Wolfram teuer, Gewinne schwach: Wer verdient eigentlich am Boom?
Schwache Herstellerbilanzen und hohe Anthropic-Verpflichtungen zeigen, dass steigende Rohstoffpreise und starkes Wachstum nicht automatisch Gewinne sichern.

- Xiamen Tungsten verbucht hohe Wertminderungen
- Zhangyuan-Gewinn sinkt trotz Umsatzplus
- Anthropic-Verpflichtungen übersteigen liquide Mittel
- Goldnotierungen erholen sich über 4.000 Dollar
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
ein teurer Rohstoff nützt wenig, wenn das Geld unterwegs hängen bleibt. Genau das zeigen heute Chinas Wolfram-Produzenten. Auf ganz andere Weise zeigt es auch der Börsenprospekt von Anthropic.
Beide Geschichten stellen dieselbe unbequeme Frage: Wer in der Kette verdient tatsächlich Geld, und wer trägt nur die Erwartung? Dazu kommen ein billiges, aber ungeliebtes Baidu, ein wackeliger Goldpreis und eine Großbank, die vor der Zinswoche Risiko abbaut.
Wolfram: Hoher Preis, kippende Gewinne
Xiamen Tungsten sieht auf den ersten Blick glänzend aus. In den ersten neun Monaten 2026 stieg der Nettogewinn um knapp 82 Prozent. Im dritten Quartal musste der Konzern jedoch Wertminderungen von 521 Millionen Yuan vornehmen, den Großteil auf Lagerbestände wegen einer Preiskorrektur. Noch unangenehmer ist, dass über die neun Monate mehr Geld aus dem laufenden Geschäft hinausfloss, als hereinkam, während im Vorjahr noch ein deutliches Plus stand.
Ist das ein Einzelfall? Leider nicht. Bei Zhangyuan Tungsten fiel der Nettogewinn im dritten Quartal um 56 Prozent, obwohl der Umsatz um 71 Prozent zulegte. Dabei bleiben die Preise für das Vorprodukt von Hartmetall hoch. Der Rohstoff glänzt also weiter, nur die Bilanzen der Hersteller ziehen nicht mehr mit.
Und die westliche Alternative? Almonty, mit der Sangdong-Mine in Südkorea die wichtigste westliche Wette auf Wolfram außerhalb Chinas, hat ein anderes Problem. Es liegt nicht im Rohstoff, sondern in der Bilanz: Es gibt keine operativen Cashflows, und über Wandelanleihen droht eine Verwässerung.
Solche Anleihen können in neue Aktien getauscht werden, was den Anteil der bisherigen Aktionäre schmälert. Wer auf Wolfram setzt, hat damit zwei sehr verschiedene Papiere vor sich: chinesische Produzenten, die den Preiszyklus schon in der Gewinnrechnung spüren, und westliche Entwickler, deren Kurs von Finanzierungsfragen bestimmt wird.
Anthropic: Wer vor den Zeichnern kassiert
Anthropic hat heute den Börsenprospekt bei der SEC eingereicht und will unter dem Kürzel ANT an die Nasdaq. Das Wachstum ist spektakulär. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 16,3 Milliarden Dollar, nach 1,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der berichtete Verlust weitete sich dennoch kräftig aus, überwiegend durch Bewertungseffekte aus Wandelschuldverschreibungen.
Der Haken steht weiter hinten im Prospekt. Zum 30. Juni hielt Anthropic 112,4 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Dem stehen Verpflichtungen für Rechenleistung und Rechenzentren von 417 Milliarden Dollar gegenüber. Diskutiert wird trotzdem eine Bewertung im Billionen-Dollar-Bereich, deutlich über der Finanzierungsrunde im Mai.
Wer verdient also schon heute? Nicht die künftigen Zeichner. Die Konsortialbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley liegen im Plus, ebenso Chiplieferanten wie Nvidia und Micron. Die handelbare Anthropic-Wette liegt damit bereits in vielen Depots und nicht in einer Zeichnung im November mit Haltefristen von bis zu 180 Tagen.
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Baidu: Billig, aber ungeliebt
Barclays-Analyst Jiong Shao hat das Kursziel für Baidu von 96 auf 80 Dollar gesenkt. Die Einstufung bleibt bei Equal-Weight, also neutral. Baidu notiert nur wenig über seinem 52-Wochen-Tief vom vergangenen Donnerstag.
Ist Baidu damit ein Schnäppchen? Nach den Kennzahlen schon. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt bei 10,9, deutlich unter dem historischen Median von 15,1. Diese Kennzahl zeigt, wie viele Jahresgewinne der Börsenwert kostet. Billig ist Baidu also, nur findet das kaum jemand überzeugend.
Das Umfeld ist rau: Chinas Technologieindex STAR50 hat seit dem Juli-Hoch kräftig verloren. Gleichzeitig kehrt Kapital zurück, aber selektiv. Allianz Global Investors ist bei chinesischen Aktien jetzt übergewichtet, und JPMorgan hat den Roboterhersteller Unitree gleich um zwei Stufen hochgestuft. Für deutsche Anleger bleibt Baidu über das ADR, einen in den USA gehandelten Aktienschein, der direkt handelbare Kandidat.
Gold: Alles hängt an einer Marke
Gold hat sich heute knapp über die Marke von 4.000 Dollar je Unze zurückgekämpft, nach dem tiefsten Stand seit Mitte Juli. Laut TD Securities wetten trendfolgende Fonds durchweg auf fallende Kurse. Erst oberhalb von 4.092 Dollar beginnen sie, diese Wetten durch Käufe aufzulösen.
Wer hält dagegen? Die Notenbanken. Laut Goldman Sachs kauften sie im August netto 79 Tonnen, das Vierfache des Vorkriegsschnitts. HSBC hat Gold dennoch von übergewichtet zurückgestuft.
Bei den Minenaktien ist die Lage bereits ausgewaschen. Rund 92 Prozent der Aktien im Goldminen-ETF GDX notieren unter ihrer 50-Tage-Linie, einem gängigen Maß für den kurzfristigen Trend. Hält die Marke, wäre ein Eindeckungsschub für die Minen der stärkere Hebel als für das Metall selbst. Bricht sie, trifft es die angeschlagenen Minen zuerst.
Vorsicht vor der Zinswoche
HSBC stuft globale Aktien von maximal übergewichtet auf neutral herab und hebt Staatsanleihen der Industrieländer in zwei Stufen auf übergewichtet. Als Begründung nennt die Bank den Nahost-Konflikt und die Sorge vor KI-Regulierung vor den US-Zwischenwahlen am 3. November. Bei US-Zehnjahresrenditen nahe 5 Prozent ist das ein handelbarer Gegenentwurf zum Aktienmarkt.
Morgan Stanley stuft Block auf Equal-Weight herab und senkt das Kursziel. Die Ausfallrate der Konsumentenkredite in der Cash App soll von rund 3,3 Prozent im zweiten Quartal 2026 auf 4,5 Prozent Ende 2027 steigen. Gemeint ist der Anteil der Kredite, die nicht zurückgezahlt werden.
Am Mittwoch dürfte die Fed die Zinsen unverändert lassen, eine Erhöhung im Dezember ist weitgehend eingepreist. Am Donnerstag entscheidet die EZB, ihr Einlagensatz gilt als gesetzt. Die Deutsche Bank legt in dieser Woche Quartalszahlen vor, ihre Aktie liegt im laufenden Handel deutlich im Plus.
Der globale Kompass
Die Lehre des Tages ist unbequem: Ein hoher Preis oder ein großes Versprechen garantiert noch keinen Gewinn für den, der kauft. Bei Wolfram verdient die Frage, ob Xiamen Tungsten im Schlussquartal die nötigen 1,47 Milliarden Yuan für den Jahreskonsens liefert, mehr Aufmerksamkeit als jeder neue Rekordpreis. Bei Anthropic sind die Gewinner bislang Banken und Chiplieferanten, nicht die Zeichner.
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Diese Woche zeigt sich, ob der Chip-Schub die Zinsentscheide von Fed und EZB überdauert. Bei Gold ist die Spanne klar: 4.000 Dollar als Boden, 4.092 Dollar als Auslöser für Eindeckungen.
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