Workday im freien Fall nach oben, SK Hynix baut für 2029 – und Burry wettet gegen beide

Workday verzeichnet Kurssprung nach Übernahmegerüchten, SK Hynix investiert Milliarden in Speicherkapazitäten, während Michael Burry gegen den Sektor wettet.

Die Kernpunkte:
  • Workday-Aktie springt nach Übernahmegerücht
  • SK Hynix investiert Milliarden in neue Fabriken
  • Michael Burry erhöht Short-Wetten gegen Speicher
  • Nvidia plant handelbare KI-Kredite mit Goldman

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

26 Prozent Kursplus an einem Tag, dann 4 Prozent Rückgabe am nächsten – Workday liefert diese Woche ein Lehrstück darüber, wie flüchtig Übernahmefantasie sein kann. Parallel dazu wettet SK Hynix umgerechnet 33 Milliarden Euro auf eine Speicherknappheit, die erst 2028 behoben wird, und der bekannteste Short-Seller der Wall Street stemmt sich weiter gegen den Speicher-Boom. Drei Geschichten, ein gemeinsamer Nenner: Wer heute investiert, kauft nicht die Schlagzeile von gestern, sondern eine Wette auf das, was noch nicht bestätigt ist.

Workday: Vom Übernahmegerücht zum 51-Milliarden-Wert – und der Rückschlag folgt sofort

Berichte über Übernahmegespräche zwischen Workday und dem Finanzinvestor Silver Lake katapultierten die Aktie am Donnerstag um rund 26 Prozent nach oben, zeitweise auf über 206 US-Dollar. Die Marktkapitalisierung sprang von zuvor kolportierten 43 Milliarden auf über 50 Milliarden Dollar. Jefferies-Analysten begründen das Kaufinteresse mit dem KI-Datenmoat des ERP-Anbieters und einer für Software robusten operativen Marge von prognostizierten 30,5 Prozent im Geschäftsjahr 2027 – bei einer Bewertung von nur rund dem Vierfachen des Umsatzes. Im Freitagshandel zeigte sich dann die Kehrseite: Die Aktie gab einen Teil der Gewinne wieder ab und notierte rund 4 Prozent unter dem Donnerstagsschluss. Typisch für Übernahmespekulationen ohne bestätigten Preis: Der Markt preist eine Prämie ein und korrigiert sie postwendend wieder nach unten, sobald keine neuen Details folgen. Wer jetzt einsteigt, kauft keine Fundamentaldaten, sondern eine Wette auf Bestätigung oder Dementi.

Der Sog reichte trotzdem weit über Workday hinaus: SAP verteuerte sich binnen 30 Handelstagen um rund 32 Prozent, Dassault Systèmes legte am Freitag im laufenden Handel gut 3 Prozent zu, und auch der britische Softwareanbieter Sage profitierte von der Neubewertung der Branche. Citi sieht europäische Softwarewerte trotz dieser Rally weiterhin unter ihrem historischen Bewertungsdurchschnitt – ein Argument, das die Sektor-Fantasie über den einzelnen Deal hinaus am Leben hält.

Speicherchips: SK Hynix baut für 2029, Burry wettet dagegen

Während die Software-Welt um Übernahmen kreist, verschärft sich auf der Hardwareseite ein strukturelles Problem. SK-Hynix-Chef Chey Tae-won warnt vor der schwersten globalen KI-Speicherknappheit seit Jahren und hat deshalb umgerechnet rund 33 Milliarden Euro (54,3 Billionen Won) für neue DRAM- und NAND-Fabriken in Yongin und Cheongju freigegeben – reine Kapazitätsinvestitionen, die erst 2028 und 2029 in Betrieb gehen. Nvidia-Chef Jensen Huang bestätigt das Bild von seiner Seite: Die HBM-Kapazität für 2026 sei bereits komplett verkauft, ein Teil davon reiche bis 2028, und der Engpass sei strukturell, nicht zyklisch – getrieben von einer erwarteten Vervierzigfachung der KI-Token-Nachfrage bis 2030. Samsung reagiert parallel mit einem Strategiewechsel: Eine bestehende Fertigungslinie in Giheung soll auf 2-Nanometer-HBM-Basis-Dies für Nvidia umgerüstet werden. Die Nvidia-Aktie selbst bewegt sich davon nahezu unbeeindruckt seitwärts und notiert weiterhin nahe ihrem 52-Wochenhoch.

Genau hier setzt der bekannteste Contrarian der Wall Street an: Michael Burry hat seine Short-Position gegen Micron und den Nasdaq-100-ETF QQQ ausgebaut – trotz eines Micron-Quartalsumsatzes von 41,5 Milliarden Dollar und einer Prognose von 50 Milliarden Dollar für das laufende Quartal. Burry wettet also nicht gegen die Nachfrage, sondern gegen die Bewertung; seine QQQ-Puts hat er bereits bis Juni 2027 verlängert. Für Anleger in Speicherchip-Werten wie SK Hynix – die Aktie liegt trotz eines Rückgangs von rund 21 Prozent binnen 30 Tagen im laufenden Jahr immer noch gut 150 Prozent im Plus – ist das eine nützliche Erinnerung: Kapazitätswettlauf und Aktienbewertung sind zwei verschiedene Rechnungen.

Nvidia und Goldman Sachs wollen KI-Kredite handelbar machen

Nvidia treibt mit Goldman Sachs, Blackstone, Apollo, BlackRock, Brookfield und KKR ein Finanzierungsprogramm voran, das über 500 Milliarden Dollar an Drittkapital für KI-Infrastruktur mobilisieren und die zugrundeliegenden Kredite handelbar machen soll. Bemerkenswert ist die Nebenabrede: Firmenchef Jensen Huang behält sich vor, bis zu 25 Prozent des Restwerts – umgerechnet 125 Milliarden Dollar – selbst abzusichern. Das zeigt, wie eng Nvidia inzwischen mit der Finanzierung der eigenen Kundenbasis verwoben ist, und erinnert an die Debatte um zirkuläre KI-Finanzierungsstrukturen. Wer Nvidia-Aktien hält, sollte diese Entwicklung im Blick behalten: Sie erweitert die Reichweite des Ökosystems – aber auch dessen Bilanzrisiko im Abschwungfall.

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Bitcoin an der Kipplinie, Miner steigen auf KI-Infrastruktur um

Bitcoin kämpft aktuell um die Marke von 63.220 Dollar als Wochenschlussniveau; darunter drohen laut Chartanalysten weitere Verluste Richtung der Unterstützungszonen bei 61.500 bis 62.000 Dollar und darunter 58.000 bis 60.000 Dollar. Der Kurs bewegt sich derzeit im Bereich 62.500 bis 62.700 Dollar, ein Widerstand liegt bei 66.000 bis 67.000 Dollar. Bezeichnend für die Branchenstimmung: Der Bitcoin-Miner Hyperscale Data hat rund 685 Bitcoin für etwa 43 Millionen Dollar verkauft, um den Ausbau eines Rechenzentrums in Michigan zu finanzieren und Schulden von rund 30 Millionen Dollar abzubauen. Es ist bereits der jüngste Fall eines Miners, der sein Kerngeschäft zugunsten von KI-Rechenkapazität zurückstuft – ein Trend, der die Bitcoin-Mining-Branche strukturell verändert und für Anleger in Miner-Aktien das KI-Geschäft wichtiger macht als den Kryptokurs selbst. Gegenläufig zeigt sich Cardano: Die Kryptowährung legte im vergangenen Monat rund 9 Prozent zu, gestützt von einem Netzwerk-Upgrade und steigender Wal-Aktivität, mit einer Widerstandszone bei 0,18 Dollar.

Paramount-Warner-Bros.-Prozess: Politischer Druck wächst vor dem Kartellverfahren

Der für März 2027 angesetzte Kartellprozess um die 110-Milliarden-Dollar-Fusion von Paramount und Warner Bros. Discovery wirft bereits jetzt seinen Schatten voraus: Der Druck auf Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta, sich außergerichtlich zu einigen, nimmt zu, während eine mögliche Verlagerung von Unternehmensaktivitäten aus Kalifornien heraus die Paramount-Aktie belastet. Für Anleger bleibt der Fall ein Geduldsspiel: Bis zur Verhandlung vergehen noch Monate, und jede Nachricht über eine Einigung oder deren Ausbleiben dürfte die Aktie kurzfristig bewegen, ohne dass sich am fundamentalen Bild des Deals etwas ändert.

Der globale Kompass

Drei Zeithorizonte, ein Freitag: Workday-Aktionäre erlebten binnen 24 Stunden Euphorie und Ernüchterung, SK Hynix denkt in Fabrikbauzeiten bis 2029, und Bitcoin entscheidet sich möglicherweise schon am Wochenende an der 63.220-Dollar-Marke. Was diese drei Geschichten eint, ist die Bewertungsfrage, nicht die Nachfragefrage – bei Workday genauso wie bei Micron, wo Burry nicht gegen die Umsatzzahlen wettet, sondern gegen den Preis, den der Markt dafür zahlt. Wer in der kommenden Woche auf Bestätigungen zum Workday-Deal, neue Preisdaten aus dem Speichermarkt oder eine Entscheidung bei Bitcoin wartet, sollte sich auf Kursausschläge in beide Richtungen einstellen – und daran denken, dass Kapazität und Kurs zwei verschiedene Uhren sind.

Ein ruhiges Wochenende, in dem sich wenigstens die Charts etwas Zeit zum Atmen nehmen dürfen.

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