Walmart Aktie: 2,9 Milliarden für Preisoffensive
Walmart übertrifft im zweiten Quartal die Erwartungen, doch die vorsichtige Prognose und hohe Investitionen in Preissenkungen lösen einen Kursrutsch aus.

- Umsatzplus von 5,9 Prozent
- Gewinnprognose enttäuscht Anleger
- Neue Modeeigenmarke gegen Amazon
- Analysten senken Kursziele
Der US-Einzelhandelsriese Walmart hat an den Finanzmärkten eine turbulente Phase hinter sich. Trotz solider Geschäftszahlen für das abgelaufene zweite Quartal sorgte eine vorsichtige Prognose für das kommende Herbstvierteljahr für Verkäufe. Insbesondere die Strategie, hohe Milliardenbeträge in Preissenkungen zu investieren, um die Marktanteile gegen die Konkurrenz zu verteidigen, rückt nun in den Fokus der Anleger.
Starke Quartalsbilanz trifft auf vorsichtige Prognose
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das im Juli endete, konnte Walmart die Erwartungen der Analysten noch übertreffen. Der Konzernumsatz kletterte um 5,9 Prozent auf 187,9 Milliarden US-Dollar.
Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie schnitt das Unternehmen mit 0,81 US-Dollar besser ab als die am Markt prognostizierten 0,74 US-Dollar. Das operative Ergebnis legte sogar um 28,8 Prozent auf 9,38 Milliarden US-Dollar zu. Besonders das internationale Geschäft sowie ein deutliches Plus im E-Commerce-Sektor von weltweit 23 Prozent stützten das Ergebnis.
Dennoch lösten die Details zum Ausblick eine Verkaufswelle aus. Am vergangenen Donnerstag verzeichnete die Aktie den größten Tagesverlust seit dem Jahr 2022. Ein Grund hierfür ist das vergleichsweise langsame Wachstum der US-Vergleichsumsätze, die im zweiten Quartal lediglich um 2,6 Prozent zulegten – Analysten hatten im Vorfeld mit einem Plus von 3,8 Prozent gerechnet.
Zudem kündigte das Management an, Zollrückerstattungen in Höhe von rund 2,9 Milliarden US-Dollar direkt für Preissenkungen einzusetzen. Diese Maßnahme soll zwar die Kundenbindung stärken, dürfte jedoch das Ergebnis im dritten Quartal belasten.
Für diesen Zeitraum stellte Walmart einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 0,62 und 0,64 US-Dollar in Aussicht und blieb damit hinter der Konsensschätzung von 0,68 US-Dollar zurück.
Mit neuer Eigenmarke gegen Amazon
Um neue Kundengruppen zu erschließen, geht Walmart in die Offensive und hat am gestrigen Sonntag die Einführung der neuen Modeeigenmarke „Scenario“ bekannt gegeben. Die Marke richtet sich mit trendbewussten Entwürfen gezielt an die Generation Z und Millennials. Laut Medienberichten sollen die meisten Artikel, darunter Damenbekleidung und Accessoires, zu Preisen unter 25 US-Dollar angeboten werden.
Denise Incandela, Executive Vice President bei Walmart, erklärte dazu, dass ein Großteil der Bestandskunden angab, Mode bisher bei teureren Händlern zu beziehen. Mit dem neuen Angebot will der Konzern diesen Trend umkehren und gleichzeitig dem Wettbewerber Amazon Marktanteile im Bekleidungssektor streitig machen.
Konzernchef John Furner wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Kunden weiterhin unter Druck stehen, unter anderem durch Benzinpreise von über 4 US-Dollar pro Gallone, was preiswerte Eigenmarken attraktiver mache.
Analysten korrigieren Kursziele nach unten
Die Reaktion der Analystenhäuser auf die gemischte Nachrichtenlage fiel deutlich aus. Die Experten von JPMorgan senkten ihr Kursziel für Walmart von 137 auf 125 US-Dollar, behielten jedoch die Einstufung „Overweight“ bei.
Auch Wells Fargo reagierte und reduzierte den Zielwert von zuvor 140 auf nun 120 US-Dollar, bleibt aber ebenfalls bei einer Kaufempfehlung. Trotz der Kurskorrekturen betonen Marktbeobachter die fundamentale Stärke des Unternehmens; so hob Walmart die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr beim Umsatzwachstum leicht auf 4,0 bis 5,0 Prozent an.
An der Börse hinterließen die Ereignisse der letzten Tage dennoch tiefe Spuren. Der Kurs markierte am Freitag einen Schlussstand von 88,63 Euro. Damit ist das Papier aktuell rund 24 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch entfernt, das im Mai bei 116,44 Euro markiert worden war.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist durch den jüngsten Abverkauf auf einen Wert von 27,7 gesunken, was technisch als überverkauft gilt und häufig die Aufmerksamkeit antizyklischer Investoren auf sich zieht.
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