Wolfsburgs Cash-Signal, der Arktis-Handel und die US-Preis-Falle

Volkswagen übertrifft mit starkem Cashflow die Erwartungen, während US-Inflationsdaten und schwache Konsumdaten von P&G die Konjunktursorgen schüren.

Die Kernpunkte:
  • Volkswagen mit über 5 Prozent Kursgewinn
  • Netto-Cashflow von 6 Milliarden Euro übertrifft Prognosen
  • US-Inflation verharrt über Fed-Zielkorridor
  • Procter & Gamble verfehlt Umsatzerwartungen

Wolfsburgs Cash-Signal, der Arktis-Handel und die US-Preis-Falle

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern atmeten die Märkte auf, weil die Kanonen schwiegen. Heute jubelten sie, weil die Kassen klingelten. Während die politische Entspannung rund um Grönland dem DAX die Angst nahm, lieferte ausgerechnet ein oft gescholtenes Schwergewicht den Treibstoff für den Aufstieg.

Der deutsche Leitindex nutzte die Atempause aus Washington für einen Befreiungsschlag und legte um rund 1,5 Prozent zu. Doch wer diesen Anstieg nur als politische Erleichterungsrallye abtut, übersieht die eigentliche Nachricht des Tages. Sie kam nicht vom diplomatischen Parkett, sondern aus den Buchhaltungsabteilungen in Niedersachsen.

Lassen Sie uns die Ereignisse dieses Donnerstags, des 22. Januar 2026, einordnen.

Das 6-Milliarden-Ausrufezeichen

Es ist lange her, dass Volkswagen an der Börse für echte Euphorie sorgen konnte. Heute war dieser Tag. Die Vorzugsaktie kletterte um über 5 Prozent, die Porsche Holding zog im Windschatten mit. Der Auslöser war eine Zahl, die viele Kritiker der deutschen „Old Economy“ Lügen straft: Ein Netto-Cashflow von rund 6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025.

Diese Summe liegt signifikant über den Prognosen. In einer Phase, in der Kapital teuer ist und die Transformation zur E-Mobilität Milliarden verschlingt, sendet Wolfsburg ein vitales Signal der Stärke. Es ist der Beweis, dass in den Bilanzen der etablierten Industrieriesen noch immer gewaltige Reserven schlummern. Während Tech-Visionen oft auf Pump finanziert sind, generiert das Kerngeschäft in Wolfsburg weiterhin massiv liquide Mittel. Für Anleger ist das eine Erinnerung daran, dass der Abgesang auf die deutsche Autoindustrie womöglich verfrüht angestimmt wurde.

Der Arktis-Handel: Zugang statt Zölle

Auf der geopolitischen Bühne erleben wir derweil Donald Trumps Verständnis von Diplomatie in Reinkultur: Alles ist eine Transaktion. Die noch zu Wochenbeginn drohende Zoll-Keule gegen europäische NATO-Partner wurde vorerst zurückgezogen. Der Preis? Ein angeblicher Deal über Grönland, den Trump mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte ausgehandelt haben will.

Trump spricht von „totalem Zugang“ zur Arktis-Insel ohne zeitliche Begrenzung. Zwar betonen Kopenhagen und Nuuk umgehend, dass ihre Souveränität „nicht verhandelbar“ sei, doch für die Börse zählt nur das Ergebnis: Der Handelskrieg ist vertagt. Trump nutzt Zölle primär als Hebel. Sobald er einen politischen Triumph verkünden kann – hier die Sicherung der Arktis gegen russische und chinesische Interessen –, verschwindet das wirtschaftliche Druckmittel. Das schafft kurzfristig Planungssicherheit, offenbart aber auch die Volatilität der transatlantischen Beziehungen: Verträge gelten nur so lange, bis der nächste Deal auf dem Tisch liegt.

Die US-Preis-Falle schnappt zu

Während Europa durchatmet, braut sich in den USA eine toxische Mischung zusammen. Die heute veröffentlichten PCE-Daten für November 2025 zeigen eine Inflation von 2,8 Prozent. Das ist der dritte Monat in Folge über dem Zielkorridor der Fed. Die Hoffnung auf eine Zinswende vor dem Sommer 2026 schwindet damit zusehends.

Noch alarmierender ist jedoch das Signal, das Procter & Gamble sendet. Der Konsumgütergigant verfehlte die Umsatzerwartungen, das Absatzvolumen sank um 1 Prozent. Das ist die klassische Definition von Stagflations-Sorgen: Die Preise steigen („Sticky Inflation“), aber der Verbraucher streikt. Wenn Amerikaner beginnen, bei Alltagsgütern wie Waschmittel zu sparen, ist die Preissetzungsmacht der Konzerne am Ende. Das Szenario einer erodierenden Kaufkraft der US-Mittelschicht bei gleichzeitig hohen Zinsen ist das eigentliche Risiko für die Weltkonjunktur in diesem Jahr.

Rüstung holt Luft, Medizintechnik stürzt ab

Die Entspannung in der Arktis-Frage hatte heute auch Verlierer. Rheinmetall und Hensoldt gerieten unter Abgabedruck. Nachdem Rüstungswerte seit Weihnachten um über 20 Prozent zugelegt hatten, nahmen Anleger die Nachricht über Trumps Gewaltverzicht zum Anlass für Gewinnmitnahmen. Die geopolitische Risikoprämie wurde hier schlicht etwas zu schnell ausgepreist.

Ein wahres Fiasko erlebte hingegen Carl Zeiss Meditec. Die Aktie brach um 16,6 Prozent ein. Der Grund ist fundamentaler Natur: Eine Gewinnwarnung, die das EBITA im ersten Quartal um dramatische 77 Prozent auf nur noch 8 Millionen Euro zusammenschmelzen ließ. Hier flüchteten die Anleger nicht vor der Politik, sondern vor operativer Schwäche.

Was das für morgen bedeutet

Der heutige Tag hat gezeigt, dass politische Börsen zwar kurze Beine haben, fundamentale Überraschungen – ob positiv wie bei VW oder negativ wie bei P&G – aber den Takt vorgeben.

Morgen richten sich alle Blicke auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort sollen am Freitag Vertreter der USA, der Ukraine und Russlands zu Gesprächen zusammenkommen. Sollte es hier Signale für eine Annäherung geben, dürfte die Risikobereitschaft der Märkte weiter steigen. Doch die US-Inflationsdaten mahnen zur Vorsicht: Die Party an den Börsen läuft auf pumpfinanzierter Zeit.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Abend und eine glückliche Hand für den morgigen Handelstag.

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