Wells Fargo: Trotz Enttäuschung gefragt

Von den drei amerikanischen Großbanken, die heute als Auftakt der Quartalsberichtssaison ihre Zahlen zum vierten Quartal präsentierten, galt Wells Fargo im Vorfeld als größter Wackelkandidat. Obwohl die Börse mit leichten Zugewinnen bei den Nettoergebnissen rechnete, hatten die Analysten auf der Ebene Gewinn je Aktie bereits einen Rückgang auf der Rechnung. Das Kreditinstitut riss allerdings auch diese Marke.

Im Konsens hatten die Analysten bei Wells Fargo mit einem Gewinn je Aktie von einem Dollar gerechnet. Der Umsatz sollte bei rund 22,45 Milliarden Dollar liegen. Tatsächlich lieferte das aus San Francisco stammende Institut nur einen Gewinn je Aktie von 0,96 Dollar bei einem Umsatz von 21,58 Milliarden Dollar ab. Selbst beim Netto-Gewinn gab es einen Rückgang von zuvor 5,6 Milliarden Dollar auf 5,3 Milliarden Dollar.

Schwierigstes Jahr in 165 Jahren

Damit schließt Wells Fargo sein wohl schwierigstes Jahr in der 165-jährigen Firmengeschichte ab. So musste man im vergangenen Jahr erhebliche Strafzahlungen leisten, weil man rund 2 Millionen Fake-Accounts angelegt hatte. Außerdem schaffte man es nicht, das von der US-Notenbank geforderte „Testament“ für eine kontrollierte Abwicklung im Krisenfall vorzulegen.

So äußerte sich Wells-Fargo-Chef Tim Sloan auch entsprechend, dass man im vierten Quartal hauptsächlich daran gearbeitet habe, das Vertrauen der Kunden und Aktionäre wiederzugewinnen. Am Ende gehört natürlich trotzdem dazu, dass auch das operative Geschäft Fortschritte macht. Das gelang immerhin in Detailbereichen. So konnte die Netto-Zinsmarge auf 2,87 % ausgeweitet werden, mehr als erwartet. Unter dem Strich konnten die Netto-Zinseinnahmen um 7 % auf 12,4 Milliarden Dollar ansteigen.

Das waren auch wohl die ausschlaggebenden Gründe dafür, dass der Markt trotz der Enttäuschung auf der Gewinnseite bereit ist, die Aktie nicht nur nicht fallen zu lassen, sondern heute auch im regulären Handel mit einem deutlichen Aufschlag zu belohnen. Damit hat Wells Fargo gute Chancen, die vorangegangene Korrekturphase abzuschließen.

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