Weidmann öffnet die Tür für UniCredit, POET Technologies stürzt weiter ab

Weidmann lenkt bei UniCredit ein, POET Technologies leidet unter Klagewelle. Swiss Re profitiert von Rekord bei Katastrophenanleihen.

Die Kernpunkte:
  • Weidmann lädt UniCredit zu Gesprächen
  • POET Technologies stürzt weiter ab
  • SoftBank treibt Robotik-Strategie voran
  • Swiss Re mit Rekord bei Cat Bonds

Monatelang stemmte sich Commerzbank gegen eine Annäherung an UniCredit. Diese Woche vollzog Aufsichtsratschef Jens Weidmann die Wende und lud die Italiener zu formellen Gesprächen ein. Während sich damit die europäische Bankenlandschaft neu sortiert, kämpft die Deutsche Pfandbriefbank gegen hartnäckige Leerverkäufer, Swiss Re profitiert von einem Rekordjahr am Katastrophenanleihen-Markt, SoftBank taumelt trotz milliardenschwerer Robotik-Wetten, und POET Technologies versinkt in einer eskalierenden Klagewelle.

Commerzbank: Weidmann öffnet die Tür

Jens Weidmann forderte UniCredit öffentlich auf, Gespräche mit dem Commerzbank-Management aufzunehmen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten wiederholt betont, dazu bereit zu sein, sagte er gegenüber dem Handelsblatt.

UniCredit steuert durch sein Übernahmeangebot samt zusätzlicher Kaufoptionen auf rund die Hälfte der Commerzbank-Anteile zu. Weidmann räumte ein, die Mehrheitsverhältnisse für die nächste Hauptversammlung seien klar. Zugleich zog er eine rote Linie: Einen „Shortcut über Berlin“ bei der verbleibenden Bundesbeteiligung werde es nicht geben.

Das Bundesfinanzministerium hält sich bislang zurück. Es sei nun an den beiden Banken, miteinander zu sprechen, hieß es aus dem Ministerium. Die Zahlen zur Annahmefrist sprechen für sich: Bis zum Ende der zusätzlichen Annahmefrist am 3. Juli wurden 17,6 Prozent der Aktien angedient, wobei institutionelle und private Investoren zusammen weniger als 2 Prozent beisteuerten. Commerzbank wertet die schwache Beteiligung als Beleg für die mangelnde Attraktivität des Angebots bei unabhängigen Aktionären. LBBW-Analyst Werner Schirmer sieht ohnehin einen langen Weg vor sich: Eine Fusion mit der HypoVereinsbank sei „offenbar für die kommenden drei Jahre nicht geplant“.

Am Freitag schloss die Aktie bei 36,60 Euro, ein Plus von 0,83 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein leichtes Minus von 0,41 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es sogar 2,27 Prozent Rückstand. Das nächste charttechnische Ziel liegt am Zehn-Jahres-Hoch von 38,77 Euro vom 14. Juli — theoretisch also noch gut 7 Prozent Luft nach oben. Der Analystenkonsens aus 60 Häusern zeigt mit einem Kursziel von 35,53 Euro allerdings eine leichte Überbewertung an, während eine kleinere Umfrage unter sieben Analysten mit 39,63 Euro deutlich optimistischer ausfällt. Die Zahlen zum zweiten Quartal folgen am 6. August, samt Bestätigung der Jahresprognose und der Ziele bis 2030.

POET Technologies: Klagewelle drückt die Aktie tiefer

Bei POET Technologies bleibt die Stimmung angespannt. Eine Sammelklage wirft dem Photonik-Unternehmen fehlerhafte Angaben zur steuerlichen PFIC-Einstufung sowie einen Vertraulichkeitsbruch vor, der Marvells Celestial-AI-Einheit angeblich dazu bewegte, sämtliche Bestellungen zu stornieren. Die Folge war ein Kurseinbruch von über 45 Prozent an einem einzigen Tag im April. Zusätzlich wird einem leitenden Manager, darunter dem Finanzchef, vorgeworfen, in einem öffentlichen Interview gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung verstoßen zu haben.

Die operativen Zahlen liefern derzeit wenig Gegengewicht. Im Quartal bis Ende März stand einem Umsatz von rund 0,5 Millionen US-Dollar ein Nettoverlust von etwa 12,3 Millionen US-Dollar gegenüber. Immerhin verfügt das Unternehmen noch über liquide Mittel von rund 429 Millionen US-Dollar bei niedriger Verschuldung — ein finanzielles Polster, das den juristischen Druck aber nicht auffängt.

Am Freitag brach die Aktie erneut ein, mit einem Tagesverlust von 8,83 Prozent. Über sieben Tage summiert sich das Minus auf 5,58 Prozent, über 30 Tage sogar auf knapp 35 Prozent. Vom Jahreshoch bei 18,84 Euro trennen das Papier inzwischen mehr als zwei Drittel. Kanzleien werben weiterhin um Musterkläger, nachdem eine erste Anmeldefrist Ende Juni verstrichen ist. Der RSI von gut 36 signalisiert eine überverkaufte Aktie — ändert aber nichts am fragilen Newsflow.

SoftBank: Robotik-Ambitionen gegen Kursschwäche

SoftBank treibt seine „Physical AI“-Strategie unbeirrt voran. Im Herbst vergangenen Jahres vereinbarte der Konzern die Übernahme der ABB-Robotiksparte für eine Unternehmensbewertung von 5,375 Milliarden US-Dollar, der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte erwartet. ABB selbst rechnet mit einem Buchgewinn von rund 2,4 Milliarden US-Dollar aus dem Deal. Konzernchef Masayoshi Son bezeichnet die Übernahme als Baustein einer Strategie, die Robotik mit SoftBanks KI-Kompetenz verschmilzt.

Parallel bereitet SoftBank offenbar ein neues Börsenvehikel namens Roze vor, das in den USA zu einer Bewertung von rund 100 Milliarden US-Dollar an die Börse gehen könnte. Sorgen bereitet Investoren die Finanzierungslast: Allein in OpenAI hat SoftBank bereits mehr als 30 Milliarden US-Dollar investiert und hält einen Anteil von 11 Prozent. Gespräche über eine weitere Beteiligung von bis zu 30 Milliarden US-Dollar sollen laufen, bei einer Bewertung des Start-ups zwischen 750 und 830 Milliarden US-Dollar.

Die Aktie geriet zuletzt zusammen mit Advantest und Tokyo Electron in einen breiteren Ausverkauf japanischer Technologiewerte. Am Freitag verlor das Papier 5,65 Prozent, über 30 Tage steht ein Rückgang von 17,46 Prozent zu Buche. Trotz der Talfahrt bleiben Analysten mehrheitlich optimistisch: 14 von 16 Häusern raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel impliziert ein Aufwärtspotenzial von über 40 Prozent. Die nächsten Geschäftszahlen stehen am 6. August an — am selben Tag wie bei Commerzbank.

Deutsche Pfandbriefbank: Leerverkäufer kreisen weiter

Kaum ein deutscher Bankwert wird so intensiv geshortet wie die Deutsche Pfandbriefbank. Fonds wie Caius Capital, SIH Partners, Wellington Management und mehrere weitere Adressen zählen zu den größten Short-Positionen im Markt.

Operativ zeigt sich das Institut derweil aktiv im Neugeschäft. Zuletzt vergab pbb einen Kredit über 45 Millionen Euro für ein Rechenzentrum bei Hamburg, finanzierte gemeinsam mit Helaba ein Bürokomplex in Prag mit 185 Millionen Euro und stellte Ares Real Estate Management 86 Millionen Euro für ein Logistikportfolio in Italien bereit. Im April kam eine weitere Finanzierung über 214 Millionen Euro für ein Logistikportfolio von EQT Real Estate hinzu.

Die Aktie bleibt trotz dieser Neugeschäftsdynamik unter Druck. Nach einem Kursrutsch von fast 12 Prozent im Juni fiel das Papier zwischenzeitlich auf rund 3,20 Euro, ehe sich Investoren fragten, ob der Rückgang eine Kaufgelegenheit eröffnet. Am Freitag schloss die Aktie bei 3,44 Euro, ein Plus von 0,41 Prozent, nachdem sie tags zuvor unter ihren gleitenden 50-Tage-Durchschnitt gefallen war. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 36,36 wirkt die Bewertung ambitioniert, die Dividendenrendite von 4,41 Prozent bleibt jedoch ein Argument für Anleger. Zusätzliche Unsicherheit bringt der Führungswechsel im Aufsichtsrat: Louis Hagen scheidet aus, Jan Kupfer soll als Vorsitzender nachfolgen.

Swiss Re: Rekordjahr am Katastrophenanleihen-Markt

Für Swiss Re läuft das Geschäft mit verbrieften Versicherungsrisiken so gut wie nie zuvor. Im ersten Halbjahr wurden Katastrophenanleihen im Volumen von 17,6 Milliarden US-Dollar über 64 Transaktionen platziert — das aktivste erste Halbjahr, das je gemessen wurde. Ein vergleichsweise mildes Schadenjahr lieferte dafür Rückenwind. Der gesamte ausstehende Marktwert kletterte von 59,8 Milliarden US-Dollar zum Jahresende auf mittlerweile 64,8 Milliarden US-Dollar.

Bemerkenswert: Zwölf neue Emittenten kamen hinzu, darunter mit Tadschikistan und Kirgistan erstmals zwei souveräne Staaten, die sich jeweils für 80 Millionen US-Dollar gegen Erdbeben- und Starkregenrisiken absicherten. Die Risikoaufschläge fielen dabei auf das Niveau vor dem Hurrikan Ian zurück, ohne dass die Nachfrage nachließ.

Am Kursverlauf zeigt sich die Stärke des Geschäfts nur bedingt. Der Freitagsschluss lag bei 144,25 Euro, ein Tagesgewinn von 1,76 Prozent, nach einem wechselhaften Wochenverlauf mit einem Minus von 3,54 Prozent auf Sieben-Tage-Sicht. Die Bewertung bleibt für den Sektor moderat: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 10,38, auf Basis der Schätzungen für 2026 sogar bei nur 9,80. Unter den Analysten herrscht Uneinigkeit — von 18 Häusern raten sechs zum Verkauf, acht bleiben neutral, vier empfehlen den Kauf, bei einem Kursziel-Spektrum zwischen 110 und 179 Franken.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich die Treiber im Bank- und Versicherungssektor derzeit ausfallen:

  • Commerzbank: M&A-Poker mit UniCredit erreicht neue Phase, Bewertung nahe Jahreshoch
  • Deutsche Pfandbriefbank: Neugeschäft wächst, Short-Seller-Druck bleibt strukturell hoch
  • SoftBank: KI-Infrastruktur-Wette überlagert klassisches Konglomerat-Profil
  • POET Technologies: Rechtsrisiko dominiert jede operative Nachricht
  • Swiss Re: Rekord-Emissionsvolumen bei Cat Bonds trifft auf günstige Bewertung

Commerzbank und Deutsche Pfandbriefbank stehen beide im Zentrum deutscher Bankenturbulenzen, allerdings aus gegensätzlichen Gründen: Die eine wehrte sich lange gegen eine Übernahme, die andere kämpft gegen strukturelle Leerverkaufspositionen im Gewerbeimmobiliengeschäft. SoftBank agiert längst weniger als klassischer Finanzwert denn als Technologie-Investmentvehikel, dessen Kurs enger mit der Stimmung rund um KI-Infrastruktur korreliert als mit der eigenen Bilanz. POET Technologies bleibt das warnende Beispiel für Governance- und Offenlegungsrisiken, während Swiss Re die traditionelle Versicherungsgeschichte liefert: solides Rückversicherungsgeschäft, boomender Cat-Bond-Markt, konservative Bewertung.

Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten

Bei Commerzbank entscheidet sich vor den Zahlen am 6. August, ob aus Weidmanns Vorstoß ein belastbarer Verhandlungsrahmen mit UniCredit wird — und wie die verbliebene Bundesbeteiligung in eine mögliche Einigung zu Arbeitsplätzen, Standort und Börsennotiz einfließt. Bei der Deutschen Pfandbriefbank dürfte sich zeigen, ob das Neugeschäft in Logistik- und Bürofinanzierungen die Überzeugung der Leerverkäufer noch brechen kann. SoftBanks Roze-Pläne und der Abschluss der ABB-Robotik-Übernahme liefern in der zweiten Jahreshälfte die nächsten Kurstreiber, ergänzt um mögliche Neuigkeiten zur OpenAI-Finanzierung. POET Technologies bleibt so lange unter Druck, bis die Sammelklage einen klareren Verlauf nimmt. Swiss Re schließlich muss zeigen, ob das milde Schadenjahr auch die Hurrikansaison im Atlantik übersteht.

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