WisdomTree Silver 3x: 10,29% Sprung nach Nahost-Eskalation

Gehebelter Silber-ETF springt um zehn Prozent, bleibt aber im Monatsverlust. Geopolitische Krisen und Zinsängste treiben die extreme Volatilität.

Die Kernpunkte:
  • Tagesplus von über zehn Prozent
  • Monatsverlust von mehr als 31 Prozent
  • Nahost-Konflikt und Fed-Protokoll als Treiber
  • ETF nahe der überverkauften Zone

Zehn Prozent Kurssprung an einem einzigen Tag — und trotzdem steht der WisdomTree Silver 3x Daily Leveraged ETF nach einem Monat mit über 31 Prozent im Minus. Zwischen Nahost-Eskalation und Zinsfantasie zeigt sich, wie widersprüchlich sich Silber gerade verhält.

Der gehebelte Silber-ETF (ISIN: IE00B7XD2195) kletterte am Donnerstag auf 7,24 US-Dollar. Das entspricht einem Tagesplus von 10,29 Prozent gegenüber dem Mittwochsschluss von 6,56 US-Dollar. Auf Wochensicht bleibt dennoch ein Minus von 11,11 Prozent, über 30 Tage türmt sich der Verlust auf 31,75 Prozent.

Hormuz-Konflikt bringt Öl und Silber in Bewegung

Der Auslöser der jüngsten Turbulenzen liegt im Nahen Osten. Am 8. und 9. Juli 2026 flogen die USA an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Luftangriffe auf iranische Ziele. Zuvor hatten Vertreter erklärt, ein bestehender Waffenstillstand sei „vorbei“. Berichte über getroffene Tanker in der Straße von Hormuz ließen die Ölpreise daraufhin deutlich steigen.

Silber profitierte zunächst von seiner Rolle als Krisenwährung. Die Ölrally kippte die Stimmung jedoch schnell: WTI-Rohöl legte am 8. Juli um rund 5 Prozent zu und schürte damit neue Inflationssorgen. Diese Sorgen stärkten den US-Dollar und erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung — beides bremst Silber als zinslosen Vermögenswert. Spot-Silber (XAG/USD) stabilisierte sich am Donnerstag im europäischen Handel bei rund 58,30 US-Dollar und erholte sich damit leicht von drei Verlusttagen in Folge.

Fed-Protokoll verstärkt den Gegenwind

Die Sitzungsprotokolle der Fed vom Juni belasten die Stimmung zusätzlich. Ein spürbarer Teil der Notenbanker äußerte darin Sorge über anhaltende Inflationsrisiken und plädierte für weitere Straffung. Die CME FedWatch-Daten zeigen: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung beim nächsten Fed-Meeting stieg bis zum 9. Juli auf über 30 Prozent — vor einer Woche lag sie noch unter 20 Prozent.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen notierte zuletzt bei 4,58 Prozent, der Dollar-Index bei rund 101,18 Punkten. Diese Gemengelage erklärt die extreme Schwankungsbreite des gehebelten ETFs: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt aktuell bei 151,71 Prozent.

Charttechnik: Nähe zur überverkauften Zone

Der 14-Tage-RSI des ETFs steht bei 34,0 — nahe der Schwelle, die gemeinhin als überverkauft gilt. Diese technische Lage dürfte den heutigen Kurssprung mit begünstigt haben, da Trader nach einem tastischen Einstiegspunkt nach der Verkaufswelle suchten.

Im Spot-Markt hat sich zwischen 57,50 und 58,00 US-Dollar eine erste Unterstützung gebildet. Ein Bruch dieser Marke würde den Blick auf die Juni-Tiefs bei etwa 55,60 US-Dollar lenken. Nach oben liegen Widerstände bei 60,00 und 61,50 US-Dollar. Die industrielle Nachfrage bleibt derweil robust: Allein die Solarbranche dürfte 2024 rund 232 Millionen Unzen Silber benötigen. Kurzfristig dominieren aber spekulative Kapitalflüsse und algorithmische Reaktionen auf geopolitische Nachrichten das Preisgeschehen.

Hebelrisiko: Gewinne verpuffen schnell

Die dreifache Hebelwirkung macht den ETF extrem anfällig für tägliche Kursschwankungen. Während das gehebelte Long-Produkt jetzt zulegt, verzeichnete das inverse Pendant ProShares UltraShort Silver (ZSL) zuletzt ebenfalls reges Handelsinteresse — ein Spiegelbild des vorangegangenen Abwärtstrends bei Silber.

Aufsichtsbehörden mehrerer Märkte warnen zudem vor dem Effekt des „negativen Zinseszinses“ bei 3x-gehebelten ETFs in volatilen, richtungslosen Phasen. Sichtbar wird das an der 7-Tage-Performance von -11,11 Prozent: Gewinne können ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie entstanden sind, wenn der zugrunde liegende Rohstoff keine klare Richtung hält.

Als nächster größerer Auslöser für die Edelmetall-Volatilität gilt der US-Inflationsbericht am 14. Juli. Bis dahin dürfte der Wechsel zwischen Nahost-Nachrichten und Zinsspekulation den Kurs des Hebel-ETFs weiter im Griff behalten.

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