Walmart Aktie: US-Schwäche kostet Milliarden
Trotz optimistischerer Jahresziele und starkem Online-Handel verzeichnet Walmart einen massiven Kurssturz. Grund ist das enttäuschende Wachstum im US-Kerngeschäft, das die Anleger verunsichert.

- Kursrutsch von 8,7 Prozent
- US-Umsatzwachstum enttäuscht erneut
- Jahresprognose dennoch angehoben
- Apothekendeal drückt auf Erlöse
Ausgerechnet der optimistische Ausblick konnte es nicht richten. Walmart hebt die Jahresprognose an, meldet starke Werbeeinnahmen und ein florierendes Online-Geschäft – und trotzdem rauscht die Aktie am Donnerstag im frühen US-Handel um bis zu 8,7 Prozent nach unten, der größte Tagesverlust seit Juli 2022. Der Grund liegt nicht in der Zukunft, sondern in der Gegenwart: Das US-Kerngeschäft enttäuscht zum zweiten Mal in Folge.
Apotheken-Deal drückt auf die Erlöse
Im zweiten Geschäftsquartal wuchs der Umsatz in den USA auf vergleichbarer Basis nur um 2,6 Prozent – abseits der Tankstellenerlöse blieb Walmart damit hinter den Markterwartungen zurück.
Ursache ist ausgerechnet ein Erfolg der eigenen Verhandlungsführung: Niedrigere Medikamentenpreise, die der Konzern seit Januar mit der US-Regierung ausgehandelt hat, belasten nun die Apothekenerlöse. Besser lief es abseits der Kernmarke – Sam’s Club legte um 4,4 Prozent zu, das internationale Geschäft wechselkursbereinigt sogar um fast 8 Prozent.
Konzernweit stieg der Umsatz in den drei Monaten bis Ende Juli um fast sechs Prozent auf 187,9 Milliarden Dollar. Zollrückerstattungen der US-Regierung ließen das operative Ergebnis um fast 29 Prozent steigen, bereinigt um Sondereffekte lag das Plus bei 17,4 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar.
Unter dem Strich sank der Gewinn dennoch um 9,4 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar – im Vorjahr hatte ein besonders starkes Finanzergebnis den Vergleichswert nach oben gezogen.
Ausblick fällt hinter Erwartungen zurück
Konzernchef John Furner hob die Jahresziele an: Der Umsatz soll währungsbereinigt nun um 4 bis 5 Prozent wachsen statt der bisher avisierten 3,5 bis 4,5 Prozent. Das operative Ergebnis soll um 7 bis 8,5 Prozent zulegen, nach zuvor 6 bis 8 Prozent.
Für das laufende dritte Quartal stellte der Konzern jedoch nur ein Umsatzwachstum von 3 bis 3,75 Prozent in Aussicht – beim operativen Ergebnis werden 2 bis 4 Prozent erwartet, aus Analystensicht weniger als im Schnitt kalkuliert.
RBC-Analyst Steven Shemesh lobte zwar die angehobenen Jahresziele und die überraschend starken Umsatzzahlen, rechnete aber damit, dass der Markt sich auf das schwache US-Wachstum fokussieren würde. Genau das ist eingetreten. Die Diskussion um die Bewertung der Aktie bleibe damit am Leben, so Shemesh – auch wenn das internationale Wachstum aus seiner Sicht weiter für das Geschäftsmodell spricht.
Das Papier hatte bereits in den vergangenen drei Monaten deutlich nachgegeben, unter anderem wegen Sorgen um steigende Treibstoffkosten infolge des Iran-Kriegs. Mit dem heutigen Kursrutsch rückt die Frage nach der Wachstumsdynamik im Heimatmarkt nun endgültig in den Mittelpunkt der Anlegerdiskussion.
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