Warum die Wall Street die größte Ölkrise der Geschichte ignoriert
Trotz Blockade der Straße von Hormuz und Rekord-Ölpreisen erreichen US-Indizes neue Höchststände. Die Quartalszahlen von Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Apple sowie die Fed-Entscheidung stehen bevor.

- Ölpreis über 115 Dollar pro Barrel
- Straße von Hormuz seit zwei Monaten blockiert
- Big-Tech-Quartalszahlen in der kommenden Woche
- Fed-Entscheidung über Leitzins erwartet
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern beschrieb ich die Aufspaltung der Weltwirtschaft in eine finanzielle und eine physische Sphäre. An diesem Sonntagabend lässt sich festhalten: Der Riss zwischen beiden wird tiefer.
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Brent notiert jenseits von 115 Dollar. Die Internationale Energieagentur spricht von der größten Unterbrechung einer Lieferkette in der Geschichte. Chinas Exportverbot für Seltene Erden schnürt der japanischen Industrie die Luft ab. Und an der Wall Street? Neue Rekorde bei S&P 500 und Nasdaq, als existiere die physische Welt schlicht nicht. In der kommenden Woche wird sich zeigen, wie lange diese Entkopplung noch trägt – wenn Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Apple ihre Bücher öffnen und die Fed über Zinsen entscheidet, während im Persischen Golf über eine Milliarde Barrel Öl feststecken.
Die Straße von Hormuz: Zwei Monate Stillstand
Seit fast zwei Monaten ist die wichtigste Ölpassage der Welt de facto blockiert. Die Zahlen der IEA lassen wenig Raum für Optimismus: Die globale Ölversorgung ist um über 10 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen. Auf Schiffen im Nahen Osten stauen sich mehr als 100 Millionen Barrel Rohöl, während die Lagerbestände im Rest der Welt rapide schrumpfen.
An US-Tankstellen kostet die Gallone Benzin erstmals seit fast vier Jahren wieder über 4 Dollar. Die Golfstaaten beziffern ihre bisherigen Einbußen auf fast 200 Milliarden Dollar an Wirtschaftsleistung. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi verhandelt an diesem Wochenende erneut in Islamabad, doch die Fronten bleiben verhärtet: US-Präsident Donald Trump besteht darauf, dass Teheran den ersten Schritt macht, die US Navy beschlagnahmt im Rahmen der „Operation Southern Spear“ iranisches Öl. Diplomatie und Eskalation laufen parallel – und bislang gewinnt die Eskalation.
Von Helium bis Harnstoff: Der globale Engpass weitet sich aus
Die Blockade trifft weit mehr als den Energiemarkt. Im Nahen Osten wurden wichtige Anlagen zur Heliumproduktion beschädigt – ein Gas, ohne das keine moderne Chipfertigung funktioniert. Zulieferer von Nvidia, TSMC und Samsung stehen vor erheblichen logistischen Problemen, und zwar ausgerechnet in dem Moment, in dem die Halbleiterindustrie den Börsenboom antreibt.
Parallel verschärft China den Druck. Pekings Exportverbot für Seltene Erden, das auch potenziell militärisch nutzbare Güter umfasst, trifft Japan besonders hart: 70 Prozent der japanischen Importe dieser kritischen Rohstoffe stammen aus der Volksrepublik. Tokio meldete im Februar zwar erste Erfolge beim Tiefseeabbau vor der Insel Minamitorishima, doch bis zur kommerziellen Förderung vergehen mindestens zehn Jahre. Die Konsequenz für Verbraucher: Analysten rechnen damit, dass Smartphones, Laptops und Tablets in diesem Jahr um 10 bis 20 Prozent teurer werden. Die Hersteller verlagern ihre Kapazitäten lieber auf margenstarke High-Bandwidth-Memory-Module für KI-Anwendungen.
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Selbst im Supermarkt hinterlässt die Krise Spuren. Ecuadorianische Bananen stecken in Container-Engpässen fest, der Transportweg kenianischer Avocados hat sich auf fast 60 Tage verdoppelt, und Katar musste seine Harnstoff-Exporte drosseln, was Düngemittelengpässe nach sich zieht. Die Liste wird länger, nicht kürzer.
Big Tech im Stresstest, die Fed in der Warteschleife
Trotz dieser Reibungsverluste melden die Unternehmen im S&P 500 für das erste Quartal im Schnitt 13 Prozent höhere Gewinne. 80 Prozent der bisherigen Berichte übertrafen die Erwartungen. In der kommenden Woche erreicht die Berichtssaison ihren Höhepunkt: Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft legen am Mittwoch Zahlen vor, Apple folgt am Donnerstag. Zusammen repräsentieren diese fünf Unternehmen 17 Prozent des S&P-500-Gewichts.
Die entscheidende Frage: Kann das Cashflow-Wachstum der Tech-Konzerne – zuletzt rund 25 Prozent – die gewaltigen Investitionen in KI-Infrastruktur weiterhin finanzieren? Alphabet hat jüngst ein 40-Milliarden-Dollar-Investment in das KI-Unternehmen Anthropic angekündigt. Das Wettrüsten geht unvermindert weiter, und die Märkte wetten darauf, dass sich die Ausgaben auszahlen werden. Ob zu Recht, werden die Quartalszahlen zeigen.
Ebenfalls am Mittwoch tagt die Fed. Die Erwartung ist eindeutig: Der Leitzins bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Bei einer Inflation von 3,3 Prozent in den USA und 2,5 Prozent in der Eurozone – befeuert durch den Ölpreisschock – bleibt Jerome Powell kaum Spielraum. Die EZB, die Bank of England und die Bank of Japan befinden sich in derselben Lage. Am Rande bemerkenswert: Der Weg für Kevin Warsh als möglichen Powell-Nachfolger scheint frei, nachdem US-Senator Thom Tillis seine Blockade aufgegeben hat.
Deutschland rüstet auf – und hinkt hinterher
Der DAX notiert rund 6 Prozent unter seinem Höchststand und spiegelt damit die geopolitische Realität ehrlicher wider als die US-Indizes. Verteidigungsminister Boris Pistorius treibt den Aufbau der Bundeswehr voran: 111 Milliarden Euro sind seit 2022 in die Rüstung geflossen. Doch die Umsetzung bleibt zäh – die Fregatte F126 etwa, bisher mit 2 Milliarden Euro veranschlagt, liegt Jahre hinter dem Zeitplan. Gleichzeitig planen Militärlogistiker die Infrastruktur, um im Ernstfall bis zu 800.000 NATO-Soldaten durch die Bundesrepublik an die Ostflanke zu verlegen.
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Dass in Washington derweil über 120 Krypto-Firmen den US-Senat drängen, den „CLARITY Act“ zur Regulierung digitaler Assets zu verabschieden, wirkt angesichts dieser Prioritätenverschiebung wie ein Gruß aus einer anderen Epoche.
Die kommende Woche wird ein Lackmustest. Fünf Tech-Bilanzen, eine Fed-Entscheidung und eine Ölkrise ohne Lösung in Sicht treffen aufeinander. Die finanzielle Sphäre und die physische Sphäre nähern sich einem Punkt, an dem eine von beiden nachgeben muss. Welche es sein wird, entscheidet sich möglicherweise in den nächsten fünf Handelstagen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes und einen guten Start in diese Woche.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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