Wo bekommt Griechenland noch Geld her?

Liegen die letzten Hoffnungen Griechenlands in Moskau und Athen? In den vergangenen Tagen wurden von griechischer Regierungsseite her Spekulationen geschürt, dass sowohl Russland als auch China mit Milliardenbeträgen Hellas vor dem bevorstehenden Bankrott retten könnten.

 

euro-griechenland
© pixabay

Bei den Russen geht es um mögliche Vorauszahlungen auf Durchleitungsgebühren für eine Gaspipeline, bei China um die Nutzung des Hafens von Piräus und einen möglichen Einstieg bei der griechischen Eisenbahn. Dass die Zeit drängt, wurde erst in dieser Woche wieder überdeutlich. Denn am Montag wurden Pläne bekannt, wonach staatliche Betriebe und Institutionen und auch Gebietskörperschaften wie Kommunen gesetzlich gezwungen werden sollen, ihre Guthaben an die griechische Notenbank zu überweisen. Damit kämen nach bisherigen Schätzungen rund 2 Mrd. Euro zusammen, genug, um Gehälter und die nächsten fälligen Kreditzahlungen abzudecken.

 

Echte Chance für Griechenland oder nur Wunschdenken?

Es wäre wie ein vorgezogener Offenbarungseid. Denn kaum vorstellbar, dass nach solch einem Schachzug noch irgendwo im Inland Geld aufzutreiben wäre, um weitere Forderungen zu begleichen. So wundert es nicht, dass die griechische Regierung händeringend nach externen Geldgebern sucht. Ob Moskau dazu bereit ist, bleibt zweifelhaft. Jedenfalls sind bisherige Dementis so zu verstehen, dass kein Blankoscheck ausgestellt werden soll. Für wahrscheinlicher könnte man die möglichen Zahlungen durch die Chinesen sehen. Denn die zeigen aktuell auch an anderer Stelle (Stichwort Venezuela), dass man aus strategischen Erwägungen bereit ist, auch mal die eine oder andere Milliarde zu opfern.

 

So lange es solche Strohhalme gibt, wird die griechische Regierung kaum ernsthaft das Nahe liegendste betreiben. Denn noch immer warten die Euro-Gläubiger auf eine belastbare Reformliste. Diese sollte eigentlich in dieser Woche vorgelegt und auf der Finanzminister-Konferenz am Freitag besprochen werden. Doch bislang herrscht beredtes Schweigen. Und die Euro-Gruppe macht es Hellas auch leicht. Denn inzwischen wird offen darüber nachgedacht, wie Griechenland trotz einer Pleite im Euro gehalten werden könnte. Eine Drohkulisse sieht anders aus. Selbst die EZB macht inzwischen mit Überlegungen zu einer Parallel-Währung mit. Fazit: Die Vernunft wird wieder der Politik geopfert.

%d Bloggern gefällt das: