Wirecard vor Hammer-Übernahme?

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg erfahren haben will, könnte der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard eine Übernahme des britischen Wettbewerbers Worldpay anstreben. Dieser soll derzeit von den Mehrheitsaktionären zum Verkauf angeboten werden. Wirecard könnte mit einer Übernahme die erst kürzlich avisierte „globale Expansion“ deutlich vorantreiben.

 

© Wirecard
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Dass Online-Payment, kontaktloses Bezahlen und andere innovative Zahlungslösungen im Handel auf dem Vormarsch sind, ist längst kein Geheimnis mehr. Wirecard als Zahlungsdienstleister insbesondere für Online- und mobile Anwendungen hat sich hier längst nicht mehr nur regional, sondern international positioniert. Dabei setzte man bisher vor allem auf organisches Wachstum, belgeitet von kleineren Zukäufen.

 

Schnappt sich Wirecard einen richtig großen Fisch?

Doch nun könnte man versuchen, einen richtig großen Fisch an Land zu ziehen. Denn die britische Worldpay soll in neue Hände gegeben werden. Die US-Beteiligungsgesellschaften Advent International und Bain Capital hatten 2010 die Mehrheit an Worldpay für rund 2 Mrd. Pfund übernommen. Nun sucht man den Exit, nachdem Worldpay deutlich an Wert zugelegt hat.

So gibt es bereits Kauf-Angebote von den Finanzinvestoren Blackstone und Hellman & Friedman. Nimmt man deren Offerte als Basis, würde Worldpay mit rund 6 Mrd. Pfund, umgerechnet rund 8,2 Mrd. Euro bewertet. Das ist fast doppelt so viel wie Wirecard, die es aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 4,4 Mrd. Euro bringen.

 

Könnte sich Wirecard die Übernahme leisten?

Was natürlich die Frage aufwirft, ob Wirecard überhaupt solch eine Offerte stemmen könnte. Tatsache ist, dass Wirecard mit sehr guten Geschäftszahlen aufwarten kann. So konnte das Unternehmen zuletzt melden, dass der Umsatz im zweiten Quartal um 27% auf knapp 181 Mio. Euro gestiegen ist, während sich das EBITDA um 31% auf gut 52 Mio. Euro verbesserte. Im ersten Halbjahr wies Wirecard so einen Gesamtumsatz von 340 Mio. Euro und ein EBITDA von rund 98 Mio. Euro aus.

Worldpay spielt im direkten Vergleich aber in gänzlich anderen Dimensionen. So setzte das Unternehmen im ersten Halbjahr rund 1,7 Mrd. Pfund um, während das EBITDA bei rund 161 Mio. Pfund lag, also mehr als das Doppelte von Wirecard. Dennoch:

 

Anstoß für neue Spekulationen

So ganz abwegig wäre ein Übernahmeversuch durch Wirecard nicht. Denn angesichts der eigenen fundamentalen Daten könnte man durchaus ein interessantes Angebotsmodell entwerfen inklusive fremdfinanzierter Barkomponente. Gelänge hier eine Lösung, wäre das natürlich so etwas wie ein Katapultstart in neue Sphären. Doch sehen wir die Wahrscheinlichkeit, dass Wirecard hier zum einen tatsächlich mitbietet und zum anderen womöglich den Zuschlag erhält, derzeit eher im Bereich von 20 bis 30%.

Dennoch könnte dieses Thema eine Initialzündung für den zuletzt eher schwächelnden Kurs haben. Denn zum einen rückt das Thema Mobile Payment wieder sehr prominent ins Bewusstsein der Anleger, zum anderen dürfte es auch Spekulationen geben, welche Alternativen Wirecard denn noch haben könnte oder ob Wirecard selbst zum Ziel der scheinbar anlaufenden Branchenkonsolidierung werden könnte.

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Fazit: Wirecard bleibt für uns auch weiterhin ein langfristig attraktives Investment.

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