Wienerberger Aktie: EBITDA-Prognose auf 700 Millionen gesenkt
Schwacher Wohnungsbau belastet Wienerberger, drückt die Jahresprognose und setzt die Aktie unter Druck. Zukäufe sollen neue Erlöse ermöglichen.

- Aktie fällt auf 17,46 Euro
- Operatives EBITDA-Ziel auf 700 Millionen gesenkt
- Wohnbau bleibt europäischer Belastungsfaktor
- Italcer und NEWS Group übernommen
Die Papiere von Wienerberger gerieten am gestrigen Freitag erneut unter Druck und gaben um 2,6 Prozent nach. Im Sog einer anhaltenden Schwäche im europäischen Wohnbau schloss der Titel bei 17,46 Euro. Belastet wird das Marktumfeld unter anderem durch einen deutlichen Absatzrückgang bei Hintermauerziegeln im DACH-Raum im Vorjahr von minus 14 Prozent.
Die Zurückhaltung bei Bauherren und gewerblichen Auftraggebern prägt die gesamte Baustoffbranche. Hohe Finanzierungskosten und das gestiegene Kostenniveau bremsen Neubauaktivitäten in ganz Europa seit Monaten spürbar aus. Für die Hersteller verringert diese Flaute den Spielraum bei Preisen und Absatzmengen auf den Kernmärkten erheblich.
Gedämpfte Aussichten im Kerngeschäft
Wie stark der Gegenwind wiegt, zeigte sich vor rund einem Monat bei den Geschäftszahlen. Wienerberger senkte die Prognose für das Gesamtjahr auf 700 Millionen Euro beim operativen EBITDA. Das Unternehmen hatte zuvor noch 810 Millionen Euro angepeilt, korrigierte die Erwartung jedoch wegen des schwachen Wohnungsneubaus in Nordamerika und Großbritannien, der das Jahresergebnis mit rund 100 Millionen Euro belastet.
Der anhaltende Nachfragedämpfer im Wohnbau bremst die Ertragsentwicklung damit spürbar ein. Zwar verzeichnete der Konzern im zweiten Quartal dank jüngster Zukäufe ein deutliches Umsatzplus, das operative Ergebnis blieb jedoch hinter dem Vorjahreswert zurück. Höhere Volumina in einzelnen Sparten reichten nicht aus, um die schwächere Bautätigkeit in den wichtigen Einzelmärkten vollständig auszugleichen.
Zweiteilung am Bau und strategische Zukäufe
Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie bestätigte jüngst eine deutliche Zweiteilung des Marktes. Während der Nichtwohnbau und der Tiefbau weiterhin zulegen, verharrt der Wohnungsbau auf einem niedrigen Niveau. Gestiegene Baukosten von 22 Prozent gegenüber 2021 und veränderte Zinskonditionen lähmen viele Neubauprojekte dauerhaft.
Wienerberger reagiert auf diese strukturellen Verschiebungen mit einer breiteren Aufstellung im Portfolio. Bereits im Frühjahr erwarb der Konzern eine Mehrheitsbeteiligung am italienischen Keramikfliesen-Spezialisten Italcer sowie den nordeuropäischen Abwasserlösungs-Anbieter NEWS Group. Beide Zukäufe sollen zur Stärkung des Produktangebots beitragen und neue Erlösquellen erschließen.
Gleichzeitig schloss die US-Tochter Pipelife Jet Stream einen Vergleich in drei Kartellklagen über 52,4 Millionen US-Dollar ab. Die Zahlung wird für das laufende Jahr erwartet, berührt das operative EBITDA laut Unternehmensangaben jedoch nicht.
Führungsumbau und Druck auf die Aktie
Zu den operativen Belastungen kamen im Spätsommer personelle Weichenstellungen an der Konzernspitze. Vor über einem Monat trat der langjährige Vorstandschef Heimo Scheuch aus persönlichen Gesundheitsgründen zurück. Gerhard Hanke übernahm daraufhin die Führung des Unternehmens als Interim-CEO.
Am Markt spiegelt sich die anhaltende Unsicherheit in einer gedrückten Bewertung wider. Am gestrigen Handelstag markierte die Aktie mit 17,26 Euro zeitweise ein neues 52-Wochen-Tief. Solange eine spürbare Belebung des privaten Wohnungsbaus ausbleibt, steht der Baustoffhersteller vor anspruchsvollen Monaten.
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