Xiaomi Aktie: 550.000 Fahrzeuge als neues Ziel

Xiaomi verzeichnet Umsatz- und Gewinnrückgang, doch das E-Auto-Segment wächst stark. Analysten erwarten eine Margenerholung im dritten Quartal.

Die Kernpunkte:
  • Smartphone-Verkäufe sinken, Preise steigen
  • E-Auto-Sparte wächst zweistellig
  • Goldman Sachs bestätigt Kaufempfehlung
  • Speicherkosten sollen in H2 sinken

Die Zahlen vom Dienstag waren auf den ersten Blick ernüchternd, doch für mich zeigt sich in den Details ein Muster, das die Kursreaktion rechtfertigt. Xiaomi meldete einen Umsatzrückgang von 6,1 Prozent auf 108,922 Milliarden Yuan und einen Einbruch beim bereinigten Nettogewinn um 42,6 Prozent. Trotzdem legte die Aktie seither um 8,0 Prozent zu. Wer nur auf die Gewinnzeile schaut, verpasst, was darunter passiert.

Das Smartphone-Geschäft schrumpft – aber wertvoller

Die Auslieferungen im Smartphone-Segment brachen im zweiten Quartal um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Einheiten ein, der Umsatz sank um 7,5 Prozent auf 42,119 Milliarden Yuan. Das liest sich zunächst wie ein Alarmsignal. Für mich überwiegt jedoch ein anderer Fakt: Der durchschnittliche Verkaufspreis kletterte auf ein Rekordhoch von 1.351 Yuan, ein Plus von 25,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Xiaomi verkauft also weniger Geräte, aber deutlich teurere. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Verschiebung ins Premiumsegment – und genau diese Verschiebung dürfte den Weg aus der margenschwachen Vergangenheit weisen.

Xiaomi-Präsident William Lu lieferte am Dienstag die Erklärung für den Gewinneinbruch: Die Speicherkosten verharrten im zweiten Quartal auf historisch hohem Niveau.

Zugleich kündigte er an, dass sich der Preisanstieg bereits verlangsamt habe und in der zweiten Jahreshälfte weiter nachlassen werde. Wenn das eintritt, fällt genau jener Kostenblock weg, der die Marge zuletzt am stärksten belastet hat. Die Aktie hat diese Aussicht offenbar vorwegnehmen wollen.

Das Auto-Geschäft liefert, was das Smartphone-Geschäft nicht mehr kann

Während das Kerngeschäft schrumpft, wächst das Elektroauto-Segment zweistellig. Der Umsatz stieg um 17,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Yuan, die Fahrzeugauslieferungen legten um 28,2 Prozent auf 104.199 Einheiten zu.

Am Montag überschritten die kumulierten Auslieferungen des Modells SU7 die Marke von 500.000 Einheiten. Xiaomi hat sein Auslieferungsziel für das Gesamtjahr 2026 daraufhin auf 550.000 Fahrzeuge angehoben.

Für mich ist das der eigentliche Grund, warum sich die Wachstumsstory von Xiaomi verändert hat. Das Unternehmen ist nicht mehr nur ein Smartphone-Hersteller mit angeschlossenem Ökosystem, sondern zunehmend ein Autobauer mit Skaleneffekten.

Ob dieses Segment das schwächelnde Smartphone-Geschäft langfristig kompensieren kann, bleibt die zentrale Frage für die Bewertung der Aktie – die Wachstumsraten sprechen aber klar dafür, dass die Auto-Sparte diese Last zunehmend mittragen kann.

Goldman Sachs sieht den Tiefpunkt nahen

Goldman Sachs bestätigte am Mittwoch sein „Buy“-Rating und hob die Schätzungen für die Bruttomarge im Smartphone-Geschäft für die Jahre 2026 bis 2028 an. Die Analysten erwarten, dass die Marge im dritten Quartal 2026 ihren Tiefpunkt erreicht, bevor sie sich erholt. Das deckt sich mit der Einschätzung des Managements zu den Speicherkosten und liefert damit eine externe Bestätigung der internen Argumentation.

Randnotiz mit Symbolkraft

Am Mittwoch startete Unitree Robotics in Shanghai an der Börse und schoss zeitweise um fast 630 Prozent nach oben. Shunwei Capital, mitgegründet von Xiaomi-Gründer Lei Jun, war früh bei Unitree investiert. Das ist kein direkter Werttreiber für die Xiaomi-Aktie, zeigt aber, wie tief das Ökosystem um Lei Jun in Zukunftstechnologien verwoben ist.

Unterm Strich

Die Aktie bleibt mit einem Minus von 30 Prozent seit Jahresbeginn und 47 Prozent auf Zwölfmonatssicht ein Papier, das viel Vertrauen verspielt hat. Der jüngste Kursanstieg wirkt für mich aber nicht wie eine Eintagsfliege, sondern wie die Neubewertung einer Story, in der das Auto-Geschäft das Smartphone-Geschäft als Wachstumsmotor ablöst, während sich die Kostenbelastung durch Speicherpreise laut Unternehmensangaben in der zweiten Jahreshälfte lösen soll.

Ob das reicht, um den Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro nachhaltig zu verkürzen, hängt davon ab, ob sich die Margenerholung in den kommenden Quartalen tatsächlich materialisiert.

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