Wienerberger Aktie: EBITDA-Ziel von 810 auf 700 Millionen
Wienerberger korrigiert EBITDA-Prognose für 2026 auf 700 Mio. Euro. Analysten reagieren mit Herabstufungen und Kurszielsenkungen.

- EBITDA-Ziel auf 700 Millionen Euro gesenkt
- Schwäche in USA, Kanada und Großbritannien
- Diversifizierung in Infrastruktur und Renovierung
- Analysten senken Kursziele deutlich
Die anhaltende Flaute im Wohnungsneubau in Nordamerika und Großbritannien zwingt den Baustoffkonzern Wienerberger zu einer Korrektur seiner Erwartungen. Wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab, wurde die Prognose für das operative EBITDA im Gesamtjahr 2026 deutlich nach unten korrigiert. Statt der ursprünglich in Aussicht gestellten rund 810 Millionen Euro rechnet der Vorstand nun mit einem operativen Ergebnis von rund 700 Millionen Euro.
Gewinnwarnung belastet das operative Ergebnis
Hintergrund der revidierten Ziele ist die schwierige Marktlage in den USA, Kanada und Großbritannien. Dort hat die Talsohle im Neubausegment nach Einschätzung des Managements noch nicht die erhoffte Stabilität erreicht. Ein Blick auf die am Dienstag ebenfalls veröffentlichten Kennzahlen zum zweiten Quartal verdeutlicht die aktuelle Dynamik: Zwar konnte Wienerberger den Umsatz um 13 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro steigern, was vor allem auf Akquisitionen und ein organisches Wachstum von 7 Prozent zurückzuführen ist. Das operative EBITDA sank jedoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 253 Millionen Euro auf 230 Millionen Euro.
Trotz der Belastungen aus dem Neubaugeschäft verweist das Unternehmen auf die fortschreitende Diversifizierung. Die Bereiche Infrastruktur und Renovierung machen mittlerweile mehr als 60 Prozent des Konzernumsatzes aus. Damit konnte die Abhängigkeit vom zyklischen Wohnungsneubau auf unter 40 Prozent gesenkt werden. Um dieses weniger schwankungsanfällige Segment weiter zu stärken, hatte Wienerberger zuletzt im April eine Mehrheitsbeteiligung am italienischen Spezialisten Italcer erworben. Zudem wurde die Marktposition in Südosteuropa im Mai durch den Kauf der serbischen Univerzum Group ausgebaut.
Analysten reagieren mit Herabstufungen
Die Kapitalmarktexperten reagierten prompt auf die reduzierten Ergebnisziele und die schwierigen Rahmenbedingungen in den angelsächsischen Märkten. Analysten der Erste Group stuften die Aktie am Freitag von „Buy“ auf „Accumulate“ herab. Dabei wurde das Kursziel massiv von zuvor 34,70 Euro auf 24,20 Euro gesenkt. Als Begründung führten sie die angepasste Jahresprognose an, die den Markterwartungen einen Dämpfer versetzte.
Bereits am Mittwoch hatte die Investmentbank Citi ihre Einschätzung für das Papier angepasst. Die Experten stuften Wienerberger von „Buy“ auf „Neutral“ ab und reduzierten ihr Kursziel von 30,00 Euro auf 22,00 Euro. Laut Citi sei die Talsohle in den für Wienerberger wichtigen Märkten in Übersee und Großbritannien noch nicht erreicht, was die kurzfristigen Aussichten trübe. Auch die Privatbank Berenberg strich ihr Kursziel nach der Gewinnwarnung zusammen und sieht den fairen Wert nun bei 25,00 Euro statt zuvor 34,00 Euro.
Marktreaktion und personelle Weichenstellung
Der Aktienkurs spiegelt die Verunsicherung der Anleger deutlich wider. Am Freitag schloss das Papier bei 20,22 Euro. Damit beläuft sich die Kursveränderung der letzten 12 Monate auf ein Minus von 34,14 Prozent. Im Handelsverlauf markierte der Wert am Freitag bei 19,92 Euro ein neues 52-Wochen-Tief, womit die Notierung zum Wochenschluss lediglich 1,51 Prozent über diesem Tiefpunkt liegt.
Inmitten dieser operativen Herausforderungen vollzieht das Unternehmen auch personelle Veränderungen in der Führungsebene. Seit dem 1. Juni ist Gerhard Hanke als stellvertretender Vorstandsvorsitzender im Amt. Er war zuvor als COO für das Geschäft in Zentral- und Osteuropa verantwortlich. Anleger warten nun auf den 12. August, wenn Wienerberger den vollständigen Zwischenbericht zum ersten Halbjahr 2026 vorlegen wird. Von diesem Termin erhofft sich der Markt detailliertere Einblicke in die Kostenstruktur und weitere Hinweise darauf, wie schnell die Stabilisierung in den Kernmärkten voranschreiten kann.
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