Xiaomi Aktie: Erholung ohne Fundament

Xiaomis jüngste Kursgewinne beruhen auf technischen Faktoren, während steigende Chipkosten und schwache Quartalszahlen belasten.

Die Kernpunkte:
  • Kurserholung von 9,16 Prozent in sieben Tagen
  • Gewinneinbruch von 57 Prozent im ersten Quartal
  • Steigende Speicherchipkosten belasten Margenziele
  • EV-Sparte rutscht in operative Verluste

Xiaomi hat sich in den vergangenen sieben Handelstagen um 9,16 Prozent erholt. Der Kurs steht aktuell bei 2,80 Euro, kaum verändert zum gestrigen Schlusskurs von 2,81 Euro.

Trotzdem bleibt die Bilanz düster: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37,64 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 55,28 Prozent. Die Erholung wirkt technisch getrieben, nicht fundamental.

Am 26. Juni 2026 markierte die Aktie bei 2,34 Euro ihr 52-Wochen-Tief. Seither hat sie fast 20 Prozent aufgeholt. Das eigentliche Problem bleibt ungelöst: explodierende Preise für Speicherchips.

Die entscheidende Kennzahl

Der weitere Kursverlauf hängt an einer Zahl: der Bruttomarge im Smartphone-Geschäft im laufenden zweiten Quartal. Das erste Quartal 2026 zeigt bereits, wie ernst die Lage ist.

Der Nettogewinn brach um 57 Prozent ein, auf 4,72 Milliarden Yuan. Der Umsatz sank erstmals seit fast drei Jahren zweistellig, auf 99 Milliarden Yuan. Beide Werte verfehlten die Analystenerwartungen deutlich.

Ob Xiaomi die höheren Materialkosten bei DRAM- und NAND-Chips weitergeben kann, ohne Marktanteile zu verlieren, entscheidet über die Zukunft der Erholung. Der RSI liegt inzwischen bei 52,6 und zeigt ein neutrales Bild. Die überverkaufte Situation, die frühere Erholungen antrieb, ist damit aufgebraucht.

Bullisches Szenario

Für eine Stabilisierung spricht zunächst die Preispolitik des Managements. Seit März hat Xiaomi die Preise mehrerer Modelle angehoben, um 200 bis 400 Yuan pro Gerät. Die Konkurrenten OPPO und vivo zogen nach.

CEO Lei Jun ging noch weiter. Bei einer Produktvorstellung forderte er Kunden auf, Neukäufe vorzuziehen. Sein Argument: Die Speicherkosten dürften noch mindestens zwei weitere Jahre steigen. Eine ungewöhnlich offene Kommunikation setzt damit auf Preisdisziplin statt auf Rabatte.

Auch das Elektroauto-Geschäft liefert Argumente. Die Sparte zielt nun auf 550.000 Auslieferungen im Jahr 2026, rund 34 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Das verschafft der Aktie trotz der Schwäche im Smartphone-Geschäft zusätzlichen Spielraum.

Goldman Sachs bleibt optimistisch. Die Bank senkte ihr Zwölf-Monats-Kursziel von 41 auf 40 Hongkong-Dollar, behielt aber die Kaufempfehlung bei. Sie begründet dies mit einer Sum-of-the-Parts-Bewertung und einer konstruktiven Einschätzung zur EV-Auslieferungsrampe. Das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm signalisiert zudem, dass das Management von einer Bodenbildung ausgeht — bislang allerdings mit wenig Zugkraft.

Bärisches Szenario

Dem stehen ernstzunehmende Gegenargumente gegenüber. Der Gewinneinbruch im ersten Quartal ist kein Ausrutscher. Er spiegelt einen strukturellen Angebotsengpass wider, der laut mehreren Analystenhäusern noch Jahre andauern könnte.

Jefferies-Analyst Edison Lee stufte die Aktie von Hold auf Underperform herab. Sein neues Kursziel liegt bei 25,49 Hongkong-Dollar. Er verweist auf das schwache operative Ergebnis und den strukturellen Kostendruck durch Speicherchips.

Der Preisdruck verschärft sich konkret. Die Kosten für Speicherchips stiegen im Jahresvergleich um rund 100 Prozent. Das macht Xiaomis Margenziel im Smartphone-Segment zunehmend unerreichbar.

Auch das Elektroauto-Geschäft, eigentlich als Wachstumshoffnung positioniert, entwickelt sich in die falsche Richtung. Das EV- und KI-Segment verbuchte im ersten Quartal einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan. Im Jahr 2025 hatte die Sparte noch einen Gewinn erzielt. Der Rückschritt stellt die These einer sich selbst tragenden Autosparte infrage.

Der bearische Analystenkonsens beschränkt sich nicht auf eine Stimme. Zephirin senkte sein Kursziel auf 25 Hongkong-Dollar und behielt die Verkaufsempfehlung bei. Er verweist auf schwächere EV-Margenannahmen und ein erhöhtes Bewertungsrisiko im chinesischen Preiskrieg um Elektrofahrzeuge.

Ausblick

Solange der Kostendruck bei Speicherchips anhält, dürfte die Aktie in einer volatilen Spanne pendeln. Die untere Marke bildet das 52-Wochen-Tief bei 2,34 Euro, die obere der 50-Tage-Durchschnitt bei 3,01 Euro. Ein nachhaltiger Trendwechsel ist darin nicht angelegt.

Gelingt dem Management dagegen die Preiserhöhung ohne massiven Absatzverlust und dämmt es gleichzeitig die EV-Verluste ein, spricht mehr für eine fortgesetzte Erholung. Nächstes Ziel wäre dann der 100-Tage-Durchschnitt bei 3,32 Euro.

Bricht die Nachfrage im Einsteigersegment weiter ein oder verschärft sich der Margendruck im Automobilbereich, wird ein erneuter Test der Jahrestief-Marke wahrscheinlicher. Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026. Er wird im dritten Quartal erwartet und liefert erstmals belastbare Zahlen zur Margenentwicklung nach dem jüngsten Preisschub bei Speicherchips.

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