Warum Xing derzeit LinkedIn an der Börse abhängt

Es gleicht weiterhin einem Kampf David gegen Goliath. Während es das amerikanische Internetunternehmen LinkedIn auf einen Nutzerstamm von rund 380 Mio. Kunden bringt, kann die deutsche Xing über alle hauseigenen Plattformen hinweg gerade einmal 9,2 Mio. Nutzer aufbieten. Und doch: Aktuell hat Xing an der Börse eindeutig die Nase vorn. Wie geht das?

 

© Pixabay
© Pixabay

Sowohl LinkedIn als auch Xing haben sich als soziale Netzwerke für überwiegend berufliche Kontakte etabliert. Die Mitglieder profitieren von engeren Kontakten zu Geschäftspartnern, potenziellen Arbeitgebern und Kollegen, gleichzeitig haben sich die beiden Plattformen durch verschiedene Angebote als große interaktive Recruiting-Anbieter positioniert.

 

Xing und LinkedIn weisen robuste Wachstumszahlen aus

Arbeitgeber können gezielt nach geeigneten Bewerbern suchen, Jobsuchende sich entsprechend mit Lebensläufen etc. darstellen. Drumherum hat sich ein vielfältiges weiterführendes Angebot entwickelt, wie z. B. bei Xing maßgeschneiderte Branchennews. Dennoch: Auch wenn beide Unternehmen letztlich ähnlich aufgestellt sind, sind die Größenunterschiede eklatant.

LinkedIn meldete im zweiten Quartal einen Umsatz von rund 712 Mio. Dollar, Xing lieferte aktuelle Umsatzzahlen in Höhe von 30 Mio. Euro ab. LinkedIn legte im Quartalsumsatz rund ein Drittel zu, Xing 25%. LinkedIn machte einen Gewinn von 71 Mio. Dollar, Xing wies nach Steuern 4,7 Mio. Euro aus. Wer hier also in der Branche den Ton angibt, ist offensichtlich. Und dennoch:

 

Xing hat LinkedIn an der Börse abgehängt

Am Aktienmarkt hat Xing schon seit Monaten LinkedIn abgehängt. Während es die deutsche Plattform aktuell seit Jahresanfang auf einen Kursgewinn von stattlichen 65% bringt, verlor LinkedIn im gleichen Zeitraum rund 15%. Dafür gibt es auch einen Grund.

Xing-06-08-15 LinkedIn-06-08-15

Denn Xing weist eindeutig das klarere organische Wachstum sowohl bei Umsatz als auch Profitabilität aus. So basieren die nun vorgelegten Zahlen zum zweiten Quartal darauf, dass das Unternehmen seine Mitgliederbasis kontinuierlich ausbaut. Auf das gesamte erste Halbjahr bezogen steigerte sich die Zahl der zahlenden Mitglieder um knapp 26.000 auf 861.000. Neben den Mitgliedsbeiträgen macht Xing seinen Umsatz vor allem mit Zusatzdiensten rund um die Jobvermittlung.

 

Bekommt LinkedIn ein Wachtumsproblem?

LinkedIn wartete ebenfalls mit kräftigen Zuwachsraten bei den Mitgliederzahlen auf. Gleichzeitig macht das Unternehmen rund 62% seiner Umsätze mit Erträgen aus Personalvermittlungen. Was die Börsianer aber heftig stört, ist die Kostenstruktur. Denn den 712 Mio. Dollar Umsatz standen satte 792 Mio. Dollar Kosten gegenüber. Dass es am Ende wie genannt einen Gewinn gab, lag nur an den üblichen Herausrechnungen von Sonderfaktoren.

Außerdem werden die zukünftigen Wachstumsperspektiven hinterfragt. So hat LinkedIn zwar seine Umsatzprognose für das Jahr von 2,9 Mrd. Dollar auf 2,94 Mrd. Dollar angehoben. Doch da drin stecken nur Zusatzumsätze, die man aufgrund einer Übernahme mit ins Haus geholt hat.

 

Xing trotz Kursrallye immer noch günstiger bewertet

Letztlich ist der Vergleich sehr einfach: LinkedIn macht netto Verluste, Xing ist profitabel. Gleichzeitig liegt LinkedIn trotz der vorangegangenen Kursverluste mit einer Ratio von Börsenwert zu Umsatz mit dem 8,5-fachen weiterhin deutlich über den Xing-Zahlen (7,3). Ganz zu schweigen von den KGVs. So soll LinkedIn erst 2017 netto Gewinne abwerfen, was das derzeit geschätzte KGV auf rund 164 hochschnellen ließe.

Xing würde im Direktvergleich nur ein KGV von 26 ausweisen. Das ist zwar immer noch hoch, doch der Markt honoriert die nachhaltige Verbesserung der Geschäftszahlen. Ganz abgesehen davon, dass eine Übernahmespekulation immer noch nicht gänzlich vom Tisch ist.

Unser Fazit: Small is beautiful. LinkedIn als Branchenführer ist kein Startup mehr. Da hätte man sicher noch das Missverhältnis von Umsatz und Ertrag toleriert. Doch dieses Bonus hat LinkedIn längst aufgebracht. Xing ist zwar auch kein Youngster mehr, liefert dafür aber nachvollziehbare Profitabilität. Und das wird honoriert. Wer also in die Branche der beruflichen Netzwerke einsteigen will, ist bei Xing vorerst wohl deutlich besser bedient.

%d Bloggern gefällt das: