Xiaomi Aktie: 31.267 Fahrzeuge im Juli, Verdopplung nötig

Xiaomis Quartalszahlen überzeugen dank Smartphone-Geschäft, doch die E-Auto-Sparte muss ihre Auslieferungen mehr als verdoppeln, um das Jahresziel zu erreichen.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus von 8,1 Prozent
  • Smartphone-Umsatz übertrifft Erwartungen
  • E-Auto-Auslieferungen deutlich unter Ziel
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Xiaomi hat mit den jüngsten Quartalszahlen viele überzeugt – der Kurs sprang am Dienstag um 8,1 Prozent nach oben. Seither hat sich das Papier auf hohem Niveau gehalten, wie der Wochenvergleich mit einem Plus von 6,2 Prozent zeigt. Doch unter der Oberfläche der guten Stimmung lauert eine Zahl, die mir Sorgen bereitet: die Auslieferungslücke im Autogeschäft.

Die Auslieferungslücke im Autogeschäft

Im Juli lieferte Xiaomi 31.267 Fahrzeuge der Elektroauto-Sparte aus. Für das Jahresziel von 550.000 Einheiten in 2026 müsste der Konzern die monatliche Rate für den Rest des Jahres auf rund 66.700 Fahrzeuge mehr als verdoppeln. Das ist keine kleine Lücke, das ist eine Verdopplung der Produktions- und Auslieferungsgeschwindigkeit binnen weniger Monate. Wer glaubt, dass so etwas einfach nebenbei gelingt, unterschätzt für meinen Geschmack die operative Realität von Fertigungsketten.

Zugleich muss man Xiaomi zugutehalten: Der operative Verlust der Automobilsparte verbesserte sich im zweiten Quartal 2026 auf 2,6 Milliarden Yuan, nach 3,1 Milliarden Yuan im ersten Quartal. Der Segmentumsatz inklusive KI-Initiativen stieg auf 24,9 Milliarden Yuan. Das ist ein echter Fortschritt, keine Frage. Aber Verlustreduktion und Auslieferungstempo sind zwei verschiedene Baustellen, und nur eine davon hat sich zuletzt sichtbar bewegt.

Der Meilenstein von kumuliert 500.000 ausgelieferten Fahrzeugen der SU7-Serie seit Marktstart vor rund 28,5 Monaten ist beeindruckend als Historie. Als Blick nach vorn taugt er wenig – die Frage ist nicht, was Xiaomi in zweieinhalb Jahren geschafft hat, sondern ob die zweite Jahreshälfte 2026 die Rampe schafft, die das eigene Ziel verlangt.

Smartphones tragen die Zahlen, aber zu welchem Preis

Was die Quartalszahlen wirklich gerettet hat, war das Smartphone-Geschäft. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Gerät kletterte im zweiten Quartal um 26 Prozent auf 188 US-Dollar, der Segmentumsatz von 6,25 Milliarden Dollar übertraf die Erwartung von 6,09 Milliarden Dollar. Für mich ist das der eigentliche Grund für die Kursreaktion – nicht das Auto.

Interessant wird es, wenn man die Preiserhöhungen bei mehreren Modellen der Xiaomi 17-Serie und beim Redmi Turbo 5 um bis zu 13 Prozent Anfang August dazunimmt.

Medienberichten zufolge begründet Xiaomi das mit gestiegenen Kosten für Speicherbauteile, die durch die hohe Nachfrage nach KI-Servern getrieben werden. Das mag stimmen, doch es bedeutet auch: Ein Teil des höheren ASP ist keine Stärke der Marke, sondern eine externe Kostenweitergabe. Ob Kunden das mittelfristig mittragen, ohne zu Konkurrenzprodukten zu wechseln, halte ich für die eigentliche offene Frage im Smartphone-Segment.

Die Nutzerbasis spricht zumindest für anhaltende Bindung: 770 Millionen monatlich aktive Nutzer weltweit im Juni, ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, davon 198 Millionen in Festlandchina. Das ist eine breite Basis, auf der sich Zusatzverkäufe und Ökosystem-Effekte aufbauen lassen – und für mich der stärkste strukturelle Pluspunkt im gesamten Zahlenwerk.

Unterm Strich: Zwei Geschwindigkeiten, eine Aktie

Bernstein SocGen bestätigte Anfang des Monats „Kaufen“ mit Kursziel 38,00 Hongkong-Dollar, während JPMorgan bei „Hold“ mit einem Ziel von 31,00 Hongkong-Dollar blieb. Diese Spanne spiegelt für mich genau das Dilemma wider, das ich in den Zahlen sehe: ein florierendes, margenstarkes Smartphone-Geschäft trifft auf ein Autogeschäft, dessen Verlustreduktion echt, dessen Wachstumsziel aber ambitioniert bis unrealistisch wirkt.

Mit einem Abstand von 54 Prozent zum 52-Wochen-Hoch und einer Volatilität von 61 Prozent bleibt die Aktie ein Nervenspiel. Wer an die Smartphone-Story glaubt, findet Bestätigung in den Zahlen. Wer auf das Auto als zweiten Wachstumsmotor setzt, sollte die Auslieferungsrate der kommenden Monate genau im Blick behalten – die Rechnung von 31.267 auf 66.700 Fahrzeuge pro Monat wird sich nicht von selbst lösen.

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