Wochenausblick 49/22 – Öl-Markt in Aufruhr – Mit Zahlen von Aurubis, Carl Zeiss Meditec, GameStop und Broadcom

Für die neue Börsenwoche signalisieren die Index-Futures in Europa eine leicht freundliche Eröffnung, während die US-Futures eher rot gefärbt sind. Damit scheinen die Märkte erst einmal nicht den Schwung aus der letzten Woche mitnehmen zu können.

Zur Wochenmitte letzte Woche hatte ja eine neue Rede des US-Notenbankchefs Jerome Powell für zeitweise Rallye-Ansätze gesorgt, nachdem er relativ deutlich darauf hingewiesen hatte, dass die Fed bei der nächsten Sitzung, die in der nächsten Woche am 14 Dezember stattfinden soll, nur noch einen Zinsschritt um 50 Basispunkte machen wird. Damit scheint vorgezeichnet, dass zumindest die US-Notenbank bei ihrem Zinserhöhungszyklus langsam wieder vom Gaspedal geht, womit die Prognosen im Markt an Wahrscheinlichkeit gewinnen, dass wir im nächsten Frühjahr wohl das Zinshoch gesehen haben.

Öl-Markt in Aufruhr

Aber es bleiben für den Markt natürlich noch viele andere Stolpersteine übrig. Einer davon ist der Ölmarkt. Seit heute gilt ein durch die EU und die G7-Länder vereinbarter Preisdeckel für russisches Öl. Die Preisobergrenze wurde auf 60 Dollar je Barrel festgelegt. Gleichzeitig hat die EU in großen Teilen nun das Einfuhr-Embargo für russisches Öl umgesetzt.

Bei der Preisobergrenze versuchen EU und G-7 auch noch über Bande zu spielen. Denn zur Durchsetzung der Preisobergrenze auch in Nicht-EU-Ländern werden entsprechende Dienstleistungen nur noch erlaubt, wenn auch dabei die Preisobergrenze nicht überschritten wird. Das bedeutet beispielsweise, dass westliche Reedereien russisches Öl zwar auch nach Indien, China oder Ägypten transportieren können, aber eben nur, wenn hier die entsprechende Preisdecke vereinbart wurde.

Ob und wie das am Ende durchgesetzt wird und wie der Ölpreis darauf reagiert, ist alles andere als sicher. Klar ist, dass im globalen Transport viele westliche Firmen marktführend sind. Das gilt beispielsweise für die Reedereien wie Maersk oder MSC. Es könnte allerdings auch gut sein, dass Russland als Strafaktion sein Angebot generell drosselt und damit die Weltmarktpreise nach oben steuert, wobei möglicherweise die Embargo-Teilnehmer dann schlichtweg kein Öl mehr bekommen. Das ist insgesamt für den Markt wieder ein großer Unsicherheitsfaktor, der sich erst in den nächsten Tagen konkretisieren wird.

Stimmungsindikatoren im Fokus

Für die Konjunkturdaten in dieser Woche gilt: Es wird wieder ein recht breiter Strauß an Zahlen angeboten. Ein Fokus sicherlich in der Eurozone auf den Sentix Economic Index, der im Vormonat bei -30,9 Punkten lag. Zum Wochenanfang auch Zahlen aus Amerika, hier insbesondere die endgültigen Zahlen für die Auftragseingänge bei den langlebigen Gütern.

Zur Wochenmitte rückt China wieder etwas in den Vordergrund. Denn dann kommen hier Export- und Import-Zahlen, die darauf hinweisen sollen, wie es um die chinesische Wirtschaft generell bestellt ist. Endgültige BIP-Zahlen für das dritte Quartal kommen außerdem aus der Eurozone und dann zum Wochenschluss hin noch einmal Arbeitsmarktdaten in den USA sowie dortige Erzeugerpreise und ein Einblick in das Konsumentenvertrauen durch die Veröffentlichung des Index der University of Michigan für den Dezember. Dieser Index soll dabei gegenüber dem Vormonat eine leichte Verbesserung sein.

Ausgewählte Schlaglichter

Auf Unternehmensebene gibt es in dieser Woche relativ wenig Interessantes. Für den deutschen Markt sicherlich schlagzeilenträchtig die Zahlen von Aurubis, die am Mittwoch veröffentlicht werden sollen. Hier rechnen die Analysten derzeit bei leicht gestiegenen Umsätzen aufgrund höherer Kosten mit einem Gewinnrückgang. Außerdem am Freitag avisiert noch Zahlen von Carl Zeiss Meditec. Hier gehen die Prognosen im Markt sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn je Aktie von sichtbaren Steigerungen zum Vorjahr aus.

In Amerika könnten noch Quartalszahlen von Zuora, Toll Brothers, GameStop und Broadcom für einiges Aufsehen sorgen. Insbesondere GameStop könnte wieder interessant werden, gehört die Aktie doch zu den sogenannten Meme-Aktien, die besonders intensiv immer wieder in Internetforen besprochen und gepusht werden. Broadcom steht im Mittelpunkt des Interesses, weil der Halbleiterspezialist gerade versucht, eine milliardenschwere Übernahme des Cloud-software-Spezialsiten VMware durch die Wettbewerbsbehörden genehmigt zu bekommen. Wie immer hier eine Auswahl dieser und weiterer Termine.