Wolfram-Boom bei Almonty, Rückschlag für Graphite One
Almonty Industries erweitert Wolfram-Abnahme auf 490 Millionen Dollar, während Graphite One eine einjährige Verzögerung bei der US-Genehmigung hinnehmen muss.

- Almonty-Deal auf 490 Mio. Dollar aufgestockt
- Graphite One erhält Genehmigungs-Dämpfer
- Antimony Resources mit hochgradigen Bohrergebnissen
- Lynas baut Magnetmetall-Strategie in Asien aus
Während Almonty Industries diese Woche einen Milliardendeal mit seinem größten Abnehmer aufwertet, kassiert Graphite One einen handfesten Dämpfer von US-Behörden. Der Sektor kritischer Rohstoffe zeigt gerade exemplarisch, wie weit Produzenten und Entwickler inzwischen auseinanderliegen. Fünf Namen, fünf völlig unterschiedliche Geschichten – von Milliarden-Offtakes bis zu zähen Genehmigungsverfahren.
Sektor im Überblick: Wolfram-Preise explodieren, China hält die Antimon-Zügel fest
Die Entkopplung westlicher Lieferketten von China ist längst keine Ankündigung mehr, sondern messbare Realität. Der Wolframkonzentrat-Preis ist von rund 900 Dollar pro MTU Anfang 2025 auf mittlerweile über 3.100 Dollar geklettert – ein Effekt der zunehmend knappen globalen Verfügbarkeit. Bei Antimon bleibt die Machtverteilung noch eindeutiger: China, Russland und Tadschikistan kontrollieren zusammen rund 90 Prozent des weltweiten Angebots, inklusive Weiterverarbeitung liegt Chinas Anteil bei etwa 80 Prozent.
Auch bei Magnetmetallen für Seltene Erden zeichnet sich ein ähnliches Muster ab. Abnehmer in Südkorea, Japan, Vietnam und den USA sichern sich zunehmend Lieferungen abseits chinesischer Quellen. Der Sektor spaltet sich dabei sichtbar in zwei Lager: Produzenten, die Abnahmeverträge in echte Umsätze verwandeln, und Entwickler, die weiterhin mit Genehmigungsverfahren und Finanzierungsfragen ringen.
Almonty Industries: Sangdong-Deal wächst auf 490 Millionen Dollar
Almonty lieferte die Nachricht der Woche. Am Dienstag verkündete das Unternehmen eine Erweiterung seines langfristigen Abnahmevertrags mit Global Tungsten & Powders, einem Mitglied der österreichischen Plansee Group, für Wolframkonzentrat aus Phase I der Sangdong-Mine in Südkorea.
Die Vertragslaufzeit wächst auf 21 Jahre, das kontrahierte Volumen steigt um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU. Verbesserte Preiskonditionen erhöhen den erwarteten Erlös je MTU um 6,3 Prozent – das treibt die jährliche Vertragssumme um mindestens 30 Millionen Dollar nach oben, sodass Almonty über die gesamte Laufzeit nun mit 490 Millionen Dollar Jahresumsatz zu aktuellen Preisen rechnet. Der Deal deckt damit rund 90 Prozent der Phase-I-Produktion aus Sangdong ab.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Erst am 1. Juli hatte Almonty den Beginn des Durchsatzbetriebs in der Aufbereitungsanlage vermeldet, während die Mine auf volle Phase-I-Kapazität hochfährt. Die Aktie reagierte positiv, aber verhalten – ein Plus von 5,04 Prozent auf C$22,31 nach dem Vortagesschluss von C$21,24. Vom 52-Wochen-Hoch bei C$33,35, erreicht Mitte April, bleibt der Titel damit noch rund ein Drittel entfernt, und auch die 50-Tage-Linie bei C$25,12 liegt spürbar höher.
Fundamental steht Almonty solide da: Bei einem Umsatz von 295,53 Millionen Dollar in den vergangenen zwölf Monaten wuchsen die Erlöse um 27 Prozent, das Unternehmen arbeitet profitabel. Zusätzliche Feuerkraft brachte ein Wandelanleihen-Programm über 700 Millionen Dollar mit Aufstockungsoption. Die jüngste Analystenstimme bleibt konstruktiv mit einem Kursziel von C$33,00 – auch wenn Bewertungsmodelle die Aktie derzeit als eher teuer einstufen.
Antimony Resources: Bald Hill liefert weiter Hochgrad-Erze
Antimony Resources baut seine Position an der Bald-Hill-Lagerstätte in New Brunswick systematisch aus. Vier neue Bohrlöcher in der Hauptzone brachten Werte von bis zu 33,40 Prozent Antimon, ein weiteres Loch lieferte 16,65 Prozent – Zahlen, die selbst für ein ohnehin hochgradiges Projekt beeindrucken. Die mineralisierten Zonen sind im Schnitt rund 4,5 Meter mächtig, in einem Fall wurden sogar 15,9 Meter durchteuft.
Frühere Bohrungen hatten bereits Spitzenwerte von 36,0 Prozent Antimon gezeigt, mit Mineralisierungen bis in rund 240 Meter Tiefe. Als Nebenprodukt fanden sich zudem Goldgehalte: Proben aus mehr als 45 Bohrlöchern ergaben im Schnitt 1,14 Gramm Gold pro Tonne, das eröffnet dem Projekt eine zusätzliche wirtschaftliche Dimension. Das laufende Bohrprogramm über insgesamt rund 18.000 Meter soll sowohl die Hauptzone erweitern als auch neue Zonen auf dem Grundstück erkunden. Management positioniert Bald Hill weiterhin als höchstgradige Antimon-Lagerstätte Nordamerikas.
Die Aktie zeigt sich entsprechend nervös: Nach einem kräftigen Rücksetzer über 30 Tage von mehr als 33 Prozent steht der Kurs aktuell bei 0,32 Euro, nach einem Tagesplus von 2,57 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 1,05 Euro aus dem März liegt damit weit entfernt, der RSI von 35,5 signalisiert eine eher überverkaufte Marktphase.
Graphite One: Genehmigungsprozess verzögert sich um ein Jahr
Für Graphite One kam diesmal ein handfester Rückschlag. Das US Army Corps of Engineers hatte dem Unternehmen mitgeteilt, dass für das Grafitprojekt auf der Seward-Halbinsel in Alaska statt einer einfachen Umweltprüfung eine vollständige Umweltverträglichkeitsstudie nötig wird – ein Verfahrensschritt, der die Genehmigung um etwa ein Jahr verzögert. Zusätzlich benötigt die Behörde mehr Zeit für eine Prüfung nach dem National Historic Preservation Act, nachdem Konsultationen mit indigenen Gemeinschaften in der Nähe des Projekts liefen.
Das Unternehmen wehrt sich öffentlich gegen die Interpretation eines gravierenden Rückschlags. CEO Anthony Huston erklärte, das Team habe sich auf ein Prüfverfahren dieser Tiefe vorbereitet und halte am Produktionsziel für 2029 fest – schließlich sei es dem Programm FAST 41 gemeinsam mit der Behörde gelungen, den Abschlusstermin nur zwei Jahre nach dem ursprünglichen Antragsdatum zu halten.
Der Markt bewertet die Lage skeptischer. Die Aktie notiert aktuell bei 0,56 Euro, nach einem Minus von 1,23 Prozent am Tag und einem Rückgang von gut 9 Prozent binnen einer Woche. Seit Jahresbeginn steht damit ein Verlust von über 52 Prozent zu Buche, das 52-Wochen-Hoch bei 1,59 Euro aus dem Januar wirkt inzwischen weit entfernt. Analysten bleiben dennoch bullish: Das durchschnittliche Zwölfmonats-Kursziel liegt bei 2,50 kanadischen Dollar, keiner der Beobachter empfiehlt einen Verkauf.
Rock Tech Lithium: Ontario-Zeitplan steht, neue Fördermittel fließen
Rock Tech Lithium schärfte diese Woche seine Doppelstrategie zwischen Kanada und Deutschland. Der Vorstandsvorsitzende bestätigte in Thunder Bay, dass die Georgia-Lake-Mine im Beardmore-Gebiet Mitte 2028 in Produktion gehen soll, die Red-Rock-Raffinerie ein Jahr später folgt. Der Baubeginn für die Raffinerie ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen, sofern die Machbarkeitsstudie rechtzeitig abgeschlossen wird.
Zusätzlich sicherte sich das Unternehmen eine nicht-verwässernde Förderung der Provinzregierung in Höhe von 262.500 Dollar für ein Forschungsprojekt mit Thunder Bay Pulp and Paper. Untersucht wird, ob rohes Tallöl – ein Nebenprodukt der Papierindustrie – als Flotationsreagenz zur Abtrennung lithiumhaltiger Minerale dienen kann. Bewährt sich das Verfahren, soll das gewonnene Wissen auch am deutschen Standort zum Einsatz kommen.
Kommerziell steht vor allem das europäische Flaggschiff im Fokus: Der 24.000-Tonnen-Konverter in Guben verfügt über einen bindenden Abnahmevertrag mit Mercedes-Benz über 10.000 Tonnen jährlich – rund 40 Prozent der Nennkapazität. Bei der Finanzierung geht Rock Tech einen ungewöhnlichen Weg: Die kanadische Infrastrukturfirma BMI Group hat sich mit 200 Millionen kanadischen Dollar als Ankerinvestor für den Red-Rock-Konverter verpflichtet.
Die Aktie steht unter Druck. Nach einem Tagesminus von 8,32 Prozent notiert der Titel bei 0,43 Euro, binnen 30 Tagen büßte er fast ein Viertel seines Werts ein. Der RSI von 26,7 deutet auf eine überverkaufte Situation hin, das Analystenkonsens-Kursziel von 2,95 kanadischen Dollar liegt weit über dem aktuellen Niveau.
Lynas Rare Earths: Magnetmetall-Strategie wächst in Asien
Lynas trieb seine Downstream-Ambitionen zuletzt konsequent voran. Der bedeutendste Schritt ist die Partnerschaft mit dem südkoreanischen Magnethersteller JS Link in Malaysia, die bis Januar 2038 laufen soll und Material zu kommerziellen Preisen liefert. Interim-CEO Pol Le Roux betonte, die Kombination aus Lynas‘ Verarbeitungs-Know-how und JS Links Magnetfertigung schaffe eine neue Industrie in Malaysia. Die geplante Anlage in Kuantan soll bis zu 3.000 Tonnen Permanentmagnete jährlich für Elektrofahrzeuge, Windturbinen und Elektronik produzieren und bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen.
Parallel dazu baut Lynas eine Metallisierungs-Allianz mit LS Eco Energy in Vietnam auf, die zunächst auf Samarium-Produktion setzt, bevor Neodym-Praseodym und schwerere Elemente wie Dysprosium und Terbium folgen sollen. Beide Seiten bringen dabei über Wandelinstrumente jeweils rund 30 Millionen australische Dollar ein.
Auf der Abnehmerseite hat Lynas zudem staatliche und industrielle Käufer an sich gebunden: Im März unterzeichnete das Unternehmen eine bindende Absichtserklärung mit dem US-Verteidigungsministerium über ein Lieferpaket von 96 Millionen Dollar für leichte und schwere Seltenerdoxide, mit einem Preisboden von 110 Dollar je Kilogramm NdPr. Ein erweiterter Vertrag mit Japan Australia Rare Earths sieht zusätzlich mindestens 5.000 Tonnen NdPr-Oxid jährlich zum gleichen Preisboden sowie 50 Prozent der schweren Seltenerd-Produktion bis 2038 vor.
Die Aktie profitiert von diesem Nachrichtenfluss: Nach einem Tagesplus von 1,57 Prozent steht der Kurs bei 10,02 Euro, seit Jahresbeginn ein Zuwachs von 39,65 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,35 Euro aus dem April fehlen aber noch rund 25 Prozent.
Sektordynamik: Produzenten und Entwickler laufen auseinander
Die fünf Unternehmen stehen inzwischen an klar unterschiedenen Punkten der Entwicklungskurve:
- Almonty und Lynas wandeln physische Produktion in langfristige, preisgesicherte Verträge um – beide Unternehmen sichern sich über Jahrzehnte laufende Abnahmen mit Preisböden ab.
- Rock Tech bewegt sich in einer Mittelposition: bindende Abnahme mit Mercedes-Benz und Baugenehmigung in Deutschland, aber die nordamerikanische Raffinerie bleibt noch mindestens ein Jahr vom Baubeginn entfernt.
- Graphite One und Antimony Resources stecken weiterhin in der Explorations- und Genehmigungsphase, wo Bohrresultate und behördliche Meilensteine die Nachrichtenlage dominieren, nicht Cashflow.
- Über den gesamten Sektor hinweg ersetzen staatliche Aufträge, Automobilhersteller-Offtakes und Fördermittel zunehmend klassische Projektfinanzierung – besonders bei Unternehmen ohne kurzfristige Produktion.
Graphite Ones Rückschlag bei der Umweltprüfung zeigt exemplarisch, wie selbst beschleunigte US-Genehmigungsprogramme Zeitpläne um ein volles Jahr strecken können. Bei Antimony Resources hält die Kombination aus Hochgrad-Bohrergebnissen und fehlender bestätigter Ressourcenschätzung die Aktie in einer Phase, in der Explorationsnachrichten stärker wirken als belastbare Wirtschaftlichkeitsdaten.
Ausblick: Wolfram, Grafit und Lithium vor der nächsten Bewährungsprobe
Die kommenden Monate dürften die Trennlinie zwischen Produzenten und Entwicklern weiter schärfen. Bei Almonty entscheidet sich, ob die Durchsatzsteigerung in Sangdong den erweiterten GTP-Vertrag operativ untermauern kann – trotz des jüngsten Kursrückgangs. Lynas‘ Downstream-Partnerschaften in Malaysia und Vietnam stecken noch in frühen Bau- und Genehmigungsphasen; entscheidend wird sein, ob daraus konkrete Kundenabnahmen werden.
Für Graphite One liefert die vollständige Umweltverträglichkeitsstudie einen neuen, konkreten Zeitpunkt zum Beobachten, auch wenn das Management am 2029er-Ziel festhält. Rock Techs Zeitplan für Mine und Raffinerie in Ontario hängt an der endgültigen Projektfinanzierung, während in Guben die Umsetzung weiterläuft. Bei Antimony Resources dürfte der nächste wichtige Schritt eine erste Ressourcenschätzung für Bald Hill sein – der Übergang von reiner Exploration zu belastbaren Projektzahlen.
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