Warum Doha diese Woche für den Ölpreis wichtiger ist als Washington
Irans Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus trifft auf Brent über 110 Dollar und eine Woche wichtiger Wirtschaftstermine.

- Iran stellt Öffnung binnen zwei Tagen in Aussicht
- Brent schloss über 110 Dollar
- US-Arbeitsmarktbericht erscheint am Freitag
- Chinas Industrieindex sank auf 49,3 Punkte
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
der Iran bietet an, die Straße von Hormus binnen zwei Tagen wieder zu öffnen. Laut Außenminister Abbas Araghchi haben katarische Vermittler den ursprünglichen Plan verkürzt. Erst handelt Washington, danach läuft die Schifffahrt wieder an.
Ist das schon die Entspannung? Nicht ganz. Präsident Donald Trump sagte, die Gespräche liefen gut, Washington habe aber keine Eile. Zugleich drohte er erneut Irans Atomanlagen. Dazu kommt eine volle Woche mit Chinas Einkaufsmanagerindex am Montag, der Kongresswahl am Dienstag und dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Wie viel davon schon im Ölpreis und in den KI-Aktien steckt, ist für mich die Frage dieser Tage.
Kongresswahl am Dienstag: Der Strompreis wählt mit
Am Dienstag wählen die USA alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses und rund ein Drittel des Senats neu. Beide Kammern kontrollieren derzeit die Republikaner von Präsident Trump. Was ist diesmal anders? Reuters hebt einen Posten hervor, der in früheren Wahlen kaum zählte, nämlich den Strompreis.
Laut der Energiebehörde EIA liegen die Strompreise für Haushalte mehr als 10 Prozent über dem Stand von 2024. In Ohio, Michigan und Pennsylvania, wo viele Rechenzentren entstehen, stiegen sie mancherorts dreimal so schnell wie die Inflation.
Kandidaten für Spitzenämter in den Bundesstaaten wollen Tarife einfrieren und die garantierten Renditen der Versorger kürzen. Für Versorgeraktien wäre das ein Eingriff ins Geschäftsmodell, für die KI-Branche ein weiteres Kostenrisiko.
Für Meta wird es noch konkreter. Kalifornien stimmt am 3. November über eine Steuer ab, die Gründer Mark Zuckerberg Milliarden kosten könnte. Meta will deshalb eine neue Aktienklasse schaffen, damit Zuckerberg verkaufen kann, ohne die Kontrolle zu verlieren. Im Gegenzug verpflichtet sich Zuckerberg, acht weitere Jahre am Unternehmensstandort zu wohnen.
Wo Rechenzentren Strom fressen und die Kosten steigen, verdienen oft Firmen mit, die kaum ein Anleger auf dem Zettel hat. Der kostenlose Spezialreport stellt vier KI-Aktien vor, darunter einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Vier unbekannte KI-Werte kennenlernen
US-Arbeitsmarktbericht am Freitag: Wenn gute Zahlen Tech-Aktien wehtun
Am Freitag um 14:30 Uhr kommt der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober. Volkswirte erwarten im Schnitt 65.000 neue Stellen nach 29.000 im Vormonat. Eine erste Vorlage liefert am Mittwoch um 14:15 Uhr der ADP-Arbeitsmarktbericht.
Warum sollten Tech-Anleger auf Stellenzahlen achten? Der Freitagsbericht gilt als Wegweiser dafür, ob die US-Notenbank Fed im Dezember die Zinsen anhebt. Fällt der Arbeitsmarkt robuster aus als gedacht, steigen die Zinserwartungen. Dann geraten hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck, weil künftige Gewinne stärker abgezinst werden und heute weniger wert sind.
Wie verwundbar Tech gerade ist, zeigt der Nasdaq Composite. Er hat den Oktober mit dem schwächsten Monat seit März 2025 beendet. Laut Wall Street Journal sichern sich Investoren und Tech-Manager zunehmend mit Verkaufsoptionen und Kreditausfallversicherungen gegen einen Abschwung der KI-Werte ab. Verkaufsoptionen gewinnen an Wert, wenn Kurse fallen. In diese Stimmung hinein berichten laut Reuters in der kommenden Woche Apple, AMD und Palantir.
China-Einkaufsmanager am Montag: Ein Dämpfer mit Widerspruch
Aus China kam gestern ein Dämpfer. Der amtliche Einkaufsmanagerindex ist eine Umfrage unter Einkaufsleitern der Unternehmen. Er fiel im Oktober auf 49,3 Punkte nach 50,1 im September. Das war schwächer als erwartet, und auch Dienstleistungen und Bau rutschten unter die Wachstumsschwelle. Am Montag um 3:45 Uhr folgt der private Index von RatingDog und S&P Global für die Industrie.
Schrumpft Chinas Industrie, sinkt die Nachfrage nach Industriemetallen, und deren Preise geraten unter Druck. Sind Metalle damit abgeschrieben? Analysten halten zumindest beim Aluminium dagegen. Sie halten die Stimmung dort für übertrieben pessimistisch, verweisen auf historisch niedrige Lagerbestände und erwarten 3.625 Dollar je Tonne im Jahr 2027. Norsk Hydro ist dafür der handelbare Hebel.
BMW legt am Mittwoch um 7:30 Uhr Quartalszahlen vor. Am Mittwoch um 11:00 Uhr folgen die Verbraucherpreise der Eurozone, am Donnerstag spricht EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
OPEC+ und Hormus: Der Ölmarkt am Wochenende
Wie belastbar ist Irans Angebot? Am Freitagabend wurde der katarische Flüssiggastanker Al Mayeda nahe Hormus getroffen, laut Bloomberg trotz iranischer Freigabe. Die Ölsorte Brent schloss am Freitag über 110 Dollar. Irans Unterhändler saßen heute den dritten Tag in Doha.
Die sieben Kernländer von OPEC+ haben sich laut Reuters-Quellen grundsätzlich geeinigt, die Förderziele für Dezember unverändert zu lassen. Viele von ihnen fördern wegen der Kriegsfolgen ohnehin deutlich unter Plan. Für diese Länder sind die Ziele derzeit also eher Papier.
Abseits des Öls räumt STRATEC auf. STRATEC verkauft die Verlusttochter Diatron MI zu einem festen Preis und nimmt eine kräftige Abschreibung vor. Zugleich hebt das Unternehmen die Margenprognose auf vergleichbarer Basis auf 13 bis 15 Prozent an. Die Mittelfristziele entfallen allerdings, Anleger bekommen also eine bessere Prognose fürs Jetzt und keine Ziele mehr für später.
Wer nur auf die Kurse schaut, übersieht in Südkorea etwas. Die Exporte stiegen im Oktober um 93,7 Prozent, bei Halbleitern sogar um 259,4 Prozent. Das ist ein Gegenargument zur Oktober-Schwäche von Samsung und SK hynix.
Während Chipexporte boomen und die Kurse schwanken, stellt sich für Anleger die Frage, welche Big-Data-Unternehmen den KI-Trend langfristig tragen. Der Report „Megatrend KI“ ordnet die Top 10 der Big-Data-Aktien ein und zeigt, wie sich gezielt in Künstliche Intelligenz investieren lässt. Top-10-Report jetzt herunterladen
Der globale Kompass
Für mich ist Doha diese Woche wichtiger als Washington. Die Wahl am Dienstag verschiebt Stellschrauben bei Versorgern und KI-Regulierung. Das Öl aber hängt an den zwei Tagen, die der Iran in Aussicht stellt.
Den ersten Test liefert der Montagmorgen in Asien. Am Freitag entscheidet sich dann, ob der Dezember für die Fed ein Zinsschritt nach oben wird. Zwischen diesen Polen bleibt der Nasdaq der verwundbarste Index. Wer Tech-Aktien hält, hat mit dem Freitag den Termin, auf den es ankommt.
Einen klaren Kopf für den Wochenstart wünscht Ihnen
Stand heute, 1. November: Meta – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Meta investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 1. November gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.




