Warum der DAX fällt, obwohl die Welt wächst
Der DAX fällt, während US-Indizes neue Höchststände erreichen. Eine ausgeprägte Sektorrotation und gemischte Quartalszahlen prägen das Geschehen.

- DAX verliert, US-Börsen auf Rekordkurs
- Starke Sektorrotation im deutschen Leitindex
- Commerzbank plant Stellenabbau bei Rekordgewinn
- Globus Medical mit deutlichem Umsatzplus
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit dem Satz, wer nur den DAX-Schlusskurs lese, verpasse, wo das Kapital tatsächlich hinarbeite. Der Freitag hat diese These verschärft. Der DAX beendete die Woche bei 24.338,6 Punkten — ein Minus von 1,32 Prozent am Tag, nach dem gescheiterten Ausbruch über die 25.000er-Marke zur Wochenmitte. In New York markierten S&P 500, Nasdaq und Dow Jones am selben Tag neue Allzeithochs. Der Dow schloss bei 49.621 Punkten, der S&P 500 bei 7.391, der Nasdaq bei 26.144. Zwei Kontinente, zwei Richtungen, eine Frage: Woher kommt die Kluft — und was bedeutet sie für Ihr Portfolio?
Die Woche der Rotation
Die Antwort liegt nicht im Index, sondern in seinen Bestandteilen. In der Kalenderwoche 19 dominierte im DAX nicht die Breite, sondern eine ausgeprägte Sektorrotation. Continental gewann 10,13 Prozent, Infineon 7,93 Prozent, BMW 5,01 Prozent. Auf der Gegenseite: Rheinmetall verlor 10,13 Prozent, Deutsche Börse 7,22 Prozent, DHL Group 7,01 Prozent.
Das Muster ist aufschlussreich. Halbleiter und ausgewählte Zykliker wurden gesucht, zuvor stark gelaufene Titel und Defensivwerte abgegeben. Der DAX wirkt angeschlagen, aber innerhalb des Index wird sehr differenziert bezahlt. Wer nur auf den Schlusskurs schaut, übersieht, dass Kapital nicht abfließt — es wechselt die Adresse.
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Belastend wirkten erneut gestiegene Ölpreise und die fragile Lage im Iran. Der Rentenmarkt blieb dagegen gelassen: Der Euro-Bund-Future stieg um 0,12 Prozent auf 125,65 Punkte, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,01 Prozent. Der Euro legte auf 1,1773 Dollar zu.
Commerzbank, Aurubis, Evonik — die Berichtssaison sortiert
Unter den Unternehmensmeldungen stach die Commerzbank heraus: Das Institut plant bis 2030 den Abbau von rund 3.000 Vollzeitstellen, erwartet aber einen Rekordgewinn. Das ist die Arithmetik des europäischen Bankensektors im Jahr 2026 — weniger Menschen, mehr Ertrag.
Aurubis hob die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 auf 425 bis 525 Millionen Euro an, nach zuvor 375 bis 475 Millionen Euro. Evonik bestätigte das Jahresgewinnziel und sieht eine Geschäftsbelebung. Bechtle startete mit deutlichen Zuwächsen ins Jahr und bekräftigte für 2026 Ziele von Umsatz und Gewinn auf Vorjahresniveau bis plus 5 Prozent. Krones meldete Umsatz- und Ergebnisrückgänge, hielt aber ebenfalls an der Jahresprognose fest. Die Berichtssaison liefert keine einheitliche Richtung — sie belohnt Unternehmen, die ihre Margen verteidigen, und bestraft jene, die es nicht tun.
Wall Street: Arbeitsmarkt trägt, Chips treiben
In New York war der Treibstoff konkreter. Die US-Wirtschaft schuf im April 115.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3 Prozent, die März-Zahl wurde auf 185.000 Jobs nach oben revidiert. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist robust genug, um die Konjunktursorgen zu dämpfen, aber nicht heiß genug, um die Fed unter Druck zu setzen. Der Markt rechnet weiter mit Zinsen bei 3,50 bis 3,75 Prozent.
Die eigentliche Dynamik kam von den Chipwerten. Nvidia legte am Freitag um 2,3 Prozent zu, Apple um 1,8 Prozent. Der PHLX Semiconductor Index stieg um 3,19 Prozent auf 11.516 Punkte. 83 Prozent der S&P-500-Unternehmen übertrafen im ersten Quartal die Erwartungen — eine starke Quote. Doch die Spreizung wächst: Cloudflare, Trade Desk, CoreWeave und Expedia gerieten nach ihren Zahlen unter Druck. Die Berichtssaison belohnt Qualität und bestraft enttäuschte Erwartungen härter als in früheren Zyklen.
MedTech liefert leise, aber beständig
Abseits der Schlagzeilen verdient der Medizintechniksektor Aufmerksamkeit — gerade nach der Siemens-Healthineers-Enttäuschung vom Donnerstag. GE HealthCare beschloss am 7. Mai eine Dividende von 0,14 Dollar je Aktie für 2025, ein Plus von 7,69 Prozent zum Vorjahr.
Eindrucksvoller war Globus Medical: Der Orthopädie-Spezialist meldete für das erste Quartal 2026 Netto-Umsätze von 759,9 Millionen Dollar, ein Plus von 27 Prozent. Das GAAP-Nettoeinkommen stieg um 64,7 Prozent auf 124,3 Millionen Dollar. Die EPS-Prognose für das Gesamtjahr wurde von 4,40–4,50 Dollar auf 4,70–4,80 Dollar angehoben. Fujifilm Medical integriert ab dem 1. Juli 2026 zwei Tochtergesellschaften, um das medizinische IT-Geschäft zu bündeln. MedTech wächst nicht mit der Geschwindigkeit von Nvidia — aber mit einer Verlässlichkeit, die in einem Markt voller Rotation ihren eigenen Wert hat.
Was die Häfen über die Weltwirtschaft verraten
Wer verstehen will, wohin sich die globale Nachfrage verschiebt, sollte nicht auf Aktienindizes schauen, sondern auf Containerhäfen. Das Bild ist in dieser Woche aufschlussreich — und widersprüchlich.
Hongkong verlor im ersten Quartal 2026 bei den Containern 6,1 Prozent auf 3,17 Millionen TEU. Chinesische Festlandhäfen meldeten dagegen ein Plus von 8,3 Prozent und ein neues Rekordvolumen. Die Straße von Malakka und Singapur verzeichneten einen neuen Quartalsrekord beim Schiffsverkehr. Die Dynamik innerhalb Asiens verschiebt sich — weg von Hongkong, hin zu den Festlandhäfen und den südostasiatischen Drehkreuzen.
In Europa zeigt sich ein ähnlich heterogenes Bild. Der italienische Hafen Tarent verzeichnete im ersten Quartal einen Rückgang des Güterverkehrs um 27,4 Prozent. Trockenmasse fiel um 48,4 Prozent, konventionelle Güter um 46,1 Prozent. Flüssige Massengüter stiegen dagegen um 27 Prozent. Der Containerverkehr explodierte prozentual — plus 1.888 Prozent auf 96.000 Tonnen, vor allem durch den neuen CMA-CGM-Bora-Med-Dienst. Für Anleger mit Blick auf Reedereien, Hafenbetreiber und exportabhängige Industrie sind diese Verschiebungen relevanter als mancher Quartalsbericht.
Was jetzt zählt
Diese Woche hat bestätigt, was sich seit Tagen abzeichnet: Die Richtung des Index sagt weniger aus als die Bewegung innerhalb des Index. Der DAX verlor auf Wochensicht, aber Continental, Infineon und BMW legten kräftig zu. Die Wall Street feiert neue Rekorde, doch auch dort trennt die Berichtssaison Gewinner von Verlierern schärfer als üblich.
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Am Montag, dem 12. Mai, veröffentlicht Bayer die Q1-Zahlen — ab 7:30 Uhr MESZ, mit Live-Übertragung um 10 Uhr. In der Folgewoche verdichten sich die Termine: Nvidia berichtet am 20. Mai, die PMIs für Deutschland und die Eurozone folgen am 21. Mai, und am 22. Mai stehen die zweite BIP-Veröffentlichung für das erste Quartal und der Ifo-Geschäftsklimaindex an. Die Frage, die über allem steht: Reicht die Kraft der US-Tech-Rally, um auch Europa mitzuziehen — oder setzen steigende Ölpreise und eine hartnäckige Inflation der Realwirtschaft enger Grenzen?
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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