Warum bessere Zahlen GE Aerospace und GM trotzdem Kurs kosten

GE Aerospace und General Motors übertrafen Quartalsschätzungen, doch ihre Ausblicke blieben hinter den Markterwartungen zurück.

Die Kernpunkte:
  • GE hebt die Jahresprognose an
  • GE-Aktie verliert rund 4,5 Prozent
  • GM beschließt Rückkauf über 20 Milliarden Dollar
  • Rohstoffkosten belasten GMs Ausblick

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die US-Berichtssaison bestraft am Dienstag selbst saubere Prognoseanhebungen. GE Aerospace übertrifft die Schätzungen, hebt den Ausblick an und verliert trotzdem rund 4,5 Prozent. General Motors liefert ein ähnliches Bild, mit einem 20-Milliarden-Dollar-Rückkauf obendrauf. Die These des Tages lautet daher: Der Markt handelt nicht mehr das abgelaufene Quartal, sondern die Lücke zwischen Unternehmensprognose und Konsens für das nächste.

GE Aerospace: Starke Aufträge, ein zu schwaches viertes Quartal

GE Aerospace liefert das Lehrstück des Tages. Operativ war das dritte Quartal stark. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 36 Prozent auf 2,25 Dollar, der Konsens lag bei 2,00 Dollar. Nach Bilanzierungsstandard GAAP waren es 2,32 Dollar je Aktie.

Der Auftragseingang sprang um 49 Prozent auf 19 Milliarden Dollar, der Wartungsauftragsbestand liegt über 170 Milliarden Dollar. Für 2026 erwartet GE Aerospace nun ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 8,00 bis 8,10 Dollar nach zuvor 7,65 bis 7,85 Dollar.

Trotzdem fällt die GE-Aerospace-Aktie im laufenden Handel auf rund 265 Euro, ein Minus von 4,5 Prozent. Der Grund steckt in der Rechnung: Die neue Jahresspanne impliziert laut Reuters ein viertes Quartal von 1,87 bis 1,97 Dollar je Aktie, der Konsens liegt bei 2,04 Dollar.

Dazu sank der freie Cashflow im Quartal um 14 Prozent auf 2,0 Milliarden Dollar. Für 2027 kündigt GE Aerospace rund 300 Millionen Dollar Gegenwind durch den Hochlauf des GE9X-Triebwerks für die Boeing 777X an. Bei einem KGV von 38 bis 40 verzeiht der Markt solche Dellen nicht.

Wie es andersherum aussieht, zeigt die Konkurrenz: Prognosen über den Erwartungen werden prompt belohnt. Northrop Grumman hob das bereinigte Gewinnziel je Aktie auf 29,35 bis 29,75 Dollar und gewann 7,2 Prozent. RTX erhöhte das Umsatzziel auf 97 bis 97,5 Milliarden Dollar bei einem Rekordauftragsbestand von 340 Milliarden Dollar und legte 2,4 Prozent zu.

Die Analysten bleiben bei GE Aerospace gelassen: Jefferies bestätigt Kaufen mit Kursziel 435 Dollar, Vertical Research Kaufen mit 400 Dollar. Wer die Luftfahrt-Nachfrage spielen will, bekommt mit dem Rückschlag einen Einstieg weit unter dem Augusthoch von gut 337 Euro, muss aber den Cashflow-Knick bis zur 777X-Zulassung aushalten.

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General Motors: Rohstoffe fressen den Rückkauf

Bei General Motors entscheidet nicht das Quartal, sondern die Kostenrechnung der kommenden zwei Jahre. General Motors verdiente im dritten Quartal bereinigt 3,70 Dollar je Aktie, der LSEG-Konsens lag bei 3,63 Dollar.

Der berichtete Nettogewinn verdreifachte sich auf 3,3 Milliarden Dollar, weil das Vorjahr durch Abschreibungen auf das Elektrogeschäft belastet war. Das bereinigte operative Ergebnis stieg um 22 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar, davon kamen 3,6 Milliarden aus Pick-ups und SUVs in Nordamerika. Der Vorstand beschloss ein neues Rückkaufprogramm über 20 Milliarden Dollar bei 849 Millionen ausstehenden Aktien.

Die GM-Aktie verlor dennoch rund 5 Prozent, zeitweise mehr. GM engte die Jahresprognose für das bereinigte Ergebnis je Aktie auf 12,75 bis 13,75 Dollar ein, der Mittelwert liegt unter dem Konsens von 13,41 Dollar. Die Rohstoff- und Logistikinflation soll 2026 rund 2 Milliarden Dollar kosten, Zölle weitere 2,5 bis 3,5 Milliarden.

Finanzchef Jacobson warnte für 2027 vor bis zu 2 Milliarden Dollar zusätzlicher Belastung, falls die Rohstoffpreise nicht sinken. Die Lehre für deutsche Depots: Volkswagen hat mit 4,25 das niedrigste KGV im DAX, doch solange der Nahost-Konflikt Metall und Energie verteuert, bleibt die Bewertung eine Falle und kein Argument.

Seoul: Ein Börsengang reißt die Chip-Hausse weiter ein

In Seoul zeigt sich, wie dünn das Vertrauen in die Speicherchip-Rally geworden ist. Der koreanische Leitindex KOSPI verlor am Dienstag knapp 4 Prozent und liegt mit rund 5.530 Punkten weit unter dem Juni-Rekord von gut 9.385 Punkten. Auslöser war der Börsengang des KI-Infrastrukturanbieters Elice, der trotz 389-facher Überzeichnung am ersten Tag 32 Prozent einbrach.

SK Hynix schloss 4,2 Prozent tiefer bei 1.223.000 Won, umgerechnet rund 821 Euro. Samsung Electronics gab 3,0 Prozent auf 211.500 Won ab, etwa 142 Euro. Auf Monatssicht hat SK Hynix 35 Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht aber noch ein Plus von 88 Prozent.

Der Streit um die Bewertung der koreanischen Chipwerte ist extrem. Nomura bestätigt Kaufen mit Kursziel 4.700.000 Won für SK Hynix, umgerechnet rund 3.150 Euro, und 670.000 Won für Samsung, also etwa 450 Euro. Nomura erwartet einen Speichermangel bis mindestens 2028. Bernstein belässt das Ziel für SK Hynix bei 2.700.000 Won, rund 1.810 Euro.

Dagegen steht TrendForce: Die DRAM-Vertragspreise sollen in diesem Quartal nur noch um 10 bis 15 Prozent steigen, zuvor waren es rund 60 Prozent. Ausländer halten an Samsung nur noch 45,99 Prozent, der niedrigste Stand seit 2008.

Abseits der beiden Schwergewichte sieht der Markt deutlich billiger aus. JPMorgan verweist darauf, dass der KOSPI ohne Samsung und SK Hynix ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 8,4 aufweist, günstiger als in fast 90 Prozent der Historie. Die nächste Probe sind die SK-Hynix-Zahlen am 28. Oktober. Für Infineon als deutschen Stellvertreter gilt dieselbe Logik: 38 Prozent Plus seit Jahresbeginn, 11 Prozent Minus auf Monatssicht, Zahlen am 10. November.

Salesforce und Mastercard: Wo KI-Agenten zu Kunden werden

Die nächste Etappe der KI-Wertschöpfung wird nicht im Rechenzentrum entschieden, sondern beim Kunden. Salesforce kauft den Kundenbindungsspezialisten Braze für 47,50 Dollar je Aktie in bar, ein Unternehmenswert von knapp 5,7 Milliarden Dollar.

Braze sprang um rund 50 Prozent, Salesforce notiert aktuell 1,8 Prozent tiefer bei rund 213 Euro. Salesforce liegt seit Jahresbeginn 6,2 Prozent im Minus, das Septemberhoch von gut 230 Euro ist nicht weit.

Spannender ist, was parallel bei Mastercard passiert. Mastercard öffnete am Dienstag den Frühzugang zu „Agent Pay for Machines“, einem System, mit dem KI-Agenten innerhalb menschlich gesetzter Limits selbst Dienste suchen, Konditionen akzeptieren und bezahlen. Pilotpartner waren Cloudflare, Ant International, BVNK, Base und Coinbase; bezahlt wird per Karte, Konto oder Stablecoin.

Noch ist es ein Pilot ohne kommerzielle Freigabe. Die Anlegerkonsequenz beider Meldungen ist dieselbe: Die Wertschöpfung verschiebt sich von Chips und Rechenzentren zu den Schichten, die Kundenkontakt und Zahlungsfluss kontrollieren, und dort ist die Bewertungskorrektur bisher ausgeblieben.

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Netflix heute Abend: Der Optionsmarkt rechnet mit 9 Prozent Ausschlag

Netflix steht vor einem Bericht, bei dem die Prognose mehr zählt als das Quartal. Netflix legt nach US-Börsenschluss Zahlen vor, in Deutschland also in der Nacht zum Mittwoch. Erwartet werden ein Umsatz von rund 12,9 Milliarden Dollar, gut 12 Prozent mehr als vor einem Jahr, und 0,82 Dollar je Aktie.

Die Netflix-Aktie notiert bei rund 62 Euro, umgerechnet knapp 70 Dollar, und hat seit Jahresbeginn ein Viertel verloren. Optionen preisen bis Wochenschluss eine Bewegung von bis zu 9 Prozent in beide Richtungen ein.

Die Vorzeichen sind negativ: 6 Prozent Stellenabbau, Abgang von Inhaltechefin Bela Bajaria, laut Antenna-Daten kein Monat mit US-Nettozuwachs an Abonnenten in diesem Jahr, was Netflix bestreitet. Morgan Stanley senkte das Kursziel auf 80 Dollar, bleibt aber bei Übergewichten.

Entscheidend wird, ob die Jahresprognose von 51 bis 51,4 Milliarden Dollar Umsatz hält. Wer die Aktie hält, sollte den Ausschlag nicht hebeln; wer einsteigen will, bekommt morgen früh den klareren Preis.

Der globale Kompass

Am Dienstag wurde der Ausblick belohnt, nicht die Vergangenheit: RTX und Northrop stiegen, GE Aerospace und GM fielen trotz besserer Zahlen. Diese Messlatte gilt morgen für Meta und Tesla, für Netflix bereits heute Nacht.

Im DAX stützt derweil Eon mit dem Sparprogramm „Polaris“, das ab 2027 die Kosten um 20 bis 25 Prozent senken soll. Die Commerzbank erwartet für 2026 eine Rekordausschüttung der DAX-Konzerne von 58,1 Milliarden Euro. Defensive Dividende und bestätigte Prognosen schlagen in dieser Phase jede Rekordmeldung ohne Folgequartal.

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