Western Digital Aktie: 219,12% seit Jahresbeginn

Western Digital profitiert von KI-Boom und Fusionsfantasie mit Kioxia. Analysten heben Kursziele an, während die Aktie nach einem Einbruch wieder zulegt.

Die Kernpunkte:
  • Kurszielanhebungen großer Investmentbanken
  • Wiederaufnahme der Fusionsgespräche mit Kioxia
  • Sektorweite Erholung nach Kursrutsch
  • Quartalszahlen am 5. August im Fokus

Western Digital erlebt eine ungewöhnliche Woche. Die Aktie legt am Donnerstag um 0,69 Prozent auf 491,00 Euro zu und baut damit einen Wochengewinn von 20,40 Prozent aus. Der Auslöser: eine Welle von Kurszielanhebungen großer Investmentbanken – und neue Berichte über wieder aufgenommene Fusionsgespräche mit dem japanischen Speicherchip-Hersteller Kioxia.

Wall Street überbietet sich bei den Kurszielen

Mehrere Banken haben ihre Kursziele innerhalb weniger Tage kräftig angehoben. Citi und Wells Fargo führen das Feld an: Sie sehen die Aktie bei 800 beziehungsweise 730 Dollar und begründen dies mit der starken Nachfrage nach Netzwerk- und Speicherlösungen im Zuge des KI-Booms.

UBS hob ihr Ziel von 375 auf 560 Dollar an, behält aber eine neutrale Einstufung bei. Susquehanna springt von 360 auf 500 Dollar und verweist auf deutlich steigende Verkaufspreise für Festplatten – mit Potenzial für weitere Preiserhöhungen bis Ende 2026.

BNP Paribas erhöhte ihr Kursziel auf 660 Dollar, JPMorgan zog auf 715 Dollar nach. Beide Anhebungen kamen ausgerechnet an Tagen, an denen die Aktie zwischenzeitlich um sechs bis acht Prozent einbrach. Am aggressivsten bleibt Cantor Fitzgerald: Die Bank hält mit 900 Dollar das höchste Kursziel an der gesamten Wall Street.

Kioxia-Gespräche sorgen für gemischte Reaktionen

Parallel zu den Kurszielanhebungen berichten Marktbeobachter, dass Western Digital die Fusionsgespräche mit Kioxia zur Zusammenlegung der NAND-Flash-Geschäfte wieder aufgenommen hat. Ein solcher Zusammenschluss würde die Kapazitätsstruktur der gesamten Flash-Speicher-Branche neu ordnen.

Bemerkenswert: Die Nachricht löste zunächst keine Kaufwelle aus, sondern einen Kurseinbruch von rund neun Prozent. Weder Western Digital noch Kioxia haben bislang Deal-Wert oder Zeitplan bestätigt, beide Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab. Ähnliche Gespräche sind in der Vergangenheit bereits mehrfach an Bewertungsdifferenzen und regulatorischen Hürden gescheitert.

Hinzu kommt ein struktureller Haken: Western Digital hat sein Flash-Geschäft bereits Anfang 2025 abgespalten und firmiert seither als reiner Festplattenhersteller. Eine Fusion mit Kioxia würde das Flash-Geschäft also nicht wieder in den Kern des Unternehmens integrieren, sondern eine komplett neue Konstruktion schaffen.

Sektorweite Erholung nach brutalem Ausverkauf

Die aktuelle Rally folgt auf eine scharfe Korrektur seit dem Verlaufshoch Mitte Juni. Am vergangenen Dienstag sprang die Aktie um über zwölf Prozent – getrieben von den Kioxia-Berichten, anhaltenden US-Restriktionen für chinesische Speicherchips und einer breiten Erholung im gesamten Speicherchip-Sektor. Micron und SanDisk legten am selben Tag ebenfalls zweistellig zu. Der Großteil der Bewegung war damit eine Sektor-Erholung nach dem heftigen Ausverkauf Mitte Juli, kein unternehmensspezifisches Ereignis.

Die Jahresperformance bleibt trotz allem außergewöhnlich: Seit Jahresanfang steht ein Plus von 219,12 Prozent zu Buche. Das zeigt, wie stark die KI-getriebene Nachfrage nach Speicherkapazität die Bewertung binnen weniger Monate verschoben hat.

Insiderverkauf nach Plan

Ergänzend zur Kursbewegung meldete Western Digital einen planmäßigen Aktienverkauf aus der Führungsebene. Chefjuristin Cynthia L. Tregillis veräußerte am 21. Juli 808 Aktien zum Preis von 529,63 Dollar je Stück – ein Gesamtvolumen von 427.941 Dollar. Der Verkauf erfolgte im Rahmen eines im März 2026 aufgesetzten 10b5-1-Handelsplans und gilt als routinemäßig, nicht als Stimmungssignal der Führungsriege.

Ausblick: Zahlen als nächster Prüfstein

Mit einem RSI von 50,6 zeigt die Aktie derzeit neutralen Schwung. Anleger scheinen die jüngsten Gewinne vor dem nächsten großen Termin zu konsolidieren. Im Fokus steht der Quartalsbericht zum vierten Geschäftsquartal am 5. August, für den der Konsens ein Gewinnwachstum von 100 Prozent je Aktie erwartet.

Dieser Bericht dürfte zusammen mit konkreten Fortschritten bei den Kioxia-Gesprächen darüber entscheiden, ob die Erholung Bestand hat. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Handelstage liegt bei 108,85 Prozent – ein Wert, der zeigt, wie nervös der Markt die Aktie derzeit noch handelt.

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