Wolfram plus 600 Prozent: Der Rohstoffmarkt hat einen stillen Schock erlebt
Der Wolframpreis steigt um 600 Prozent, während sich die Kapitalströme von US-Tech-Werten hin zu China, Rohstoffen und Krypto verschieben.

- Wolframpreis steigt um 600 Prozent
- China-Aktien von Citigroup hochgestuft
- Bitcoin nähert sich der 70.000-Dollar-Marke
- DAX überwindet 25.000 Punkte
Wolfram plus 600 Prozent: Der Rohstoffmarkt hat einen stillen Schock erlebt
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
600 Prozent. So stark hat sich der Wolframpreis laut einem aktuellen IEA-Bericht zwischen Januar 2025 und April 2026 verteuert – und kaum jemand außerhalb der Branche hat es bemerkt. Während die Öffentlichkeit über Halbleiter-Lieferketten diskutiert, hat sich bei den kritischen Mineralien längst eine Angebotskrise aufgebaut, die die Schlagzeilen erst noch erreichen wird. Sie ist eine von vier Geschichten, die zeigen, wie breit die Rotation weg von den überlaufenen US-Tech-Wetten inzwischen greift – hin zu China, Rohstoffen und Krypto.
Die Verschiebung weg von den überlaufenen US-Tech-Wetten ist längst mehr als eine Randnotiz – Experten sprechen bereits von einer handfesten Sektor-Rotation am US-Markt. Ein kostenloser Sonderreport von Henrik Voigt nennt drei konkrete US-Aktien abseits der Tech-Giganten, die von dieser „Rolling Recovery“ profitieren könnten – inklusive Namen und WKN. Jetzt kostenlosen Sonderreport sichern
Der Mineralien-Engpass ist keine Randnotiz mehr, sondern eine Preis-Explosion
Die IEA-Zahlen im Detail: Aluminium, Kupfer und Zinn verteuerten sich binnen 15 Monaten um rund 33 Prozent, Lithium hat sich verdoppelt, Kobalt legte 130 Prozent zu. Der Grund liegt nicht auf der Nachfrageseite allein – er liegt im Angebot: Die Investitionen in kritische Mineralien fielen 2025 um 9 Prozent, die Exploration sogar um 10 Prozent. Wer heute weniger sucht und weniger baut, produziert in drei bis fünf Jahren weniger. Das ist eine strukturelle Lücke, die sich nicht mit einer Zinssenkung schließen lässt.
Der Markt hat das teilweise schon erkannt: Almonty Industries gehörte am Dienstag zu den Werten mit den höchsten Handelsvolumina des Tages – ein Indiz, dass Insider die Wolfram-Story bereits handeln, während der Rest noch über Chip-Engpässe spricht. Für Anleger mit Rohstoff- oder Minenwerte-Exposure heißt das: Die Positionierung in Spezialmetallen jetzt prüfen, nicht erst, wenn die Preisdynamik in den Wirtschaftsteilen ankommt.
China wird vom Übergewichts-Ziel wieder zum Kandidaten
Citigroup hat chinesische Aktien in seinem Ausblick für das zweite Halbjahr 2026 auf „Overweight“ hochgestuft – und südkoreanische Werte im Gegenzug abgestuft. Die Begründung ist nüchtern: Investoren suchen günstigere Bewertungen und neue KI-Chancen, während die Tech-Trades in anderen asiatischen Märkten inzwischen als überlaufen gelten. Ergänzt wird das von einem ungewöhnlichen Schritt aus Peking: Am 20. Juli kündigten große chinesische Versicherer – China Life, PICC, China Pacific, Ping An und New China Life – verstärkte langfristige Aktieninvestitionen an, um den heimischen Markt nach den jüngsten Kursverlusten zu stützen.
Für deutsche Anleger, die über China-ETFs oder große Indexprodukte investiert sind, treffen damit zwei Kräfte in dieselbe Richtung: eine Bewertungs-Story von der Wall Street und ein politisch motivierter Kapitalzufluss aus dem Inland. Das deckt sich mit der These großer Vermögensverwalter wie T. Rowe Price, wonach sich die Marktführerschaft 2026 von den Mega-Cap-Tech-Werten weg verschiebt – hin zu Small-Caps, Value-Titeln und eben Nicht-US-Aktien.
Bitcoin hat den Widerstand geknackt und testet die nächste Marke
Auch bei Krypto zeigt sich die Rotation: Bitcoin notiert bei rund 66.664 Dollar, ein Tagesplus von 3,07 Prozent, und nähert sich damit einer viel beachteten Widerstandszone um 66.300 Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch würde laut Markteinschätzungen den Weg zur 70.000-Dollar-Marke öffnen, während 64.000 Dollar als Unterstützung gilt. Zur Einordnung: Erst Anfang Juli hatte Bitcoin bei 57.945 Dollar sein 52-Wochen-Tief markiert – vom Allzeithoch bei 126.080 Dollar aus dem Oktober 2025 ist die Kryptowährung damit weiterhin weit entfernt. Ethereum zog parallel um 3,20 Prozent auf 1.930,64 Dollar an.
Treiber sind vor allem die Zinserwartungen an die US-Notenbank und der Dollarkurs. Wer über den Grayscale Bitcoin Mini Trust ETF (zuletzt 28,80 Dollar, +1,48 Prozent) investiert ist, sollte diese Erholung nicht mit einer Trendwende verwechseln: Die Spanne zwischen Jahrestief und -hoch zeigt, wie schnell sich das Bild wieder dreht.
Während Bitcoin um die 66.000-Dollar-Marke kämpft, richten manche Anleger den Blick bereits auf die nächste Welle im Kryptomarkt. Ein kostenloser Report stellt drei Kryptowährungen vor, deren Wachstumspotenzial laut Anbieter selbst das von Gold übertreffen soll. Kostenlosen Krypto-Report herunterladen
Trumps Zoll-Offensive trifft auf eine erstaunlich gelassene UBS
Der US-Präsident hat unter Section 338 Zölle von 50 Prozent auf kanadische Importe im Volumen von 20 Milliarden Dollar angekündigt. UBS rechnet zusätzlich mit neuen Section-301-Zöllen von 10 bis 12,5 Prozent auf 60 Länder – und trotzdem nur mit einem effektiven US-Zollsatz von 10 bis 15 Prozent für 2026 sowie begrenzten Inflationsauswirkungen. Der Fokus der Anleger sollte laut UBS auf den Unternehmensgewinnen liegen, nicht auf der Zollrhetorik.
Interessanter für Anleger mit US-Dollar-Exposure ist ohnehin, was sich an den Devisenmärkten abspielt: Das Pfund gab gegenüber dem Dollar auf 1,336 nach, ein Minus von 0,51 Prozent, weil die Fed weiter ein „länger hoch“-Zinsszenario signalisiert, während die Bank of England angesichts abkühlender Inflation und Lohnentwicklung ihren Straffungszyklus offenbar ausgereizt hat. Für exportlastige DAX-Positionen ist diese Zinsdivergenz zwischen Fed und BoE relevanter als jede einzelne Zollmeldung.
Was am deutschen Markt zur These passt
Auch in Frankfurt zeigte sich die Rotation: Der DAX kletterte über die Marke von 25.000 Punkten, gestützt von einem kräftigen Sprung der ZEW-Konjunkturerwartungen. ASML legte um 4,12 Prozent zu, TSMC um 4,67 Prozent, nachdem der Konzern eine weitere Investition von 100 Milliarden Dollar in US-Chipwerke ankündigte – die Gesamtsumme liegt damit bei 265 Milliarden Dollar. Rüstungswerte wie Babcock (+3,27 Prozent) profitierten von einer Kabinettsentscheidung in London, während beim Panzerbauer KNDS der geplante Börsengang und der staatliche Einstieg vorerst auf Eis liegen. Verteidigungsminister Pistorius will dennoch Einfluss sichern.
Der globale Kompass
Gestern ging es um die Frage, auf welcher Ebene der Tech-Kette ein Depot dem nächsten Quartalsdruck standhält – Software, Hardware oder Absicherung. Heute zeigt sich: Die Rotation ist längst über die Tech-Kette hinausgewachsen. China, Wolfram und Bitcoin haben eines gemeinsam – sie waren bis vor Kurzem Nebenschauplätze, die jetzt eigenständige Kapitalflüsse anziehen. Ob das trägt, entscheidet sich an einer einfachen Frage: Bestätigen sich China-Rotation und Mineralien-Preisdynamik als eigenständige Trends, oder bleiben sie Zwischenepisoden einer Woche, in der ohnehin viel in Bewegung war? Wer sein Depot bislang stark auf US-Mega-Caps konzentriert hat, findet in China, Rohstoffen und Krypto derzeit die volatileren, aber auch chancenreicheren Bausteine dieser Verschiebung.
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