Wienerberger Aktie: Nettogewinn fällt 70% auf 31 Millionen
Wienerberger senkt nach schwachem Quartal die Jahresprognose. Der operative Gewinn fiel deutlich, während der neue Interims-CEO die Geschäfte übernimmt.

- CEO-Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen
- Operatives EBITDA sinkt deutlich
- Jahresprognose auf 700 Millionen Euro reduziert
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief
Wienerberger durchlebt eine schwierige Phase. Vor rund zwei Wochen trat Heimo Scheuch nach mehr als 17 Jahren an der Konzernspitze aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung zurück. Interimistisch übernimmt Gerhard Hanke, der seit mehr als 25 Jahren im Unternehmen ist und zuletzt als stellvertretender CEO fungierte. Eine strukturierte Suche nach einem permanenten Nachfolger läuft bereits.
Der Führungswechsel fällt in eine Zeit, in der auch die operativen Zahlen unter Druck stehen. Am 12. August legte Wienerberger seine Quartalszahlen vor: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, doch das operative EBITDA sank von 253 auf 230 Millionen Euro.
Die operative EBITDA-Marge brach von 20,3 auf 16,3 Prozent ein. Als Hauptgründe nannte das Unternehmen die schwache Wohnungsneubautätigkeit in Nordamerika und Großbritannien sowie eine erhöhte Kosteninflation infolge geopolitischer Konflikte.
Gewinn bricht deutlich ein
Noch drastischer fiel der Rückgang beim Ergebnis nach Steuern aus: Es sank von 103 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf nur noch 31 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie fiel von 0,93 auf 0,28 Euro.
Auch der freie Cashflow schrumpfte auf 83 Millionen Euro nach 124 Millionen Euro im Vorjahr – belastet durch einen höheren Working-Capital-Bedarf infolge der Italcer-Übernahme. Die Nettoverschuldung kletterte zum 30. Juni auf 2,4 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor lag sie noch bei 2,0 Milliarden Euro.
Als Reaktion auf die schwächere Geschäftsentwicklung senkte das Management seine Jahresprognose: Statt der ursprünglich anvisierten mehr als 800 Millionen Euro erwartet Wienerberger für das Gesamtjahr 2026 nun ein operatives EBITDA von rund 700 Millionen Euro. Zugleich zeigte sich das Management zuversichtlich für die zweite Jahreshälfte, da Preismaßnahmen ihre volle Wirkung entfalten und die Kosteninflation nachlassen soll.
Zukäufe trotz Belastung
Parallel zu den schwächeren Zahlen trieb Wienerberger seine Expansionsstrategie voran. Die Mehrheitsübernahme von Italcer, einem Anbieter von Keramiklösungen, sowie die Akquisition der NEWS Group im Bereich Wassermanagement wurden im zweiten Quartal abgeschlossen. Beide Transaktionen sollen das Renovierungs- und Infrastrukturgeschäft des Konzerns stärken, belasten aber kurzfristig Cashflow und Verschuldung.
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Führungswechsel, Gewinneinbruch und gesenkter Prognose deutlich wider. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 19,65 Euro und bewegt sich damit nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 36 Prozent an Wert verloren.
Bereits im Juli, noch vor dem CEO-Wechsel und den enttäuschenden Quartalszahlen, hatte Citigroup ihre Einstufung von „Buy“ auf „Neutral“ gesenkt und das Kursziel von 30 auf 22 Euro reduziert. Angesichts der seither eingetroffenen Nachrichten dürfte sich das Interesse der Analysten nun neu auf die Frage richten, wie schnell Wienerberger unter neuer Führung die angepeilte Erholung im zweiten Halbjahr tatsächlich liefern kann.
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