Xiaomi Aktie: Erholung unter Druck
Xiaomi-Aktie erholt sich kurzfristig, doch Speicherchip-Kosten und Verluste im EV-Geschäft belasten die langfristige Perspektive des Konzerns.

- Kurzfristige Erholung von 7,77 Prozent
- Speicherchip-Kosten steigen drastisch
- Smartphone-Absatz bricht um 19 Prozent ein
- Neues Aktienrückkaufprogramm über 20 Milliarden HKD
Plus 7,77 Prozent in einer Woche, aber minus 40,98 Prozent seit Jahresbeginn: Bei Xiaomi klaffen kurzfristige Erholung und langfristiger Absturz weit auseinander. Am Freitag schloss die Aktie bei 2,65 Euro, ein Tagesplus von 3,31 Prozent. Ob daraus mehr wird als eine technische Verschnaufpause, entscheidet sich an einer einzigen Frage: den Speicherchip-Kosten.
Die entscheidende Frage
Kann Xiaomi steigende Chippreise an Kunden weitergeben, ohne Marktanteile zu verlieren? Im ersten Quartal 2026 brach das Nettoergebnis um 57 Prozent auf 4,72 Milliarden Yuan ein. Der Umsatz sank um 11 Prozent auf 99,14 Milliarden Yuan.
Die Aktie notiert aktuell 13,50 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 3,06 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 3,97 Euro beträgt der Abstand sogar 33,24 Prozent. Eine Rückeroberung dieser Marken wäre ein erstes Signal, dass der Markt der Margen-Story wieder vertraut. Der RSI von 40,5 zeigt: Die extrem überverkaufte Lage hat sich entspannt, ohne bereits ins überkaufte Terrain zu kippen.
Bullisches Szenario
Für eine Stabilisierung spricht zunächst die Größe des Kapitalrückflusses. Xiaomi hat ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar aufgesetzt, laufend über zwölf Monate. Es löst ein bestehendes Programm ab, unter dem der Konzern bereits rund 399,6 Millionen Class-B-Aktien für etwa 14,6 Milliarden Hongkong-Dollar zurückkaufte. Das Management betont, die aktuellen Mittel reichten aus, um das erweiterte Programm ohne Belastung der Bilanz umzusetzen.
Parallel setzt der Konzern auf Premiumisierung. Trotz sinkender Stückzahlen verschiebt Xiaomi den Fokus bewusst auf höherpreisige Modelle. Die durchschnittlichen Verkaufspreise steigen dadurch spürbar, während weniger margenschwache Einsteigergeräte vom Band laufen. Auch das Servicegeschäft bleibt strukturell profitabel und fängt einen Teil des Hardware-Defizits auf.
Kurzfristig könnte zudem die internationale Expansion Impulse liefern. Fällt die Nachfrage in Europa und Asien stärker aus als im margenschwachen Heimatmarkt, entlastet das die Bilanz. Die annualisierte Volatilität von 34,72 Prozent zeigt: Kursausschläge in beide Richtungen bleiben möglich — Erholungen wie die der vergangenen Woche eingeschlossen.
Bärisches Szenario
Dagegen steht ein ernstes Gegenargument: Die Speicherchip-Krise ist strukturell, nicht vorübergehend. Xiaomi-Präsident Lu Weibing erklärte gegenüber Investoren, die Vertragspreise für Speicherchips seien seit dem dritten Quartal 2025 bei Smartphones etwa auf das Fünffache gestiegen. Bei Fernsehern liege der Anstieg bei fast dem Zehnfachen. Grund ist die Produktionsverlagerung von Samsung, SK Hynix und Micron in Richtung KI-Rechenzentren.
Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Counterpoint Research rechnet frühestens Ende 2027 mit einer Beruhigung der Preise. Xiaomis Vorstandsvorsitzender Lei Jun warnte Investoren sogar, der Kostendruck könne noch zwei weitere Jahre anhalten.
Die Folgen zeigen sich bereits in den Zahlen. Die Smartphone-Umsätze fielen im ersten Quartal um 12,5 Prozent auf 44,3 Milliarden Yuan. Der weltweite Absatz sank um 19 Prozent auf 33,8 Millionen Geräte — der stärkste Einbruch unter den fünf größten Herstellern. Die Bruttomarge im Smartphone-Segment rutschte von 12,4 auf 10,1 Prozent.
Auch das Elektroauto-Geschäft belastet. Nach einem kurzzeitig profitablen Vorjahresquartal rutschte es wieder in einen operativen Verlust im Milliardenbereich. Trotz des laufenden Rückkaufs blieb der Kurseffekt bislang begrenzt: Die Aktie fiel zwischenzeitlich sogar auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 2,34 Euro, markiert am 26. Juni. Verschärft sich der Margendruck weiter oder weiten sich die EV-Verluste aus, dürfte das Rückkaufprogramm allein kaum reichen, um den Abwärtstrend zu brechen.
Ausblick
Solange der Kurs über dem Jahrestief von 2,34 Euro bleibt und sich der RSI weiter aus dem überverkauften Bereich löst, spricht mehr für eine fortgesetzte technische Stabilisierung Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei 3,06 Euro. Zieht die Dynamik bei den Speicherchip-Kosten dagegen wieder an oder enttäuschen die Auto-Kennzahlen in den kommenden Wochen, dürfte die Aktie schnell zurück in Richtung Jahrestief fallen.
Der nächste harte Prüfstein sind die Zahlen zum zweiten Quartal 2026, die im dritten Quartal erwartet werden. Bis dahin bleiben die Preisentwicklung bei Speicherchips und die monatlichen Auslieferungszahlen im Autogeschäft die wichtigsten Frühindikatoren. Sie entscheiden, ob aus der jüngsten Gegenbewegung mehr wird als eine kurze technische Pause.
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