Warum die Börse steigt, obwohl die Verbraucher kapitulieren
Wall Street feiert achte Gewinnwoche, während US-Verbrauchervertrauen auf historisches Tief fällt. Analysten warnen vor Korrektur.

- S&P 500 und Dow auf Rekordkurs
- Verbrauchervertrauen fällt unter Krisenniveau
- Hypothekenzinsen steigen auf 6,51 Prozent
- Iran-Gespräche: Waffenstillstand in Sicht
Liebe Leserinnen und Leser,
am Mittwoch schrieb ich, dass drei Datenpunkte diese Woche entscheiden würden: Nvidias Zahlen, das Fed-Protokoll und belastbare Signale aus den Iran-Gesprächen. Nvidia hat geliefert, die Fed hat gesprochen — und die Iran-Frage bleibt offen. Doch was die Woche wirklich definiert, ist ein Widerspruch, der sich mit jedem Handelstag vertieft: Wall Street feiert die achte Gewinnwoche in Folge, die längste Serie seit 2023. Gleichzeitig fällt das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan auf ein historisches Tief — unter das Krisenniveau von 2022. Die Amerikaner waren selten so pessimistisch. Ihre Aktienmärkte waren selten so optimistisch. Beides gleichzeitig geht nicht ewig gut.
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Dow Jones auf Allzeithoch, Inflationserwartungen auf Mehrjahreshoch
Der S&P 500 schloss am Freitag bei 7.473,47 Punkten (+0,37 Prozent), der Dow Jones markierte mit 50.579,70 Punkten ein neues Allzeithoch (+0,58 Prozent), der Nasdaq legte moderat auf 26.343,97 Punkte zu (+0,19 Prozent). Einzelwerte stachen heraus: Estée Lauder gewann 11,9 Prozent nach der Absage einer Fusion mit Puig, Ross Stores stiegen um 8,1 Prozent nach starken Quartalszahlen, Zoom Communications legte 9,2 Prozent zu.
Was die Kurse nicht zeigen: Die 12-Monats-Inflationserwartung der US-Verbraucher kletterte auf 4,8 Prozent, die langfristige Erwartung auf 3,9 Prozent. Brent-Rohöl notiert bei 100,21 Dollar je Barrel. Fed-Gouverneur Christopher Waller schloss in dieser Woche Zinserhöhungen ausdrücklich nicht aus, sollten die Inflationserwartungen „außer Kontrolle geraten“. Die 30-jährige US-Treasury-Rendite steht mit 5,08 Prozent auf dem höchsten Niveau seit Ende der 1980er Jahre.
Am 16. und 17. Juni tagt das FOMC erstmals unter dem neu vereidigten Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. RBC Capital Markets setzt das 12-Monats-Ziel für den S&P 500 auf 7.900 Punkte, rechnet aber mit Korrekturen von 5 bis 10 Prozent. Ihr Basisszenario in einem Satz: „AI in the fast lane, Middle East in the slow lane.“
Hypothekenzinsen verdoppelt, Insolvenzrisiko steigt
Der Hypothekenmarkt macht greifbar, was abstrakte Renditezahlen verschleiern. Der durchschnittliche US-Hypothekenzins für 30 Jahre stieg auf 6,51 Prozent — den höchsten Stand seit fast neun Monaten. Vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar lag er noch bei 3,97 Prozent. In drei Monaten hat sich der Zins nahezu verdoppelt. Hypothekenanträge fielen zuletzt um 2,3 Prozent auf ein Fünf-Wochen-Tief. Der Anteil variabel verzinster Kredite nähert sich 10 Prozent aller Anträge — ein Warnsignal, weil Kreditnehmer auf sinkende Zinsen wetten, die möglicherweise nicht kommen.
Die Konsequenzen reichen über den Immobilienmarkt hinaus. Viele US-Unternehmen hatten sich in der Niedrigzinsphase mit sogenannten Covenant-lite-Krediten zu variablen Zinsen finanziert. Anstehende Fälligkeitswellen im Anleihe- und Kreditmarkt erhöhen den Refinanzierungsdruck. Besonders gefährdet sind stark fremdfinanzierte Unternehmen in zyklischen Sektoren und Private-Equity-Portfolios. Für konservative Anleger heißt das konkret: Exposition gegenüber hoch verschuldeten Emittenten reduzieren, Qualität bei Anleihen und Dividendenwerten bevorzugen.
Iran-Gespräche: Fortschritte am Verhandlungstisch, neue Fakten an der Meerenge
Am Samstag verdichteten sich die diplomatischen Signale. US-Außenminister Marco Rubio vermeldete Fortschritte bei den Iran-Gesprächen. Pakistans Armeechef Feldmarschall Asim Munir traf in Teheran Außenminister Abbas Araghchi sowie Präsident Masoud Pezeshkian. Reuters zufolge stehen USA und Iran kurz vor einer 60-tägigen Waffenstillstandsverlängerung.
Doch parallel schafft Iran Fakten: Die in dieser Woche eingerichtete „Persian Gulf Strait Authority“ (PGSA) verlangt bis zu zwei Millionen Dollar Maut pro Schiff für die Passage durch die Straße von Hormus. US-Senator Tom Cotton fordert bereits Sanktionen gegen alle Entitäten, die diese Gebühren entrichten. Irans Chefunterhändler Ghalibaf betonte, es werde keine Kompromisse bei den „Rechten der iranischen Nation“ geben. Die Knackpunkte — Atomprogramm und Kontrolle über die Meerenge — sind unverändert.
Die Folgen der seit Ende Februar geschlossenen Wasserstraße bleiben messbar: Benzinpreise in den USA liegen 28 Prozent über dem Vorjahresniveau, Flugpreise stiegen um 20,7 Prozent gegenüber April 2025, Rindfleisch verteuerte sich um 16 Prozent, Kaffee um 18 Prozent, Tomaten um 40 Prozent. Die US-Gesamtinflation im April lag bei 3,8 Prozent — dem höchsten Wert seit 2023.
Ukraine trifft russische Energieinfrastruktur am Schwarzen Meer
Während die Diplomatie im Persischen Golf nach Kompromissen sucht, verschärft die Ukraine ihren Angriff auf russische Energieinfrastruktur. In der Nacht zum Samstag trafen Drohnen das Ölterminal Sheskharis und das Öldepot Grushova nahe Noworossijsk am Schwarzen Meer. Ein Tanker namens „Chrysalis“ wurde getroffen. Laut dem ukrainischen Militärkommandeur Robert Brovdi wurden im Mai bereits 13 große russische Ölanlagen angegriffen, sechs der zehn größten Raffinerien sollen den Betrieb eingestellt haben.
Reuters beziffert die durch ukrainische Angriffe lahmgelegte russische Raffineriekapazität auf 1,1 Millionen Barrel pro Tag. Die wirtschaftlichen Folgen für Moskau sind erheblich: Russlands Öl- und Gaseinnahmen sanken 2025 um 24 Prozent auf den tiefsten Stand seit 2020. Das russische BIP schrumpfte im ersten Quartal 2026, die Jahresprognose liegt bei mageren 0,4 Prozent Wachstum. Für die globalen Energiemärkte bedeutet das: Neben der geschlossenen Straße von Hormus fällt auch am Schwarzen Meer zunehmend Kapazität aus.
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Deutschland: Der Sparkurs wird konkret
Auf der Heimatfront zieht die Berliner Koalition die Zügel an. Unionsfraktionschef Jens Spahn stellte klar, dass Erhöhungen bei Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld und BAföG „absehbar“ nicht möglich seien. Die kürzlich vereinbarte BAföG-Reform — mit einer Anhebung der Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro — steht unter Finanzierungsvorbehalt. Beim Elterngeld, das aktuell mit 7,5 Milliarden Euro veranschlagt wird, deutet Familienministerin Prien entweder eine Verkürzung der Bezugsdauer oder eine Leistungssenkung an.
Spahns Begründung ist nüchtern und schwer zu widerlegen: Die Kaufkraft sei seit 2019 nicht gestiegen, monatlich gingen 10.000 Industriearbeitsplätze verloren. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze öffnete zwar vorsichtig die Tür zur Lockerung der Schuldenbremse — aber nur unter der Bedingung, dass zunächst konkrete Sparkonzepte vorlägen. Die Pflegekassen rechnen für 2026 mit einem Defizit von einer Milliarde Euro; allein im ersten Quartal wurde ein Minus von 667 Millionen Euro verzeichnet.
Was die kommende Woche bringt
Zwei Termine werden die nächsten Handelstage prägen. Erstens: Ob die Iran-Verhandlungen bis Sonntag zu einem belastbaren Memorandum of Understanding führen, dürfte die Ölpreise und damit die globale Inflationsdynamik unmittelbar beeinflussen. Brent bei 100 Dollar oder Brent bei 80 Dollar — das ist der Unterschied zwischen einer Fed, die über Zinserhöhungen nachdenkt, und einer Fed, die stillhält. Zweitens: Am 26. Mai treffen sich die QUAD-Außenminister in Neu-Delhi, ein Signal für die geopolitische Neuordnung im Indo-Pazifik.
Und im Hintergrund tickt die Uhr bis zum FOMC-Meeting am 16. und 17. Juni. Kevin Warshs erste Sitzung als Fed-Vorsitzender wird zeigen, ob die neue Fed-Führung den Mut hat, gegen eine Rally anzugehen, die von Liquidität und KI-Fantasie lebt — während die Verbraucher, die diese Wirtschaft tragen sollen, so pessimistisch sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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