Xiaomi: 1,8 Millionen Aktien zurückgekauft
Xiaomi kauft eigene Aktien zurück, während ein Großrückruf und Steuerfragen den Kurs belasten. Der Chip-Offensive steht eine unklare Marktlage gegenüber.

- 1,8 Millionen Aktien zurückgekauft
- Rückruf von 390.000 Fahrzeugen
- Steuerliche Fragen um Lei Jun
- Neuer Xring-O3-Chip geplant
Xiaomi hat nach eigenen Angaben in einem Filing an der Hongkonger Börse 1,8 Millionen Class-B-Aktien zurückgekauft. Der Rückkauf fällt in eine Woche, in der das Unternehmen gleich mehrere unterschiedliche Nachrichtenstränge gleichzeitig bewegt – vom neuen Prozessor über einen großen Fahrzeugrückruf bis zu steuerlichen Fragen rund um Gründer Lei Jun.
Rückkauf trifft auf durchwachsenes Chartbild
Der Aktienrückkauf signalisiert, dass das Management den aktuellen Kurs für attraktiv hält. Die Titel schlossen am Dienstag bei 3,08 Euro, nach einem moderaten Tagesplus von 0,3 Prozent.
Auf Wochensicht steht ein Zugewinn von 1,8 Prozent zu Buche, doch der Blick auf die vergangenen zwölf Monate zeigt das andere Bild: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 29 Prozent verloren, gegenüber dem Stand vor einem Jahr steht ein Minus von 48 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,54 Euro, erreicht im September vergangenen Jahres, trennen das Papier aktuell 53 Prozent. Der Rückkauf dürfte auch vor diesem Hintergrund zu lesen sein – als Signal an Investoren, dass Xiaomi den Kursverfall nicht tatenlos hinnimmt.
Rückruf von 390.000 Fahrzeugen in China
Parallel zur Rückkauf-Meldung sorgt ein Rückruf für Gesprächsstoff: Xiaomi ruft in China rund 390.000 Fahrzeuge zurück. Die Maßnahme ist Teil eines branchenweiten Rekord-Rückrufs mehrerer Hersteller von insgesamt etwa 4,3 Millionen Fahrzeugen wegen möglicher Probleme mit Türen im Notfall, wie Reuters berichtet.
Für Xiaomi trifft der Rückruf ein Geschäftsfeld, das das Unternehmen selbst als künftigen Wachstumstreiber positioniert: Im zweiten Quartal 2026 wuchs das Segment Smart EV, AI und neue Initiativen um 17,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Renminbi, während die Auslieferungen der Elektrofahrzeuge laut Quartalsbericht weiter zunahmen.
Ein Rückruf dieser Größenordnung berührt zunächst das Vertrauen der Käufer, weniger unmittelbar die Bilanz. Dennoch wirft er ein Schlaglicht auf die Qualitätskontrolle in einem Geschäftsfeld, das Xiaomi als strategisch zentral einstuft, nachdem das klassische Smartphone-Geschäft zuletzt unter hohen Speicher- und Komponentenpreisen litt.
Steuerliche Fragen um Gründer Lei Jun
Ein dritter Strang betrifft die Person an der Unternehmensspitze selbst: Reuters berichtete, dass die wirtschaftliche Beteiligung von Gründer Lei Jun an Xiaomi über Offshore-Strukturen gehalten wird, die im Zuge einer verschärften chinesischen Steuerdurchsetzung politisch und rechtlich relevanter werden könnten.
Konkrete Konsequenzen sind bislang nicht bestätigt, doch das Thema fügt sich in eine Phase, in der Xiaomi ohnehin unter verstärkter öffentlicher Beobachtung steht – sowohl wegen der Sicherheitsfragen im Fahrzeuggeschäft als auch wegen der wirtschaftlichen Entwicklung im Kerngeschäft.
Chip-Strategie als Gegenpol
Dem gegenüber steht die technologische Offensive: Mit dem neuen Xring-O3-Chip, gefertigt von TSMC im 3-Nanometer-Verfahren, verfolgt Xiaomi laut Reuters ambitionierte Ziele von 200.000 bis 300.000 Auslieferungen.
Die Chip-Strategie soll die Abhängigkeit von externen Zulieferern verringern und ist Teil einer breiteren Neuausrichtung, die das Unternehmen selbst damit begründet, dass die stärkste Phase des Preisdrucks im Smartphone-Geschäft vorüber sei, weil sich der Anstieg der Speicherpreise in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich abschwächt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Ein Rückkauf signalisiert Zuversicht des Managements, während Rückruf und Steuerfragen Unsicherheit schaffen. Die Volatilität von 61 Prozent auf 30-Tage-Basis spiegelt diese Ambivalenz wider.
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