Western Digital Aktie: 16,5-Prozent-Crash trotz Gewinnverdopplung
Western Digital übertrifft die Erwartungen, doch die Aktie fällt stark. Analysten streiten über die HAMR-Umstellung und die künftige Bewertung.

- Umsatzplus von 44 Prozent erzielt
- Gewinn je Aktie mehr als verdoppelt
- Aktie fällt trotz guter Zahlen
- Analysten uneins über HAMR-Technologie
Ein Umsatzplus von 44 Prozent, ein mehr als verdoppelter Gewinn pro Aktie – und trotzdem rauschte die Aktie zweistellig ab. Wer die Reaktion auf die Geschäftszahlen von Western Digital vom Mittwoch verfolgt hat, lernt einmal mehr, dass an der Börse selten die Vergangenheit zählt, sondern fast immer die Frage, was als Nächstes kommt. Für mich ist genau das der Schlüssel zum Verständnis dieser Woche.
Explosion der Zahlen
Western Digital hat für das vierte Geschäftsquartal einen Umsatz von 3,75 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die GAAP-Bruttomarge kletterte auf 54,1 Prozent, non-GAAP auf 54,4 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag nach GAAP bei 8,21 US-Dollar, non-GAAP bei 3,56 US-Dollar, der freie Cashflow bei 1,28 Milliarden US-Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 stehen 12,92 Milliarden US-Dollar Umsatz zu Buche, ein Plus von 36 Prozent, während sich der bereinigte Gewinn je Aktie von 5,02 auf 10,22 US-Dollar mehr als verdoppelte. CEO Irving Tan sprach von einem starken Abschluss des Geschäftsjahres, in dem sich Brutto- und Betriebsmargen ausgeweitet und der Gewinn pro Aktie mehr als verdoppelt hätten. Für das laufende erste Quartal des neuen Geschäftsjahres stellt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 42 bis 49 Prozent in Aussicht, ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 3,85 bis 4,15 US-Dollar und einen Umsatz zwischen 4,0 und 4,2 Milliarden US-Dollar – beides oberhalb der Konsensschätzungen von 3,81 US-Dollar beziehungsweise 4,01 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich beschloss der Vorstand eine Quartalsdividende von 0,15 US-Dollar je Aktie, auszahlbar am 17. September an Aktionäre, die am 8. September im Bestand geführt sind.
Der Absturz trotz Übertreffung
Und trotzdem: Die Aktie schloss den regulären Handel am Mittwoch bei 519,17 US-Dollar, ein Minus von 5,36 Prozent, und rutschte im nachbörslichen Handel um weitere 11,12 Prozent auf 461,42 US-Dollar ab. Das ist für mich das eigentlich bemerkenswerte Signal der Woche – nicht die Zahlen selbst, sondern die Wucht der Enttäuschung trotz eines soliden Ausblicks. Bezeichnend ist, dass die Reaktion kein Einzelfall blieb: Auch die von Western Digital abgespaltene SanDisk verlor nach ihren eigenen Zahlen am selben Abend zeitweise mehr als 8 Prozent. Die gesamte Speicherbranche stand offenbar unter Druck, ungeachtet starker operativer Ergebnisse. Im deutschen Handel notiert die Aktie aktuell bei 400,55 Euro und legt heute um 2,09 Prozent zu – bleibt damit aber 42,47 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch entfernt. Diese Erholung wirkt eher wie ein technisches Gegensignal als wie eine Trendwende.
Analysten uneins über die Zukunft
Am Tag nach den Zahlen zeigte sich die Analystenlandschaft gespalten wie selten. Summit Insights stufte die Aktie von Buy auf Hold zurück. Analyst Kinngai Chan begründete das mit Risiken beim Umstieg auf die HAMR-Technologie: Höhere Kosten während der Übergangsphase könnten die Bruttomargen 2027 belasten, wenn die ersten HAMR-Laufwerke ausgeliefert werden und der Preis pro Exabyte sinkt. Citi-Analystin Asiya Merchant hielt dagegen an ihrem Buy-Rating fest und nannte ein Kursziel von 800 US-Dollar. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich der Rest der Wall Street: Die Kursziele reichen aktuell von 525 bis 800 US-Dollar, wobei mehrere Häuser ihre Ziele nach den Zahlen senkten – darunter Bank of America auf 720 von 732 US-Dollar, Mizuho auf 590 von 685 US-Dollar und Rosenblatt auf 800 von 900 US-Dollar –, während TD Cowen und Morgan Stanley ihre Ziele anhoben. Goldman Sachs bekräftigte ein Hold. Zusätzlich weist eine Einschätzung von UBS darauf hin, dass die Auslieferungen im Enterprise-Geschäft langsamer wachsen als beim Konkurrenten Seagate – eine Divergenz, die ich für beobachtenswert halte.
Insider-Verkäufe und Ausblick
Ende Juli verkaufte Direktor Martin I. Cole 3.808 Aktien für 1.708.505 US-Dollar, wie aus einer Pflichtmitteilung hervorgeht. Für sich genommen ist das kein Alarmsignal, passt aber zu Beobachtungen, wonach das Unternehmen stark von wenigen Cloud-Großkunden und externer Finanzierung abhängt. Die nächsten Geschäftszahlen werden für den 29. Oktober erwartet, mit einer Analystenschätzung von 3,63 US-Dollar Gewinn je Aktie.
Unterm Strich sehe ich ein Unternehmen mit operativ beeindruckender Dynamik, das sich gerade in einer heiklen Übergangsphase befindet. Die Wachstumsstory ist intakt, doch die HAMR-Debatte und die Bewertungssorgen nach dem enormen Kursanstieg der vergangenen zwölf Monate zeigen: Die Luft nach oben ist dünner geworden, und die nächsten Quartale müssen die hohen Erwartungen erst noch bestätigen.
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