auf Saudi-Arabien fortgesetzt und erstmals sogar Warnungen in Richtung Mekka ausgesprochen. Der UN-Sicherheitsrat hat für den heutigen Abend eine Dringlichkeitssitzung zur Meerenge Bab al-Mandab einberufen. Parallel ist eine saudische Ost-West-Pipeline ausgefallen, die laut Analysten bis zu 4 Prozent der weltweiten Ölversorgung betrifft – die saudische Förderung war im August bereits um 23 Prozent auf 6,24 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen. Brent-Öl kletterte daraufhin über die 105-Dollar-Marke. Goldman Sachs warnt bei anhaltend niedriger Golf-Förderung 2027 vor einem Anstieg über 120 Dollar, Capital Economics hält bei fortgesetztem Pipeline-Ausfall sogar 130 Dollar für möglich.

Die Ölmulti-Aktien reagieren entsprechend: BP legte im laufenden Handel gut 2 Prozent zu und nähert sich damit wieder seinem 52-Wochen-Hoch von rund 7 Euro – binnen zwölf Monaten hat der Titel bereits knapp 40 Prozent gewonnen. Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: Der Kreml nannte Donald Trumps Vorschlag einer Energie-Waffenruhe eine „sehr gute Idee“, ohne sich bislang konkret zu verpflichten. Das könnte den Ölpreis kurzfristig dämpfen, taugt angesichts der parallelen Nato-Warnung vor mehr als 200 hybriden russischen Angriffen im vergangenen Jahr aber kaum als Entwarnung. Wer Öl-ETCs oder Energiewerte im Depot hat, sollte diese Gemengelage – Angebotsschock trifft auf vage Diplomatie – als das entscheidende Chance-Risiko-Paar der Woche behandeln.

Big Tech als Cash-Burg, mit einer Warnung im Kleingedruckten

Abseits von Öl und China zeigt sich, warum US-Großtechnologie trotz KI-Nervosität ihre relative Stärke behauptet. UBS hat Palantir auf „Buy“ gestuft und das Kursziel um 14 Prozent auf 250 Dollar angehoben, was einem Kurspotenzial von 44 Prozent entspräche – bewertet wird der Titel damit mit dem 51-Fachen des für 2027 erwarteten freien Cashflows. Kein Schnäppchen, aber laut UBS im Vergleich zu KI-nahen Softwarewerten dennoch günstig.

Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen zu Nvidia: Frühere Short-Investoren warnen, dass 70 Prozent der Forderungen des Chipkonzerns von nur fünf Kunden stammen und 70 Prozent des Hyperscaler-KI-Umsatzes an Anthropic und OpenAI hängen – während OpenAI seine Kosten binnen drei Monaten um 3 Milliarden Dollar steigerte, aber nur 1 Milliarde Dollar mehr Umsatz erzielte. Eine Diskrepanz, die aufhorchen lassen sollte. Nvidia selbst notiert trotzdem weiterhin rund 15 Prozent im Plus seit Jahresbeginn. Die Botschaft für das Depot: Cash-starke Plattformkonzerne bleiben die sicherere Wette in der KI-Story als die Chip-Lieferkette, deren Kundenkonzentration zum Klumpenrisiko wird.

Fed-Woche: Wells Fargo warnt vor der Party, die alle feiern

Der Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwochabend (MEZ) gilt mit rund 88 Prozent Wahrscheinlichkeit als ausgemachte Sache – eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Spannender als der Beschluss selbst ist eine Warnung von Wells Fargo: Die Bank hat ihr Jahresendziel für den S&P 500 von 7.950 auf 7.700 Punkte gesenkt und rechnet mit einem Rückschlagrisiko von 5 bis 10 Prozent – weil die Aktienquote der Anleger mit 72 Prozent den höchsten Stand seit 1969 erreicht hat. Empfohlen werden stattdessen rund 60 Prozent. Der Index selbst liegt bereits spürbar unter seinem Augusthoch. Wer in den vergangenen Monaten prozyklisch aufgestockt hat, sollte diese Positionierungswarnung ernster nehmen als den x-ten Kommentar zum Zinspfad.

Krypto: Die Clarity-Act-Hoffnung bröckelt schneller als der Bitcoin-Kurs

Der US-Senat stimmt heute Nachmittag (Ortszeit) über die Cloture-Motion zum CLARITY Act ab, der erstmals eine klare Marktstruktur-Regulierung für Kryptowerte schaffen soll. Die Republikaner verfügen mit ihren 53 Sitzen nicht über die nötige 60-Stimmen-Mehrheit und bräuchten mindestens sieben demokratische Stimmen; einen demokratischen Gegenentwurf mit 126 vorgeschlagenen Änderungen haben sie zuvor bereits zurückgewiesen. Prognosemärkte haben die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch 2026 daraufhin von rund 30 auf teils nur noch 14 Prozent gekappt.

Bitcoin notiert unterdessen leicht schwächer, Solana dagegen aktivierte heute planmäßig sein „Transaction V1″-Upgrade und vergrößerte die maximale Transaktionsgröße spürbar – ein technischer Fortschritt, der von der politischen Hängepartie in Washington komplett überschattet wird. Für Krypto-Anleger bleibt damit die regulatorische Unsicherheit der dominante Kursfaktor, nicht die Technik.

Der globale Kompass

Die kommenden Tage entscheiden sich an drei Fronten gleichzeitig. Erstens: Ob der Ölpreisschub durch Nahost-Eskalation und Pipeline-Ausfall vorübergehend bleibt oder sich zur strukturellen Neubewertung von Energiewerten auswächst. Zweitens: Ob die Fed mit ihrem Ausblick die von Wells Fargo beschriebene Übergewichtung in Aktien bestraft – eine Aktienquote wie zuletzt 1969 ist kein Grund zur Beruhigung, sondern ein Warnsignal. Drittens: Ob sich die zaghafte Stabilisierung bei den China-ADRs als echte Bodenbildung erweist oder nur als Zwischenerholung, bevor die nächste Klageschrift die Kurse wieder drückt. Wer diese Woche handelt, sollte weniger auf die Schlagzeile schauen als darauf, wo institutionelles Kapital tatsächlich hinfließt – das war heute bei Öl, Bilibili und den Fed-Positionierungsdaten die eigentliche Geschichte.

Anzeige

Baidu-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Baidu-Analyse vom 15. September liefert die Antwort:

Die neusten Baidu-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Baidu-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Baidu: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Baidu