Warum Rekordzahlen bei Telekom und Hochtief die Kurse nicht retten

Trotz operativer Fortschritte belasten Ölpreis, US-Regulierungsängste und Umbaukosten die Aktien der drei Unternehmen.

Die Kernpunkte:
  • Bank of England erhöht Leitzins auf 4,0 Prozent
  • Hochtiefs Auftragsbestand erreicht knapp 90 Milliarden Euro
  • Telekom hebt Jahresprognose erneut an
  • Healthineers zahlt 300 Millionen Euro Markengebühr

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

an der Börse zählen derzeit die Sorgen mehr als die Bilanzen. Siemens Healthineers, die Deutsche Telekom und Hochtief melden Wachstum, Rekordaufträge oder höhere Ausschüttungen. Trotzdem geben alle drei Aktien nach. Der DAX stieg zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch und drehte am Nachmittag ins Minus, weil an der Wall Street die KI-Werte abverkauft wurden.

Hinter dem Tag stehen zwei Kräfte: ein Ölpreis, der die Zinsen treibt, und die Angst vor Regulierung in den USA. Wer heute die Zahlen liest statt die Kurse, findet Werte, bei denen die Substanz besser ist als die Stimmung.

London erhöht, das Öl entscheidet

Die Bank of England hat heute erstmals seit August 2023 den Leitzins erhöht. Sie hob den Satz um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent an. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt.

Was steckt dahinter? Der Iran-Krieg. Die britische Inflation stieg von 2,6 Prozent im Juni auf 3,5 Prozent im September. Den Höhepunkt der Teuerung erwartet die Notenbank erst im zweiten Quartal 2027, und die Märkte rechnen mit weiteren Erhöhungen bis Ende 2027.

Dabei sah es beim Öl zunächst nach Entspannung aus. Die Ölsorte Brent verlor am Mittwoch fast 9 Prozent, weil Anleger nach den US-Zwischenwahlen auf ein schnelleres Kriegsende hoffen. Heute erholt sich Brent auf rund 97 Dollar, denn Iran meldet erneut Brände auf Tankern in der Straße von Hormus.

Ist die Hoffnung auf Frieden also berechtigt? Die Eurasia Group senkt die Wahrscheinlichkeit eines Deals auf 10 Prozent und hält eine Pattsituation nun für wahrscheinlicher. Für Anleger heißt das: Die Erholung beim Öl steht auf dünnem Eis. London zeigt, dass Energiepreise schneller in die Geldpolitik durchschlagen als jede Entspannungshoffnung in die Realität.

Hochtief: volle Bücher, fallender Kurs

Hochtief liefert das stärkste Quartal seiner Geschichte und verliert trotzdem. Der Auftragsbestand erreicht mit knapp 90 Milliarden Euro einen Rekord, auch der Gewinn ohne Sondereffekte stieg kräftig. Die Hochtief-Aktie notiert dennoch bei knapp 347 Euro, rund 6 Prozent unter Vortag.

Woher kommt die Nervosität? Anleger fürchten, dass der Wahlsieg der US-Demokraten Baustopps für Rechenzentren bringt. In Texas fordert Gina Hinojosa ein Moratorium, also einen vorläufigen Stopp. Derselbe Reflex traf Infineon, Siltronic und Aixtron mit zweistelligen Verlusten.

Bei Hochtief steht dem allerdings ein unterschriebenes Auftragsbuch gegenüber, das die Regulierungsangst erst in Jahren erreichen würde. Einen Haken gibt es: Laut Jefferies impliziert das bestätigte Jahresziel ein schwächeres Schlussquartal.

Telekom: Musk als Schatten

Die Deutsche Telekom hat ihre Jahresprognose zum dritten Mal angehoben und wird dafür nicht belohnt. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 7,5 Prozent. Die Dividende soll auf 1,10 Euro je Aktie steigen, 2027 folgt ein Aktienrückkauf.

Warum fällt die Aktie dann? Der Grund sitzt in den USA. SpaceX hat Mobilfunkfrequenzen erworben, und Konzernchef Tim Höttges rechnet offen mit Elon Musks Unternehmen als viertem US-Netzbetreiber.

Die US-Tochter T-Mobile US hat auf Jahressicht rund 20 Prozent verloren. Die Telekom-Aktie preist die Starlink-Bedrohung damit bereits ein, bevor SpaceX einen einzigen Kunden gewonnen hat. Dafür bietet sie eine Dividendenrendite von rund 4 Prozent auf die geplante Ausschüttung, gemessen am aktuellen Kurs.

Healthineers: Abschied vom Namen

Siemens Healthineers wird eigenständig, und das kostet zunächst Geld. Nach einer Übergangsfrist fällt der Namensteil „Siemens“, dafür zahlt der Medizintechnikkonzern eine Markengebühr von insgesamt 300 Millionen Euro an den Mutterkonzern. Siemens reduziert seinen Anteil 2027 auf eine Minderheitsbeteiligung, rund 30 Prozent sollen an die Siemens-Aktionäre durchgereicht werden.

Zugleich trennt sich Healthineers von der Labordiagnostik, die künftig als Olyrian Diagnostics firmiert. Die Sparte steht für ein Sechstel des Umsatzes. Ihr Geschäft schrumpfte zuletzt, das Ergebnis brach ein.

Das Kerngeschäft aus Bildgebung und Präzisionstherapie wuchs im vierten Quartal aus eigener Kraft um 8,1 Prozent. Der Ausblick enttäuscht dennoch. Berenberg stuft die Aktie auf „Hold“, also Halten, mit Kursziel 40 Euro, weil die Mitte der Ergebnisspanne unter den Erwartungen der Analysten liegt.

Die Healthineers-Aktie hat binnen 30 Tagen rund 18 Prozent zugelegt. Für Anleger entsteht ein Fokuskonzern mit Jahren des Umbaus und vorerst stagnierendem Ergebnis. Wer jetzt einsteigt, kauft die Restrukturierung, nicht das Ergebnis.

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Wie Aktien auf Quartalszahlen reagieren und ob sich daraus wiederkehrende Muster ableiten lassen, zeigt das Live-Webinar „Quartals-Rally-Trading“. Der heutige Tag liefert dafür reichlich Anschauungsmaterial: Hochtief, Telekom und Healthineers legen starke Zahlen vor und werden trotzdem abverkauft – ein Beleg dafür, dass die Kursreaktion nach Berichten oft eigenen Gesetzen folgt. Bernd Wünsche hat über 500 Unternehmen aus S&P 500 und Nasdaq 100 über acht Quartale hinweg ausgewertet und dabei 16 Datenpunkte pro Unternehmen erfasst. Übrig blieben elf Aktien, die nicht nur regelmäßig Umsatz und Gewinn übertrafen, sondern danach auch in mindestens sechs von acht Quartalen im Kurs nach oben sprangen. Am Beispiel Seagate zeigt er, wie sich solche Muster über mehrere Quartale wiederholten. Am Sonntag, den 08.11.2026, um 18:00 Uhr stellt Bernd Wünsche diese elf Dauer-Rally-Aktien im Webinar „Quartals-Rally-Trading“ vor. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Der globale Kompass

Die Zinserhöhung in London ist die wichtigste Botschaft des Tages. Solange Tanker in Hormus brennen, entscheidet der Ölpreis über die Notenbanken, nicht die Wahlergebnisse. Den nächsten Prüfstein liefert der 17. Dezember: Für diesen Termin sehen die Märkte eine 50-Prozent-Chance auf einen weiteren Zinsschritt der Bank of England.

Zugleich zeigt die Berichtssaison, dass Healthineers, Telekom und Hochtief operativ liefern, während die Kurse an Sorgen aus den USA hängen. Wer die Ausschüttungen der Telekom gegen die Umbaujahre bei Healthineers abwägt, hat heute das entscheidende Material auf dem Tisch.

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