Wohin das Kapital fließt, wenn es aus den USA abfließt

Investoren richten ihren Fokus auf Nuklearenergie und lateinamerikanische Industrie als Alternativen zu überhitzten US-Märkten.

Die Kernpunkte:
  • Wachstumsmarkt Kernenergie durch KI-Boom
  • Lateinamerika lockt mit neuen Fabriken
  • Geldpolitische Divergenz zwischen EZB und Fed
  • Deutsche Industrie unter Zoll- und Abzugsdruck

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern stellte ich die Frage, in was man in diesem Markt investiert sein sollte — und warum. Die Antwort, die sich an diesem Wochenende herauskristallisiert, führt an zwei Orte, die vor einem Jahr kaum jemand auf dem Radar hatte: in die Kernenergie und nach Lateinamerika. Die US-Börsen markieren zwar nach einer V-förmigen Erholung neue Rekordhochs, getragen von starken Quartalszahlen und KI-Investitionen der Tech-Giganten von fast 725 Milliarden US-Dollar. Doch das kluge Geld sucht längst nach Alternativen — abseits überhitzter Bewertungen und wachsender transatlantischer Risse.

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Kernenergie wird zum Infrastruktur-Investment

Der globale Markt für Nuklearenergie wächst von geschätzten 41,6 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf 52,6 Milliarden bis 2034 — so die Prognose von Fortune Business. Der Treiber ist nicht Klimapolitik, sondern schiere Notwendigkeit: KI-Rechenzentren verschlingen Strom in einem Ausmaß, das Big Tech dazu zwingt, direkt in die nächste Generation von Reaktoren zu investieren.

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Die Gewinner lassen sich bereits an den Bilanzen ablesen. BWX Technologies (BWXT) lieferte im vierten Quartal ein EPS von 1,08 US-Dollar — die Erwartung lag bei 0,89 Dollar. Für 2026 stellt das Management 4,55 bis 4,70 Dollar je Aktie in Aussicht. Am 20. April unterzeichnete BWXT eine verbindliche Übernahme-Vereinbarung für die Precision Components Group; der Abschluss wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Das Forward-KGV von 43 signalisiert: Der Markt preist Wachstum ein, nicht Substanz.

Cameco, der kanadische Uranriese, meldete für 2025 einen Umsatz von 3,4 Milliarden US-Dollar bei einem Bruttogewinn von 970 Millionen. Im Segment der Small Modular Reactors positioniert sich NuScale Power mit einem neuen Operations Center in Houston und profitiert von der Space Nuclear Power Initiative des Weißen Hauses. Dazu kommt regulatorischer Rückenwind: Die US-Aufsicht NRC hat die Prüfung des AP1000-Reaktordesigns von 24 auf vier Monate verkürzt. Vier statt 24 Monate — das ist kein inkrementeller Fortschritt, das ist ein anderes Genehmigungsregime.

Lateinamerika zieht Fabriken an, die anderswo nicht mehr gebaut werden

Während die Straße von Hormus blockiert bleibt und klassische Handelsrouten gestört sind, baut sich südlich des Rio Grande eine industrielle Basis auf, die über Nearshoring-Rhetorik hinausgeht. In Saltillo, im mexikanischen Bundesstaat Coahuila, startete Yokohama Rubber Mitte April den Bau einer 150 Hektar großen Reifenfabrik. Ab Anfang 2027 sollen hier jährlich fünf Millionen Reifen vom Band laufen. Der Bundesstaat Edomex investiert parallel in die Infrastruktur — aktuell wird die 39,7 Kilometer lange Verkehrsachse Ocoyoacac-Tenango del Valle rekonstruiert.

In Brasiliens Nordosten wuchs die Industrie 2024 um 2,5 Prozent, angeführt von Rio Grande do Norte mit 7,4 Prozent und Ceará mit 6,9 Prozent. Über 11,4 Milliarden Reais aus dem Nordost-Entwicklungsfonds FNE lösten private Investitionen von fast 33 Milliarden Reais aus. Ein Bild, das diese Dynamik greifbar macht: Quer durch das Land rollt derzeit ein Konvoi von 114 Metern Länge — beladen mit einem 250 Tonnen schweren, in China produzierten Transformator für den Windpark Nova Palmeira. In Recife investieren Regierung und Förderbank Finep 18,5 Millionen Reais in den Tech-Hub NERD, um das Porto Digital mit seinem Jahresumsatz von 6,2 Milliarden Reais weiter auszubauen.

Frankfurt und Washington driften auseinander

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos nutzte ein am Sonntag veröffentlichtes Interview für eine selbstbewusste Bilanz: Die Inflation sei erfolgreich von 10 auf 2 Prozent gesenkt worden, das Bankensystem hochkapitalisiert. De Guindos befürwortet ausdrücklich grenzüberschreitende Bankenkonsolidierungen in der Eurozone — eine kaum verhüllte Ermutigung für Vorstöße wie den Einstieg von UniCredit bei der Commerzbank im September 2024.

In Washington steht am 15. Mai ein Umbruch bevor: Fed-Chef Jerome Powell geht, als wahrscheinlicher Nachfolger gilt Kevin Warsh — ein erklärter Verfechter restriktiver Geldpolitik, der die Fed-Bilanz von 6,7 Billionen US-Dollar weiter schrumpfen will. Der Leitzins liegt bei 3,5 bis 3,75 Prozent, und das FOMC ist mit vier Gegenstimmen so gespalten wie seit 34 Jahren nicht mehr. Für Anleger bedeutet das: Die geldpolitische Divergenz zwischen Europa und den USA wird sich im zweiten Halbjahr eher vergrößern als verkleinern.

Deutsche Industrie zwischen Zöllen und Truppenabzug

Für die deutsche Wirtschaft verschärft sich die Lage an mehreren Fronten. Am 1. Mai kündigte Trump an, die Zölle auf EU-Fahrzeuge ab der kommenden Woche von 15 auf 25 Prozent zu erhöhen. Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research beziffert die zusätzliche Belastung für die deutsche Autoindustrie auf 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Ifo-Präsident Clemens Fuest warnt vor einer Rezession 2026, sollte die EU mit Gegenmaßnahmen antworten.

Hinzu kommt Washingtons Ankündigung, mehr als 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Die wirtschaftlichen Folgen für die Standortgemeinden sind das eine. Das politische Signal — eine weitere Lockerung der transatlantischen Bindung — wiegt schwerer.

Was diese Woche zählt

Am Freitag kommt der US-Arbeitsmarktbericht für April. Die Erwartungen sind gedämpft: 60.000 neue Stellen nach 178.000 im März, Arbeitslosenquote bei 4,3 Prozent. In der Berichtssaison stehen AMD (Dienstag) und Arm Holdings (Mittwoch) im Fokus der Halbleiter-Investoren. Disney, McDonald’s und Novo Nordisk werden zeigen, wie robust der Konsum und die Pharmabranche durch das zweite Quartal kommen.

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Die Sektorrotation, die ich am Freitag beschrieben habe und die Berkshires Rekordbargeld am Samstag untermauerte, bekommt in dieser Woche ihren nächsten Prüfstein. Wer nach Alternativen zu den üblichen Verdächtigen sucht, findet sie derzeit dort, wo neue Reaktoren genehmigt und neue Fabriken gebaut werden — nicht in den Kurslisten der Magnificent Seven.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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