Wienerberger Aktie: NEWS Group übernommen

Wienerberger senkt das EBITDA-Ziel auf rund 700 Millionen Euro. Übernahmen, ein Vergleich und neue Führungskräfte prägen den Konzern.

Die Kernpunkte:
  • Aktie seit Jahresbeginn 43 Prozent schwächer
  • Jahresziel beim operativen EBITDA reduziert
  • NEWS Group und Italcer übernommen
  • Pipelife Jet Stream zahlt 52,4 Millionen USD

Der Baustoffhersteller Wienerberger steht vor einer Phase tiefgreifender Herausforderungen. Eine spürbare Marktschwäche im europäischen Bausektor bremst das operative Geschäft. Gleichzeitig muss das Unternehmen personelle Wechsel im Management bewältigen. An der Börse spiegelt sich dieser Gegenwind deutlich wider: Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Minus von 43 Prozent.

Die operative Eintrübung veranlasste den Konzern vor rund einem Monat zu einer deutlichen Korrektur der Jahresziele. Das Management senkte die Prognose für das operative EBITDA auf rund 700 Millionen Euro, nachdem ursprünglich etwa 810 Millionen Euro avisiert worden waren. Die schwache Marktentwicklung belastet das operative Ergebnis mit rund 100 Millionen Euro.

Die Korrektur verdeutlicht den Druck, unter dem die gesamte europäische Bauindustrie leidet. Neubauprojekte werden vielerorts verschoben, während gestiegene Finanzierungskosten die Nachfrage nach Ziegeln und Rohrsystemen dämpfen. Für Wienerberger bedeutet dies, dass Kostendisziplin und die operative Umsetzung geplanter Maßnahmen in den Mittelpunkt rücken.

Zukäufe und finanzielle Einmaleffekte

Trotz des schwierigen Marktumfelds setzte der Konzern seine strategische Erweiterung fort. So schloss Wienerberger die Übernahme des schwedischen Abwasserlösungsanbieters NEWS Group ab. Das Unternehmen steuert einen Jahresumsatz von mehr als 20 Millionen Euro bei. Zudem sicherte sich der Konzern die Mehrheit am italienischen Keramikfliesenspezialisten Italcer.

Parallel dazu verständigte sich die Konzerntochter Pipelife Jet Stream am 31. Juli auf eine Beilegung juristischer Auseinandersetzungen. Zur Beendigung von Kartellklagen zahlt das Unternehmen 52,4 Millionen USD, wobei der Betrag im laufenden Jahr fällig wird. Ein Schuldeingeständnis ist mit dem Vergleich nicht verbunden.

Führungsumbau und Marktreaktion

Neben den operativen und bilanziellen Themen erlebte der Konzern personelle Umbrüche an entscheidenden Positionen. Vor über einem Monat trat Vorstandschef Heimo Scheuch aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung zurück.

Gerhard Hanke übernahm daraufhin die Aufgabe als Interim-CEO. Am Dienstag folgte eine weitere Neubesetzung: Claus Ehrenbeck übernahm die Leitung des Bereichs Investor Relations von Therese Jandér und berichtet an Finanzvorständin Dagmar Steinert.

Am Freitag schloss das Papier bei 17,46 Euro. Zeitweise markierte der Titel am selben Handelstag mit 17,26 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Die kommenden Monate werden zeigen, wie rasch das Unternehmen unter der Übergangsführung operative Stabilität demonstrieren kann.

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