Xiaomi Aktie: 18 Fold startet am 10. September
Xiaomi erweitert sein Smartphone- und Autogeschäft, kündigt den Europa-Start für 2027 an und verzeichnet dennoch 31 Prozent Kursverlust seit Jahresbeginn.

- 18 Fold tritt gegen Huawei an
- SkyNomad meldet 10.000 Bestellungen
- Europa-Vertrieb ab 2027 vorgesehen
- Aktie seit Jahresbeginn 31 Prozent schwächer
Xiaomi hat in dieser Woche mehr Nachrichten produziert als manch anderer Konzern im ganzen Quartal. Ein faltbares Flaggschiff-Smartphone, der Einstieg in eine neue Fahrzeugklasse und der offizielle Startschuss für Europa – und trotzdem gibt die Aktie heute weiter nach, auf 2,98 Euro.
Für mich ist das die eigentliche Geschichte: ein Unternehmen, das operativ auf mehreren Feldern gleichzeitig liefert, während der Markt es weiterhin mit Skepsis straft.
Ein Foldable, das Apple die Show stehlen will
Am Montag stellte Xiaomi das 18 Fold vor, zwei Tage vor Apples erwarteter Foldable-Keynote. Das Timing ist kein Zufall, sondern Kalkül. Das Gerät kommt mit einem eigenen Prozessor namens Xring O3, einer 200-Megapixel-Leica-Kamera und einem 6000-mAh-Akku – technische Eckdaten, die sich mit vielen etablierten Herstellern messen lassen.
Der Einstiegspreis liegt bei umgerechnet rund 1.540 US-Dollar, deutlich unter dem, was Konkurrent Huawei für sein Mate XT2 verlangt, das bis 2.980 Dollar kostet.
Bemerkenswert ist der Wettlauf mit Huawei, der die eigentliche Machtprobe im chinesischen Heimatmarkt offenlegt: Huawei kontrolliert laut aktuellen Marktzahlen 68 Prozent des chinesischen Falt-Handy-Segments, während Xiaomi im Gesamtsmartphonemarkt des zweiten Quartals nur auf 12,4 Prozent kommt, hinter Apple mit 18,1 Prozent. Das 18 Fold ist damit kein Nischenprodukt, sondern ein ernstzunehmender Versuch, verlorenes Terrain zurückzuerobern.
Ob es reicht, um Huaweis Dominanz bei Faltgeräten zu brechen, bleibt aus meiner Sicht die spannendste Frage der kommenden Monate – und sie wird sich nicht am Ankündigungstag entscheiden, sondern an den Verkaufszahlen ab dem 10. September.
Autos: von China nach Europa, und eine neue Sparte obendrauf
Parallel zum Smartphone-Coup expandiert Xiaomi dorthin, wo bislang kaum jemand den Konzern verortet hätte: in den Markt für Fahrzeuge mit verlängerter Reichweite.
Die neue Marke SkyNomad bringt SUVs ab rund 30.960 US-Dollar auf den Markt, und laut chinesischen Berichten verzeichnete allein ein Modell einen Bestellrekord von 10.000 Einheiten in nur vier Minuten. Das ist keine Randnotiz, sondern ein Signal dafür, dass Xiaomi seine Auto-Sparte nicht nur mit reinen Elektrofahrzeugen, sondern jetzt auch mit einem zweiten Antriebskonzept diversifiziert.
Noch wichtiger für europäische Anleger dürfte die Ankündigung sein, dass Xiaomi auf der IFA in Berlin deutsche Händlerpartner präsentiert hat – darunter Emil Frey, Ernst Dello und mehrere weitere etablierte Autohäuser. Der Europa-Start ist für 2027 geplant, über eigene Vertriebsgesellschaften statt über Importeure.
In China selbst hat Xiaomi seit März 2024 bereits über 650.000 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Beleg dafür, dass das Auto-Geschäft längst kein Experiment mehr ist, sondern ein tragfähiges zweites Standbein neben der Unterhaltungselektronik.
Warum der Kurs trotzdem nicht mitzieht
Und hier liegt für mich der Widerspruch, der diesen Artikel trägt: Operativ liefert Xiaomi auf allen Ebenen, aber der Aktienkurs bewegt sich seit Monaten in die andere Richtung.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 31 Prozent, und zum 52-Wochen-Hoch vom 25. September 2025 fehlen der Aktie inzwischen 54 Prozent. Das ist kein kurzfristiges Rauschen, sondern ein struktureller Vertrauensverlust, den auch die jüngsten Produktnachrichten bislang nicht auflösen konnten.
Ein Teil der Erklärung liegt sicher außerhalb des Unternehmens: Steigende Ölpreise nahe 100 Dollar und Zinssorgen drücken derzeit auf asiatische Technologiewerte insgesamt, wie die breiten Verluste an den Börsen in Tokio, Seoul und Hongkong am heutigen Dienstag zeigen. Xiaomi schwimmt also nicht allein gegen den Strom. Doch die Diskrepanz zwischen Produktnews und Kursreaktion bleibt auffällig groß.
Mein Fazit
Xiaomi beweist mit dem 18 Fold, mit SkyNomad und mit dem Europa-Vorstoß, dass der Konzern strategisch breiter und ambitionierter aufgestellt ist als es der Aktienkurs vermuten lässt. Die Substanz stimmt, das Timing gegen Apple und Huawei ist geschickt gewählt.
Ob der Markt diese Fortschritte honoriert, hängt aber weniger von einzelnen Produktankündigungen ab als davon, ob Xiaomi seine operative Dynamik auch in belastbare Zahlen übersetzt – und ob das makroökonomische Umfeld der Story überhaupt eine Chance lässt, gehört zu werden.
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