Wall Street: Aktienrückkäufe auf Rekordniveau

Während das jüngst berichtete Gewinnwachstum amerikanischer Firmen hinter den Erwartungen zurückblieb, nutzen die börsennotierten Unternehmen ihre prall gefüllten Kassen dazu, mit Aktienrückkäufen die Anleger bei Laune zu halten.

 

NYSE
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Nach neusten Markterhebungen haben sich im vergangenen April große amerikanische Unternehmen Aktienrückkäufe im Gesamtvolumen von 141 Mrd. Dollar genehmigen lassen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik und setzt einen Trend fort, der schon in den letzten Jahren zu erkennen war.

So gaben im vergangenen Jahr die S&P-500-Firmen insgesamt fast 680 Mio. Dollar für Aktienrückkäufe aus. Damit wurde ein Trend fortgeschrieben, der 2010 seine aktuelle Dynamik begann. Im Jahr davor war wegen der allgemeinen Finanzkrise deutliche Zurückhaltung sichtbar, weil viele Firmen aus Unsicherheit ihre Kapitalreserven schonen wollten.

Aktienrückkäufe

 

Aktienrückkäufe mit stärkstem Jahresstart

Das ist mit Blick auf die Historie ein durchaus übliches Vorgehen, so auch nach dem Platzen der New-Economy-Blase nach dem Jahrtausend-Wechsel. Die Unternehmen selbst sind jetzt aber in ihrer Strategie weit davon entfernt, schon wieder neue Krisensignale zu empfangen. So war der Start in das Börsenjahr 2015 auch mit fast 400 Mrd. Dollar an Ankündigungen für Aktienrückkäufe der stärkste Jahresbeginn überhaupt.

Allerdings gilt auch: Die Ankündigung von Aktienrückkäufen ist längst kein Garant mehr für steigende Aktienkurse. Wird üblicherweise damit im positiven Sinn eine Erhöhung des Gewinns je Aktie und damit eine optische Verbilligung der Bewertung über das KGV erreicht, so sehen Investoren Aktienrückkäufe inzwischen deutlich kritischer.

 

Aktienrückkäufe sollten von Anlegern immer hinterfragt werden

Das gilt nicht nur bei der Frage, ob die Unternehmen nicht besseres mit dem Geld anzufangen wissen. Hinzu kommt, dass etliche Firmen trotz der Ankündigung von Aktienrückkäufen im Kurswert eher eine schwache Figur machten. So zeigten letzte Analysen, dass die Top-10-Firmen aus dem S&P 500, die Entsprechendes ankündigten, in den folgenden 7 Handelstagen zu 70% der Zeit Kursverluste verbuchten.

Fazit: Die strategische Bedeutung von Aktienrückkäufen wird vom Markt immer stärker hinterfragt. Wer als Unternehmen damit nur operative Schwächen oder Ideenlosigkeit kaschieren will, wird auch im Kurs kaum beeindrucken können. Fragen Sie als Anleger bei Aktienrückkäufen also immer nach dem Warum.

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